|
Die unglückliche Lehrerin Anna
Taylor (Christina Ricci) besucht eine Beerdigung, bei der sie
plötzlich glaubt, von der Leiche angeschaut zu werden. Nach dem
Leichenbegängnis geschehen weitere merkwürdige Dinge. Von diesen
Erlebnissen mitgenommen, dreht sie bei einem Abendessen mit
ihrem Freund (Justin Long) total durch, fährt angetrunken Auto.
Dann erwacht sie auf dem Vorbereitungstisch des
Leichenbestatters (Liam Neeson)… |
|
Die Farbe Rot
Schon zu Beginn des Films fällt die Sterilität der Farben auf.
Die Welt ist entweder in Weiß oder Dunkel gehüllt, Elemente sind
nur sehr blass und fallen kaum auf. Dies alles hebt aber Anna
Taylor hervor, die meist ein knallrotes (und kurzes) Kleid
trägt, später dann sogar durch rotes Haar auffällt. Ist rot die
Farbe vom Tod? In vielen Kulturen ja: Wenn ein Name in Korea rot
geschrieben wird, bedeutet dies, die Person ist tot. Aber auch
in anderen Kulturkreisen kann dieser Ton negative Assoziationen
haben. Ein schönes Farbspiel der polnischen Regisseurin
Agnieszka Wójtowicz-Vosloo bei ihrer ersten Arbeit mit großen
Namen der Schauspielergilde.
Is this real life?
Die Fragen, die sich durchweg stellen, sind, ob Anna nun
wirklich tot ist, oder Bestatter Eliot Deacon ein
durchgeknallter Mörder ist. Gibt es diese Übergangsphase vom
Diesseits ins Jenseits oder wird der Ex-Lehrerin alles nur
vorgegaukelt? Aber warum sieht sie im Spiegel dann aus wie eine
verwesende Leiche?
Der Film besticht durch wenige Antworten. Fragt sich nur, ob
diese Lücken Absicht sind. Deacon selbst sagt einfach immer nur:
„Das nervt mich!“ Er selbst hält sich für einen Auserwählten mit
einer Gabe.
Leichenbestatter und Jesus
Und er vergleicht sich mit Jesus, der laut ihm auch mit Toten
reden konnte. Vielleicht ein sehr gewagter Versuch, um die
Besonderheit der eigenen Gabe zu werben. In einem Film, der die
Zuschauer umhaut, wäre dies besser angebracht. After.Life ist
aber allemal ein Durchschnittsfilm. Trotz seiner Starbesetzung.
Trotz der guten Story. Trotz der Farbspiele. Aus solchem
Material hätte man viel mehr machen können. Dem Film mangelt es
an Spannung. An Tiefe.
Damit sind nicht die vielen offenen Fragen gemeint, die ja sogar
den Konsumenten ein wenig nachdenken lassen. In solchen Zeiten
vielleicht gar nicht mal so schlecht. Viel mehr fehlt den
Figuren das unumgängliche Charisma, das Empathie ermöglicht. So
endet alles leider nur als mittelmäßiger aber trotzdem recht
sehenswerter Kunstfilm, der das Prädikat „Horror“ aufgrund
mangelnder Furchterregung und Spannung eigentlich gar nicht
verdient. |