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Folter, Folter und
kein Ende. Dem Erfolg von Eli Roth's "Hostel", dem eine clevere
Marketing-Strategie zu Grunde lag, ist es zu verdanken, dass nunmehr seit
geraumer Zeit eine nicht mehr zu überblickende Flut an DtV-Torture-Flicks
über die Videotheken hereinbricht und sich der Genre-Freund vor steigendem
Angebot kaum noch retten kann. "Broken", "Sportkill" und
in Kürze noch "wAz" oder der norwegische "Rovdyr" - es
will einfach kein Ende nehmen. Offensichtlich will den Produzenten dabei
allerdings nicht in den Sinn kommen, dass sich die meisten Horrorfans
langsam an der Thematik satt gesehen haben, denn im Grunde ist es immer
wieder das selbe, das in offensichtlich neuen Aufmachungen verkauft wird.
Auch der letztjährig erschienene "Captivity" reiht sich nahtlos
in die Liste brutaler und im Grunde storyloser Folter-Machwerke ein, konnte
aber hierzulande dank einiger Probleme mit der FSK, sowie den nach
Aufmerksamkeit schreienden Covermotiven, einen kleinen Hype erfahren. Wie
allerdings zu erwarten war, rechtfertigt der Streifen die ihm zugekommene
Aufmerksamkeit letztendlich nicht.
Was hier vorliegt,
ist wieder einmal der beste Beweis dafür, wie irreleitend Werbung in
manchen Fällen doch sein kann. Die Promo-Plakate zu "Captivity"
sorgten für zahlreiche Protestwellen und ließen auf einen äußerst
aggressiven Genre-Vertreter hoffen, der den Torture-Porn auf seinen
endgültigen Höhepunkt bringt. Mit etwas Recherche lässt sich allerdings
in Erfahrung bringen, dass den Produzenten die ursprüngliche Variante des
Films zu harmlos war und die Folter-Sequenzen lediglich im Nachhinein
eingefügt wurden, um mehr Käufer anzulocken. Fraglich, über wie viele
Qualitäten ein Film verfügen kann, der noch mit Gewalt angereichert werden
muss, um ihn für sein Publikum interessanter zu machen. Und das Ergebnis
ist erschreckend: Die, nur wenig in die Handlung passenden Folterszenen,
sind der einzige, kleine (!) Lichtblick in einem ansonsten von
Spannungsarmut und Lustlosigkeit geprägten Schnellschuss eines Regisseurs,
der es eigentlich besser können müsste.
Roland Joffé heißt
der Mann, der mit "Killing Fields" drei Oscars einfahren konnte.
Sein Beweggrund, "Captivity" zu inszenieren, sei laut eigenen
Angaben die Tatsache gewesen, dass er noch nie zuvor einen Horrorthriller
inszeniert hätte und ihn die Arbeit auf derart engem Raum gereizt hätte.
Daran ist nur wenig auszusetzen - blöd nur, dass "Captivity"
inhaltlich absolut nichts zu bieten hat und ohne seinen kleinen Vorab-Hype
sofort im verdienten Sumpf der Bedeutungslosigkeit untergegangen wäre.
Lässt man nämlich die - nachträglich eingefügten - Gewaltmomente
beiseite und lässt den Rest des Films Revue passieren, dann ist da wenig,
verdammt wenig, was auch nur die geringste Daseinsberechtigung hätte. Die
Story ist längst ein alter Hut - Psycho entführt hübsches, junges Ding,
um mit diesem kranken Psychokram anzustellen. Wie man daraus ein intensives
und verstörendes Kammerspiel zaubern kann, beweist der Low-Budget-Schocker
"Scrapbook". "Captivity" zeigt hingegen vielmehr, wie
man eine derartige Thematik NICHT angehen sollte.
Das größte und
offensichtlichste Manko des Films ist das Fehlen jedweder Spannung oder
bedrohlicher Atmosphäre. Anfangs mag es zwar noch beängstigend wirken,
wenn der unheimlich-vermummte Entführer Jennifer auf einem Tisch
festschnallt und ihr ein Video seines letzten Opfers vorspielt, das er
mithilfe eines Säurebades optisch etwas verunstaltete - als er das selbe
Spiel dann allerdings mit Jennifer beginnt, entpuppt sich das angebliche
Säurebad als Fake, das lediglich dazu dienen sollte, ihren Willen zu
brechen. Derartig geht es oftmals zu. Immer wieder gerät Jennifer in
scheinbar ausweglose oder abstoßende Foltersituationen, aus denen sie dann
aber doch frühzeitig entkommen kann oder die sich als reiner Psychoterror
erweisen. Die einzig wirklich auf den Magen schlagende Szene ist die, in der
Jennifer ein widerlicher, blutiger Brei aus pürierten Augen und Ohren
eingetrichtert wird, doch der Splatterfan guckt hier permanent in die
Röhre. Wenn Jennifer in einem großen Glasgefäß langsam mit Sand
zugeschüttet wird, hält sich die Spannung auch in Grenzen, da sie sehr
schnell von Gary gerettet werden kann - da hat "The Cell" ein
ähnliches Szenario wesentlich verstörender präsentiert.
"Captivity"
ist ein Horrorthriller, dem es beinahe durchgängig an Thrill mangelt. Eine
allgegenwärtige Bedrohung ist nicht zu spüren, die Charaktere bleiben
blass und lediglich auf ihre jeweiligen Funktionen beschränkt. Jennifer ist
das Model, das in dem Keller wohl eine Art Läuterung in dem Sinne erfahren
soll, dass es im Leben mehr gibt als Schönheit und Luxus. Blöd nur, dass
einem die Figur absolut egal bleibt, da sie vom Drehbuch nicht näher
beleuchtet wird. Ähnlich verhält es sich mit Gary. Den auf ihn bezogenen
Plot-Twist riecht man meilenweit gegen den Wind. Wer nun wenigstens darauf
hofft, dass zumindest der oder die Entführer etwas näher betrachtet
werden, der täuscht sich. Bis auf Ansätze bleibt "Captivity" in
dieser Hinsicht belanglos.
Mit Elisha Cuthbert
konnte man sich wenigstens noch eine halbwegs bekannte Schauspielerin
angeln, die zudem einige optische Reize mit an Bord bringt. Bereits in
"House of Wax" durfte sich die Gute gegen verrückte Hillbillys
zur Wehr setzen, machte dort aber eine wesentlich bessere Figur. Der Grund
ist einfach der, dass das Drehbuch zu "Captivity", aus der Feder
von Larry Cohen und Joseph Tura, seinen Protagonisten keinerlei
Möglichkeiten zur Entwicklung bietet und so selbst der beste Schauspieler
aufgeschmissen wäre. So bleibt Cuthbert nichts anderes, als auf ihre
Schauwerte zu setzen und zumindest in dieser Hinsicht ist ihre Darbietung
fabelhaft, wenn es auch keine nennenswerten Nacktszenen zu bestaunen gibt.
"Captivity" ist ein mehr als sonderbarer Versuch, einen
Konkurrenten zu Filmen wie "Hostel" oder "Saw" ins
Rennen zu schicken. Roland Joffé inszenierte einen unentschlossenen
Horrorthriller, der wohl niemandem wirklich zusagen dürfte. Die anfangs
noch düster gehaltene Inszenierung überzeugt zwar zeitweise, allerdings
will zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl der Bedrohung entstehen, so dass der
Film alsbald nur noch durch seine Folterszenen interessant bleibt. Diese
wurden allerdings so offensichtlich in nachträglicher Arbeit in das Werk
integriert, dass sie im Kontext nur wenig Sinn ergeben und nicht mehr viel
retten können. Elisha Cuthbert tut in der Hauptrolle zwar ihr Bestes, hebt
"Captivity" allerdings auch nicht mehr auf ein durchschnittliches
Niveau. |