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Die allgemeine
Situation sieht für die beiden ungleichen Brüder David (Andy Serkis) und
Peter (Reece Shearsmith) nicht gerade rosig aus. Nach dem Tod der Mutter
erben die Beiden gemeinsam deren Haus, was Peter allerdings ganz und gar
nicht in den Kram passt. Er möchte das Haus für sich, seine Frau und seine
Kinder alleine haben, doch David ist nicht davon zu überzeugen, von seinen
Erbansprüchen abzusehen. Da macht er seinem Bruder allerdings einen
Vorschlag: Wenn dieser ihm bei einer Entführung behilflich ist, die eine
große Menge Bares in Aussicht stellen würde, wäre er bereit, Peter das
Haus zu überlassen. Dieser ist gar nicht davon angetan, in illegale
Machenschaften verstrickt zu werden, sagt dann aber doch zögernd zu.
Zuerst
scheint es auch so, als würde David's Plan voll aufgehen. Die beiden
entführen Tracey (Jennifer Ellison), die Tochter eines einflussreichen
Geschäftsmannes und bringen sie zu einer abgelegenen Waldhütte. Dort soll
dann Andrew (Steve O'Donnell), Traceys Stiefbruder, erscheinen, der in die
Sache eingeweiht ist und ebenfalls dick abkassieren möchte. Schnell muss
David jedoch feststellen, dass er von Idioten umgeben scheint und die Sache
immer mehr aus dem Ruder läuft. Zuerst taucht Andrew mit einer Aktentasche
voller Papier auf, dann lässt sich sein verweichlichter Bruder Peter auch
noch von der zickigen Geisel überwältigen und wird seinerseits von ihr
entführt. Dabei haben alle Beteiligten keine Ahnung, dass in den Wäldern
außerhalb der Hütte ein schrecklich entstellter Farmer auf sie lauert, der
ihnen schon sehr bald Probleme ganz anderer Natur bescheren wird... |
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Betrachtet man die
derzeitige Entwicklung des Horrorfilms, sticht schnell ein eindeutiger Trend
heraus. Den deutschen Schnittauflagen und Indizierungseskapaden zum Trotz
verkaufen sich hierzulande, genau so wie anderswo, neuerdings die
blutrünstigsten Genre-Vertreter am Besten. Mit den französischen Werken
"Inside" und "Frontier(s)" stehen bereits zwei neue
Kandidaten in den Startlöchern, bei denen man annehmen darf, dass sie
deutschlandweit kein leichtes Schicksal haben werden, wo schon der im
Vergleich harmlosere "Hostel 2" kürzlich endgültig beschlagnahmt
wurde. Neben dieser eindeutigen Strömung an schonungsloser
Gewalt-Exploitation ist es aber noch eine andere Gattung des Horrorfilms,
die langsam aber sicher immer mehr Anhänger findet und sich immer
größerer Beliebtheit erfreut: Die (vorzugsweise britische) Horrorkomödie.
Nach Erfolgen wie
"Shaun of the Dead" und "Severance" schwappt nun eine
weitere schwarze Horror-Persiflage aus Großbritannien zu uns herüber, die
für viele Fans des Genres sicherlich eine willkommene Abwechslung zu den
langsam aber sicher eintönig werdenden Folter-Flicks bieten wird. Dabei
stellt sich natürlich schnell die Frage, ob und inwiefern hierbei noch mit
Innovation zu rechnen ist, nachdem die beiden eben genannten Genre-Kollegen
bereits das Meiste richtig machten und die Messlatte für ähnliche Streifen
hoch anlegten. Sicherlich wird "The Cottage", so der Titel des
Films, nicht um unzählige Vergleiche herumkommen, trotzdem und das ist das
Erfreuliche, hat er es nicht nötig diese zu scheuen. Es kann darüber
gestritten werden, ob der Film nun wirklich ganz die Klasse von "Shaun
of the Dead" oder "Severance" erreicht, aber ein
unterhaltsamer Filmabend unter Horror-begeisterten Kollegen ist mit diesem
Streifen sicher.
Storytechnisch geht
"The Cottage" über weite Strecken eigene Wege und entwickelt sich
erst in der zweiten Hälfte zur offensichtlichen Abrechnung mit den
altbekannten Horror-Klischees. In den ersten 40 Minuten hingegen hat das
Werk mit dem Genre
kaum etwas zu tun, sondern präsentiert dem Zuschauer eine gut aufgelegte,
von vielen spritzigen Dialogen lebende Gangsterkomödie. Andy Serkis und
Reece Shearsmith spielen vortrefflich die äußerst unterschiedlichen
Brüder, die zusammen eine Entführung auf die Beine zu stellen versuchen.
Dabei wird Serkis' Charakter David von seinen Mitkomplizen, die an
Unvermögen und Schusseligkeit kaum zu überbieten sind, immer wieder an den
Rand des Wahnsinns getrieben. Fast schon kann einem der Kleinkriminelle
etwas Leid tun, wenn sein gut durchdachter Plan daran scheitert, dass sich
sein trotteliger und weinerlicher Bruder von der Geisel kidnappen lässt.
Es ist vor allem
diese erste Hälfte des Films, welche frei von Horrorfilm-Attributen ist,
die dem Publikum beste Unterhaltung bieten kann. David's langsames
Verzweifeln angesichts der katastrophal schief laufenden Situation, Peters
beinahe-Gehorsam gegenüber der herrischen (und großbrüstigen) Geisel und
zudem der fette und in jeder Hinsicht nichtsnutzige Andrew, all das sorgt
für reichlich Lacher und lässt einen stellenweise direkt vergessen, dass
es sich hierbei eigentlich um einen Horrorfilm handelt. Dies wird dann aber
in der zweiten Hälfte um so offensichtlicher verdeutlicht, als der Film
quasi plötzlich einen Umsprung macht, nachdem Peter von seiner eigenen
Geisel Tracey gekidnappt wurde und die beide auf der Farm eines entstellten
Hillbillys landen, der dort seine Zeit vorzugsweise damit verbringt, seine
Sammlung abgeschlagener Köpfe zu erweitern. So wird aus dem bis dato
humorvollen Film plötzlich ein durchaus harter Kampf ums Überleben, bei
dem der Spaßfakter zwar etwas zurückgeschraubt, letztendlich aber nie ganz
vergessen wird.
Regisseur Paul
Andrew Williams, der zuvor schon mit "London to Brighton" auf sich
aufmerksam machte, gelingt eine im Grunde perfekte Mischung aus spannendem
Survival-Horrorthriller und schwarzer Komödie. Beide Genres wechseln
einander derart geschickt ab, dass keines der Beiden zu kurz kommt oder gar
unglaubwürdig zu werden droht. Ein weiterer Vorteil der vergleichsweise
untypischen ersten Filmhälfte ist der, dass der Zuschauer mittlerweile
schon eine gewisse Sympathie zu den irgendwie liebenswerten Brüdern
aufbauen konnte, die nun auf der Farm eines geisteskranken Rednecks um ihr
Überleben kämpfen müssen. In der zweiten Hälfte lebt "The
Cottage" dabei in erster Linie von einem konstanten Spannungsbogen, der
das Ganze niemals langweilig werden lässt und immer wieder mal in kurzen
aber effektiven Gewaltsequenzen gipfelt. Für Splatterfans ist das
Dargebotene dabei zwar zu wenig, gut bei Laune gehalten wird man dank eines
in der Hälfte geteilten Kopfes à la "Wrong Turn" und einigen
weiteren, fiesen Einfällen dennoch.
Dennoch verlässt
sich das Werk erfreulicherweise nicht auf Unmengen von Blut, sondern stellt
die beiden charismatischen Hauptfiguren und die bizarre, spannende Situation
in den Vordergrund, die immer mal wieder von kleinen Gags aufgelockert wird.
Ohne glaubhafte Schauspieler würde das Ganze in dieser Form natürlich
nicht funktionieren und diese hat man glücklicherweise genau richtig
besetzt. Allen voran ist dabei Andy Serkis zu nennen, der durch seine Rollen
in Peter Jackson's Epen "King Kong" und der "Herr der
Ringe" Trilogie auch einem größeren Publikum bekannt wurde. Hier
schlüpft er in die Rolle eines Kleinkriminellen, der durch die absolute
Unfähigkeit seiner Komplizen stets kurz davor steht, die Fassung zu
verlieren und sich dadurch ein ums andere Mal herrlich aufregen darf.
Serkis' tolles Schauspiel bereichert den Film enorm. Selbiges lässt sich zu
Reece Shearsmith, bekannt durch die britische Kult-Serie "League of
Gentlemen", sagen. Er verkörpert das typische Weichei, das zuhause
unter den Fittichen seiner korpulenten Frau steht und nun von der
Entführung absolut überfordert scheint. Er und Serkis harmonieren perfekt
miteinander und spielen den restlichen Cast komplett an die Wand, wobei es
unangebracht wäre, Jennifer Ellison, welche die Geisel gibt, lediglich auf
ihr Äußeres zu reduzieren. Auch sie bringt das gewisse Etwas in ihrer
Rolle mit, Ausfälle gibt es hier ohnehin keine zu beklagen. In einer
kleinen Rolle übrigens noch zu sehen: Doug "Pinhead" Bradley.
Ganz in der Tradition von "Shaun of the Dead" und
"Severance" bietet Paul Andrew Williams' "The Cottage"
amüsante Horror-Unterhaltung auf beeindruckender Ebene. Hier steht die
eigentliche Story noch über irgendwelchen Schauwerten und so ist es eine
stete Freude, den allesamt sympathisch-chaotischen Hauptfiguren bei ihrem
wirren Treiben zu folgen und sie immer wieder ins nächste Fettnäpfchen
tappen zu sehen. Für reine Gorehounds ist das Ganze natürlich denkbar
ungeeignet, denn der Blutfaktor wird dabei vergleichsweise gering gehalten,
auch wenn man auf vereinzelte, blutige Sauereien natürlich nicht verzichten
muss. Letztendlich werden aber vor allem die ihre Freude an dem Film haben,
die auch mal herzhaft über das Genre lachen können und an die geht an
dieser Stelle auch eine Empfehlung. "The Cottage" wird wohl nicht
lange im Gedächtnis bleiben, aber für einen spaßigen Filmabend ist er
absolut zu empfehlen. |