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In einem Foto-Labor
tauchen „Schnappschüsse“ einer offensichtlich toten nackten Frau auf.
Die daraufhin eingeschaltete Polizei stellt dem Urheber der Fotos eine Falle
und verhaftet ihn als er sie entwickelten Bilder abholen will. Bei dem
Verdächtigen handelt es sich um den Taxifahrer Lam, der Nachtschichten
schiebt und zusammen mit seiner Verwandtschaft in einer kleinen Wohnung in
Hongkong lebt. Eine Hausdurchsuchung fördert Schreckliches ans Tageslicht:
Die Beamten stoßen auf einen Schrank, randvoll mit „erotischen“ Fotos
verstümmelter toter Frauen, ebenso wie Reagenzgläser mit weiblichen
Körperteilen und Organen.
Zufälliger Weise sind in letzter Zeit mehrere junge Frauen als vermisst
gemeldet.
Könnte da eventuell ein Zusammenhang bestehen? Zurück auf der Wache stellt
sich Lam im Verhör zunächst stur. Mit seiner Familie, die ihm bisher
vertraut hat, nun aber erkennt, was für eine Bestie er wirklich ist,
konfrontiert, lässt er sich dann doch zu einem Geständnis hinreißen. Nach
und nach gibt er die grausamen Details seiner Taten preis: Die Taten eines
Serienkillers, geprägt von Voyeurismus und Nekrophilie... |
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„DR. LAMB“ ist einer
der früheren CAT-III-Vertreter des Hongkong-Kinos der 90er Jahre. Um einem
solchen (dem in Hongkong höchsten) Rating gerecht zu werden, präsentiert
auch DR. LAMB nackte Haut und explizite Gewalt in Hülle und Fülle. Anders
als vergleichbar trashige Vertreter seiner Zunft, wie z.B. „MEN BEHIND THE
SUN“ oder „STORY OF RICKY“, kann „DR. LAMB“ darüber hinaus jedoch
auch noch mit einer wirklichen Story aufwarten und beschränkt sich daher
nicht einfach auf das stumpfe Aneinanderreihen harter Gewaltdarstellungen
oder Sadismen.
Mit seiner Geschichte um einen Serienkiller, ebenso wie mit seiner
Story-Line, die Taten des Killers erst innerhalb eines Geständnisses nach
seiner Verhaftung zu zeigen, drängt sich ein Vergleich zum ebenfalls 1992
entstandenen, berühmt-berüchtigten CAT-III-Klassiker „THE UNTOLD STORY“,
geradezu auf, zumal die Riege der Schauspieler beider Filme nahezu
identisch, und Danny Lee, in beiden Streifen den Chef-Inspektor Lee mimt.
Simon Yam, vielen Hongkong-Fans sicherlich noch gut in Erinnerung durch sein
Mitwirken in John Woo’s Klassiker „BULLET IN THE HEAD“ (HK, 1990),
brilliert in der Rolle des unscheinbaren perversen Triebtäters. Seine
Darstellung des Charakters schwankt ständig zwischen melancholisch
apathischer Tristesse (wenn er z.B. mit seinem Taxi auf der Suche nach neuen
Opfern durch die Gegend kurvt) und psychotischem Wahnsinn. Anders als z.B.
Anthony Wong, als von ersten Augenblick unsympathisch wirkenden Zeitgenossen
in „UNTOLD STORY“, ist der Täter in „DR. LAMB“ ein auf den ersten
Blick eher sympathischer, gutaussehender Typ, und es zeigt sich einmal mehr,
was es bedeutet, von einem Wolf im Schafspelz zu sprechen.
Besonders erschreckend ist auch, dass der Serienkillers die Schändung und
Beseitigung seiner Opfer unbemerkt von seinen Angehörigen in der
familiären Wohnung vornehmen kann. Eine angesichts des heutzutage
zunehmenden Leistungsdrucks und daraus resultierender Anonymität, gerade in
den Großstädten durchaus keine mehr völlig abwegige Vorstellung, sondern
letztendlich nur eine etwas überspitzte, weitergesponnene Darstellung der
unfassbaren Taten so realer Serienkiller wie z.B. Jeffrey Dahmer. Dieser
konnte schließlich auch über Monate hinweg nahezu ungestört von der
Nachbarschaft in der Anonymität eines Apartmenthauses seinen Trieben
nachgehen.
So kann „DR. LAMB“ mitunter auch als eine (wenn auch sehr plakative und
krasse)Art von Sozialstudie angesehen werden, die die kumulative Wirkung
unterschiedlicher gesellschaftlicher Problemsituationen (Leistungsdruck,
Wohnraummangel) mit individuellen Problemen (das gestörte Sexualverhalten
des Täters, Frustration im Job) aufzeigt. Da bedarf es in diesem Fall nur
einer kleinen Stresssituation (und sei es nur ein besoffener weiblicher
Fahrgast, der das Taxi voll kotzt) und der Serienkiller bricht in der
Persönlichkeit durch...
Die graphische Gewaltdarstellung ist in der vorliegenden Fassung (DVD von
Winston) durch Schnitte weitestgehend entschärft und somit meistens nur
angedeutet. Dennoch verursachen die intensiven Gewaltexzesse und die brutale
Vorgehensweise beim Zuschauer penetrantes unwohliges Gefühl in der
Magengegend, wie es z.B. seinerzeit auch bei „THE UNTOLD STORY“ der Fall
war.
Im Gegensatz zu letzterem verzichtet „DR. LAMB“ allerdings im großen
und ganzen auf Klamaukdialoge oder Trottel-Bullen, sodass die düstere
Grundstimmung des Filmes permanent aufrecht erhalten wird. Lässt sich das
Drehbuch dennoch mal an der ein oder anderen Stelle zu dem wohl für die
meisten Hongkong-Produktionen obligatorischen komödiantischen Elementen
hinreißen, liegen diese wenigen Klamauk-Einlagen jedoch stets im
Grenzbereich zwischen grimmig-schwarzem Humor und Geschmacklosigkeit, so
dass dem Normalbürger sicherlich das Lachen im Halse stecken bleiben
dürfte. Beispiel gefällig? Als die Polizeibeamten die Wohnung Lam’s
durchsuchen, stoßen sie auf Reagenzgläser mit eingelegten menschlichen
Organen und abgetrennten Körperstücken. Während eine Polizeibeamtin
daraufhin ihr Mittagessen würfelhustet, „entleeren“ zwei ungeschickte
Kollegen durch Tollpatschigkeit eines der Reagenzgläser. Im hohen Bogen
landet eine abgetrennte weibliche Brust auf dem Rücken der kotzenden
Politesse...
In einer anderen Szene schaut sich das Polizeikollegium ein vom Täter
angefertigtes Nekro-Sex-Video an, das sie in seiner Wohnung gefunden haben.
Während die männlichen Beamten den Film einigermaßen amüsiert(??!!)
begutachten (man vermisst fast schon die Popkornbecher auf ihrem Schoß),
gibt sich die Polizistin (die mit der Brust, siehe oben) mal wieder dem
Rückwärts-Essen hin. Auf die Bemerkung eines Beamten: „Widerlich!! Der
Typ hat die Leiche ja fast 30 Minuten missbraucht!“ tönt es aus den
hinteren Reihen: „Naja, waren eher 40 Minuten..“ Sehr finster so was...
Atmosphärisch kann der Film sehr überzeugen, was sicherlich in erster
Linie dem gelungenen Zusammenspiel von Farben und Musik zu verdanken ist.
So arbeitet der Film sehr stark mit Kontrasten und Farbfiltern. Insbesondere
die Verwendung von Blaufiltern heben die im Film üppig verwendeten roten
Farben z.B. des Taxis und natürlich des Blutes sehr stark hervor. Sehr
stimmungsvoll durch Lichtspiegelungen auch, dass sich die Mordszenen fast
ausschließlich bei Regen und dazu noch im Auto abspielen. Untermalt wird
der Film durch dezent eingesetzte Musik, im Wechsel zwischen melancholischen
Saxophon-Themen (z.B. während der Suche des Täters nach einem neuen Opfer)
und dramatischen Klängen, gewissermaßen als Ankündigung des folgenden
Grauens.
Der Film spielt ohne Zweifel mit dem Thema Voyeurismus. Voyeur ist dabei
nicht nur der Täter, der in seiner Kindheit die Eltern beim Sex beobachtet,
später die eigene Schwester beim Duschen begafft und seine Opfer in
erotischen Posen fotografiert, sondern letztendlich auch der Zuschauer
selbst, indem der Film ihn durch die Präsentation der entkleideten Opfer
gewissermaßen teilhaben lässt an der Taten des Killers und dessen
sexuellen Perversion. Umgekehrt scheint es der Täter offensichtlich selber
nicht zu mögen, wenn er „beobachtet“ wird. Daher überklebt er stets
die starren Augen seiner Opfer, während er sie fotografiert oder sich an
ihnen vergeht.
Anscheinend sind alle bisherigen DVD-Veröffentlichungen des Films
geschnitten. Eine weltweit einzige ungeschnittene Fassung des Films bietet
das spanische VHS-Tape von „Made in Hongkong“ (sic!). Leider ist das
Tape nur mit spanischer Synchronisation und Vollbild L
Fazit: Finsterer CAT-III-Klassiker um einen Serienmörder. Nichts für
zartbesaitete Gemüter.
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