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Der Familienvater Katsuhiko Kobayashi (Katsuya
Kobayashi) macht sich ernsthafte Sorgen um seine Familie, bei der er schon
seit geraumer Zeit erste Anzeichen von Geisteskrankheit festzustellen
glaubt, weshalb er all das gesparte Geld, das er über die Jahre in einem
großen Konzern verdient hat, zusammenkratzt, um mit seiner Familie aus der
erstickenden Großstadt zu fliehen. Gemeinsam ziehen sie in ein hübsches
Häuschen in einem Vorort von Tokio. Alle sind begeistert über die Idylle
des Eigenheims: Katsuhiko's Frau Saeko (Mitsuko Baisho) bringt dies zum
Ausdruck, indem sie sich ihrem Mann "schenkt", während Tochter
Erika (Youki Kudoh), die noch immer dazu neigt, in Babysprache zu sprechen,
in ihrem eigenen Zimmer endlich für ihre künftige Karriere als Sängerin
oder Catcherin üben kann.
Anfangs läuft alles seinen geregelten Gang, doch als Katsuhiko irgendwann
eine Termite im Haus entdeckt, geht er mit allen Mitteln gegen die
vermeintlichen Schädlinge vor. Auch bei den restlichen Familienmitgliedern
zeigen sich nach und nach wieder die Anzeichen der alten Krankheit.
Sohnemann Masaki (Yoshiki Arizono) zieht sich Tag und Nacht in sein Zimmer
zurück, um für seine Collegeprüfung zu lernen und bringt sich durchaus
auch selbst Schmerzen bei, um nicht einzuschlafen. Als dann auch noch
Katsuhiko's Vater Yasukune (Hitoshi Ueki) bei ihnen einzieht, gerät die
Situation völlig aus den Fugen. Katsuhiko schlägt mitten im Wohnzimmer ein
Loch in den Boden, um seinem Vater ein neues Zimmer auszuheben, wo er
allerdings auf weitere Termiten stößt. Da verliert er vollends den
Verstand und sieht für sich und seine Familie nur noch einen Ausweg:
Gruppenselbstmord! Die restliche Familie ist von dieser Idee jedoch ganz und
gar nicht begeistert, so dass es schnell zu einem gnadenlosen
Überlebenskampf in den eigenen vier Wänden kommt...
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Den Japanern macht einfach niemand etwas vor,
was verrückte Filmideen angeht. Was schon lange Gewissheit ist, bestätigt
sich durch "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" wieder
einmal bestens. Hinter dem höchst seltsamen Titel verbirgt sich eine
schräge und rabenschwarze Komödie, die mittlerweile mit 23 Jahren schon
etwas älter ist, im Laufe der Zeit aber einen gewissen Bekannt- und
Beliebtheitsgrad erlangen konnte, der dem Film auch hierzulande in gewissen
Kreisen einen bestimmten Kultstatus verleiht. "Die Familie mit dem
umgekehrten Düsenantrieb" ist eine sehr überzeichnete Parodie auf das
schöne Bild des perfekten Familienlebens und zersetzt dieses Bild gnadenlos
durch die schrägsten Einfälle. Der Einfluss dieses Films auf andere
Regisseure ist unverkennbar. Wer sich etwas auskennt, weiß, dass für Filme
wie "2LDK" oder "Visitor Q" nicht nur einmal zu
"Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb" gelinst wurde. Der
etwas merkwürdige Filmtitel findet seinen Ursprung im Übrigen in einer in
Japan üblichen Redewendung, die auf einen Vorfall zurückgeht, bei dem ein
japanischer Pilot in einem plötzlichen Anfall von Verwirrung die Turbinen
einer vollbesetzten Passagiermaschine auf Schubumkehr setzte und diese somit
zum Absturz brachte.
Mindestens so schräg wie der Titel ist auch der ganze Film geraten, auch
wenn davon zu Beginn nur recht wenig zu erahnen ist. Dem Zuschauer wird die
typische japanische Kleinfamilie vorgestellt: Der in einem großen Konzern
hart arbeitende Vater bringt das Geld nach Hause, die Mutter kümmert sich
um den Haushalt, der Sohn widmet die gesamte Freizeit seinen Schulbüchern
und die Tochter blickt zu den großen Stars auf und möchte einmal Sängerin
werden. So weit nichts ersichtlich, was auf eine abgefahrene Komödie ohne
jegliche Grenzen hindeuten würde, allerdings ist schnell klar, dass Sôgo
Ishii's Bilder einer ganz normalen Familie nur Fassade sind. Dahinter liegt
nackter Wahnsinn blank, der sich in immer verrückteren Taten entlädt. Wer
an dieser Stelle nun meint, den Namen des Regisseurs schon einmal gelesen zu
haben, der wird ihn mit Sicherheit in Verbindung mit "Electric Dragon
80.000 V" kennen, bei dem Ishii ebenfalls Regie führte und der
hierzulande gemeinsam mit "Tetsuo - The Iron Man" auf DVD
erschien.
Das Besondere an dem Film sind in erster Linie seine Charaktere, auf denen
der Streifen geschickt aufbaut und ohne die er witzlos wäre. Sie alle
wirken auf den ersten Blick ganz normal, haben aber dann ausnahmslos ihre
mehr oder weniger große Macken, die sich mit fortschreitender Spieldauer
immer mehr bemerkbar machen. Gerade der Vater ist eine Sache für sich. Er
ist so sehr auf das Wohl seiner Familie aus, dass er gar nicht bemerkt, wie
sehr er von allen nur ausgenutzt wird. Als er sich gar nicht anders zu
helfen sieht, hält er den Gruppenselbstmord für die letzte Lösung. Das
Tolle an den Charakteren ist sicherlich ihr, auf den ersten Blick, normales
Erscheinungsbild, das aber nur schwer über die Probleme hinwegtäuscht, die
sie alle mit sich zu tragen haben. Dabei sind sie alle sehr überspitzt
dargestellt, insbesondere die kleine Tochter, die ständig nur in der
dritten Person von sich spricht und somit von kaum jemand ernstgenommen
wird. Klasse ist auch der Großvater, der sich bestens darüber amüsiert,
wenn er einem kleinen Kind im Park einen Ball ins Gesicht wirft.
Manchmal hat man gerade so als Europäer seine gewissen Probleme mit
japanischen Filmen, da einem ein direkter Bezug zum Geschehen fehlt, hier
ist das jedoch ganz anders. Jeder wird sich in einer der Figuren vielleicht
wiedererkennen, zudem wird man durch immer neue Einfälle stetig bei Laune
gehalten. Gerade das immer stärkere Abdriften des Vaters in den Wahnsinn
ist sehr humorvoll dargestellt. Irgendwann ist er so sehr davon besessen,
die weißen Ameisen (Termiten) zu bekämpfen, dass er es am Arbeitsplatz
nicht mehr aushält, nach Hause rennt (sehr schön in einer Kamerafahrt vor
ihm her festgehalten) und dem Ungeziefer dort mit Feuer zu Leibe rückt.
Auch, die tolle Idee, mitten in der Wohnung ein Loch buddeln zu müssen, bis
er auf eine unterirdische Quelle stößt und das Haus unter Wasser setzt,
sorgt immer wieder für das eine oder andere schmunzeln.
Das einzige Problem des Films ist, dass er mit über 100 Minuten etwas zu
lang geraten ist, was sich an manchen Stellen schon bemerkbar macht. Manche
Szenen hätte man durchaus kürzen können, hin und wieder wird der sonstige
Drive das Ganzen dadurch etwas ausgebremst. Entschädigt wird man dadurch
aber durch ein grandioses Finale, das in einem wirren Überlebenskampf
endet, nachdem die Idee des Gruppenselbstmordes nicht auf Anklang stoßen
konnte. Die Familienmitglieder heizen sich gegenseitig kräftig ein,
Highlight ist dabei die Szene, in der der Großvater droht, seine Nichte zu
vergewaltigen, wenn die anderen nicht kapitulieren. Dies ist dabei so
abgehoben dargestellt, dass man nur noch darüber lachen kann. Sogo Ishii's
Gesellschafts-Satire wird sich sicherlich nicht jedem erschließen,
allerdings werden alle, die sich auch für andersartige, alternative Ideen
öffnen können, ihren Spaß mit dem Streifen haben. Die Schauspieler gingen
zum Teil mit dem typischen Overacting zu Werke, das man aus asiatischen
Gefilden schon kennt, allerdings verkörpern sie ihre Charaktere sehr
passend. Manche von ihnen sind auch durchaus bekannt, so ist Youki Kudoh
beispielweise bald in "Rush Hour 3" zu sehen, während auch die
restlichen Hauptdarsteller schon in zahlreichen anderen Streifen tätig
waren.
"Die Familie mit dem umgedrehten Düsenantrieb" ist ein Film, den
man mögen oder hassen kann, dazwischen gibt es nicht viele Möglichkeiten.
Entweder man kann sich mit der überdrehten Machart des Films anfreunden und
lacht herzhaft, wenn sich eine japanische Kleinfamilie an die Gurgel geht,
oder eben nicht. Stellenweise macht sich zwar schon etwas Langatmigkeit
breit, dafür wird man dann aber immer wieder von großartig-absurden
Situationen entschädigt, die nicht selten so abstrus sind, dass sie einfach
nur urkomisch wirken. "Die Familie mit dem umgedrehten
Düsenantrieb" ist eine bissige und sarkastische Gesellschafts-Satire
und sollte auch als solche verstanden werden, ein Reinschauen lohnt sich
hier auf alle Fälle.
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