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Frühes 20. Jahrhundert, eine
Zeit, in der das Trinken von Ochsenblut als bestes Mittel gegen Blutarmut
galt: Der Dieb Marc gerät auf seiner Flucht vor seinen Komplizen, denen er
deren Anteile an einer Tasche voller Gold unterschlagen hat, auf ein
Wasserschloss. Mit Ausnahme von 2 schönen jungen Frauen scheint das Schloss
unbewohnt zu sein, denn die Schlossherren werden erst in einigen Tagen
zurück erwartet. Während draußen Marcs Verfolger das Schloss
belagern, versuchen Eva und Elisabeth ihren Gast zu überzeugen, bis zum
Abend zu bleiben, für den nämlich noch weitere Gäste zu einer
mysteriösen Veranstaltung erwartet werden.
So kümmert sich Eva erst um Marcs sexuelle Bedürfnisse (was bei Elisabeth,
die offenbar ein lesbisches Verhältnis mit Eva hat, zu Eifersucht führt),
bevor sie den Komplizen das Gold aushändigt. Der Anführer möchte sie
vergewaltigen, doch endet er mit einem Messer im Bauch, bevor der Rest der
Bande mit einer großen Sense gemeuchelt wird. Elisabeth warnt Marc, er
solle doch nicht bis zum Abend bleiben, doch davon will er nichts wissen.
Am späten Abend erscheint zunächst Hélène, die offenbar die Chefin einer
Gruppe von 7 Frauen ist, die sich regelmäßig auf dem Schloss treffen,
bevor noch die restlichen 4 Mädels ankommen. Marc gefällt sich natürlich
als Hahn im Korb, man feiert, doch noch hat Marc nicht realisiert, weshalb
sich die Ladys auf dem Schloss treffen…
Die Frauen wollen sich nämlich nicht mehr mit Ochsenblut begnügen…
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„Jetzt bist du in der Welt
von Elisabeth und Eva, in der Welt von Wahnsinn und Mord!“
Bevor ich diesen Film zum ersten Mal sah, war mir der Name Jean Rollin nicht
wirklich ein Begriff. Ich wusste, dass es Menschen gab, die in höchsten
Tönen von seinen Filmen schwärmen, doch war in Deutschland praktisch
nichts erhältlich, abgesehen von 2 Filmen, die Staatsanwälten und Richtern
missfielen. Die Label X-Rated bzw. X-NK haben dies zum Glück geändert und
eine „Jean Rollin Collection“ aufgelegt, in der „Fascination“ als #
5 erschienen ist.
Und das ist auch gut so! „Fascination“ erscheint mir ideal, um in die
Filme von Jean Rollin einzusteigen. Wer Blutsuppe und Gedärmeweitwurf
sucht, ist hier an einer Adresse, wie sie falscher nicht sein könnte.
Rollin machte vielmehr einen ruhigen, ja geradezu poetischen Film von
erlesener Schönheit zum Thema der lesbischen Vampire, verbunden mit
wundervoller Musik.
Rollin gelingt es Szenen zu erschaffen, die man immer wieder sehen möchte.
Dazu gehört gleich zu Beginn im Schlachthof eine Szene, in der sich eine
Frau ihre Lippen mit Blut benetzt. Die Szene, in der Elisabeth und Eva mit
Dolchen vor Marcs Gesicht herumfuchteln. Hélènes blutrot geschminkte
Lippen. Die transparenten Gewänder der Mädels. Auch die Sexszenen sind
Rollin erotisch gelungen.
Einfach wundervoll gemacht ist das Duell zwischen Eva und der Frau aus der
Bande. Erst verfolgt Eva, nackt unter ihrem wallenden schwarzen Umhang, die
Frau, dabei die riesige Sense schwingend. Dann stehen sich beide Frauen
gegenüber, Eva mit der Sense, ihre Rivalin mit einem Vergleich dazu
lächerlichen Messer. Rollin zeigt beide im Gegenschnitt, dabei wundervolle
Close-ups ihrer Gesichter erzeugend. Die andere im blütenweißen Kleid
wendet sich zur Flucht, kommt aber nicht weit, eine Sense erlaubt
schließlich einen großen Aktionsradius…(hiervon hatte ich vor Jahren mal
ein Foto gesehen, seitdem wollte ich diesen Film sehen).
Rollin spielt im Film selbst mit, er ist der einfältig wirkende,
vierschrötige Schlachter in der Schlachthofszene am Anfang. Wer ihn dort
sieht, würde nie im Leben glauben, dass dieser Mann in der Lage wäre,
einen so unglaublich schönen Film zu fabrizieren.
Die Schauspieler waren mir allesamt unbekannt, mit Ausnahme der großartigen
Brigitte Lahaie natürlich. Sie startete ihre Karriere als Pornostarlet,
bevor sie Ende der 70er auch in Spielfilmen auftauchte. Noch später trat
sie gar im Theater auf. Hier verkörpert sie die Eva und ihre erotische
Ausstrahlung kommt auch auf dem Bildschirm großartig rüber, da würde ich
auch ich mir gerne das Blut aussaugen lassen… In Frankreich hat sie auch
eine Autobiographie veröffentlicht, die es aber meines Wissens nie zu einer
deutschen Übersetzung geschafft hat. Schade! Nächsten Monat (also im
Oktober 2005) feiert die Lahaie, die quasi zu Rollins Stammbesetzung
gehört, ihren 50. Geburtstag. Happy Birthday!
Dank der deutschen Veröffentlichung kann man nun problemlos an den Film
herangekommen und die Chance sollte man nicht an sich vorüberziehen lassen.
Hier wartet Kino voller Herzblut auf Entdeckung. Viele werden damit nichts
anfangen können, das ist okay. Die anderen, die bereit sind, sich von
Rollin verzaubern zu lassen, werden umso begeisterter sein. Ich selbst habe
den Film in den letzten 8 Wochen mittlerweile 5mal gesehen, und es wird
sicherlich noch nicht das letzte Mal gewesen sein. Der Genuss eines guten
Rotweins ist während des Filmvergnügens natürlich Pflicht.
Fascination? Ja, Fascination!
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