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Was soll man von
einem Film halten, dessen Regisseur zuvor lediglich Episoden für TV-Serien
wie "Marienhof", "Alarm für Cobra 11", "Der
Clown" und "Motorrad Cops" drehte? Lässt das auf Erfahrung
mit einer derart heißen und morbiden Thematik wie dem Selbstmord
schließen? Nun, eigentlich nicht. Auch die Liste der Darsteller lässt
zuerst erschreckendes erahnen, haben doch auch die meisten von ihnen schon
in peinlichen Serien mitgespielt, wie etwa Markus Eberhard, der zuletzt in
der Telenovela "Lotta in Love" sein schauspielerisches Können
unter Beweis stellte.
Bitte versucht nun,
all diese Namen beinahe nicht zu ertragender, Deutscher Serien aus eurem
Gehirn zu verbannen, ansonsten dürfte es dem einen oder anderen sicherlich
schwer fallen, zu glauben, dass die Verantwortlichen mit "Finalcut.com
- The Suicide Couple" einen kleinen, beklemmenden und beinahe schon
genialen Film erschaffen haben, der sich keinesfalls vor ähnlichen Filmen
à la "Der Todesking" verstecken muss. Heimrich spielt mit vielen
Methoden, um "Finalcut. com - The Suicide Couple" möglichst weit
vom typischen, Deutschen Film weg zu bewegen und das ist ihm auch bestens
gelungen.
Gedreht wurde der
komplette Film mit einer Handkamera. Das heißt, dass diejenigen, die an
spektakuläre Kamerafahrten und großflächige Einstellungen gewohnt sind,
schon jetzt als potenzielle Betrachter wegfallen, denn davon ist in diesem
Film nichts zu sehen. Die Kameraführung ähnelt verdächtig der eines
Homevideos, oftmals kann man dem Geschehen in hektischen Szenen aufgrund des
verwackelten Bildes beinahe nicht mehr folgen, doch das ist absolut kein
negativer Aspekt des Films. Im Gegenteil, dadurch wirkt "Finalcut.com -
The Suicide Couple" um einiges authentischer und glaubwürdiger.
Dieser Eindruck
wird dadurch noch verstärkt, dass die etwa 13 Selbstmorde so realistisch
wie nur möglich inszeniert wurden. Keine Angst, ich rede hier nicht von
literweise Blut (das es in dem Film so gut wie nie zu sehen gibt), vielmehr
von dem nachvollziehbaren Verhalten der Selbstmörder. Sie laden den
Kameramann zu sich nach Hause ein, erzählen von ihrem Leben, und was sie
dazu bewegt, sich das Leben nehmen zu wollen. Die genannten Gründe sind
dabei sehr unterschiedlich. Ein Mann wählt den Freitod, weil bei ihm Krebs
diagnostiziert wurde und er seiner Familie nicht länger zur Last fallen
möchte, ein anderer sehnt sich nach seiner Verstorbenen Frau und hofft
darauf, sie im Jenseits wieder zu sehen. Die Selbstmorde sind also nicht nur
ein Mittel, um beim Zuschauer einen Schockeffekt zu erzielen. Mir lief beim
Betrachten der vielen verschiedenen Selbstmorde mehr als nur ein Schauer
über den Rücken, da alles sehr beklemmend, deprimierend und sehr ehrlich
in Szene gesetzt wurde.
Wer dabei auf
möglichst viele derbe und anstößige Sequenzen hofft, kann sich das Geld
für den Film sparen. "Finalcut.com - The Sucide Couple" trifft
einen da, wo es weh tut, aber das sicherlich nicht, weil der Film
übermäßig brutal oder geschmacklos wäre, nein, er ist schlichtweg
verdammt realitätsnah und alleine schon deshalb sehr niederschmetternd.
Besonders
beeindruckt an alledem hat mich, dass im Prinzip fast keine Handlung
vorhanden war und dennoch nie Langeweile aufkam. Entweder wir sehen das
junge Paar, das sich gerade über die neuesten Aufnahmen freut, oder es wird
eben ein Selbstmord gezeigt. Das ist alles, doch in diesem Fall reicht es
aus, um den Streifen für ganze 84 Minuten sehr unterhaltsam zu gestalten.
Natürlich erwartet einen hier keine Unterhaltung à la Hollywood, doch wer
sich mit günstigen Filmen anfreunden kann, wird mit
"Finalcut.com" definitiv seinen Spaß haben.
Das Tabuthema Selbstmord wird hier sehr ausgiebig und explizit behandelt.
Meist beschränkt sich Raoul W. Heimrich darauf, die verschiedensten
Methoden zu zeigen, mit Hilfe derer man sein Leben beenden kann. Was nun
sicherlich langatmig und nicht sonderlich abwechslungsreich klingt, ist
durch die geschickte Inszenierung ein kleines, unbekanntes Meisterwerk für
sich. Die eigenwillige Kameraführung und die Leistungen der Schauspieler
machen aus "Finalcut.com - The Suicide Couple" einen bedrückend
ehrlichen, kleinen Schocker, der es nicht nötig hat, auf brutale
Splatterszenen zu setzen, um eine beklemmende Atmosphäre zu erschaffen. |