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"Geschichten, die zum Wahnsinn
führen" ist genau die Art von Episoden-Horror-Film, wie er
früher gerne samstags abends nach dem Sportstudio im Zweiten
gezeigt wurde. Seichte Gruselmär für die ganze Familie
(schließlich könnte sich ja der Sohnemann mit dem Papa die
Heimniederlage vom FC Bayern angesehen haben und jetzt noch nicht
ins Bett wollen). Warum also dennoch auf dem Cover der deutschen
Videoauflage von Cannon ein greller roter FSK - Aufkleber prankt,
wissen wohl nur Uli Hoeness oder der Breitner Paul...
Das Ergebnis letztendlich ist durchwachsen: Die einzelnen
Geschichten führen nicht direkt zum Wahnsinn, sondern bewirken wohl
eher Tiefschlaf oder gleichgültiges Achselzucken.
Die Ideen für die Drehbücher hat bestimmt eine Grundschullehrerin
ihren Schülern entlockt: "Kinder, schreibt doch mal eine
spannende Geschichte zum Gruseln! Die beste Arbeit wird auch
verfilmt!" - "Frau Lehrerin, darf ich auch was mit 'nem
Tiger schreiben, Tiger finde ich echt gruselig?" "Aber
klar doch, mach mal!!". Das Resultat schien der Lehrerin
gefallen zu haben...
Und so bekommt es der Zuschauer in der ersten Episode nicht nur mit
einem pummeligen Rotzgör, das bestimmt schon seit Monaten keinen
Friseur mehr gesehen hat, zu tun, sondern auch noch mit dessen
imaginärem Tiger, der im Kinderzimmer haust und sich später die
Eltern des Bengels einverleibt. Gruselig, nicht? Nein? Stimmt!
Gruseliger ist dann schon eher, dass das bekloppte Kind immer auf so
einem kleinen Mini-Piano klimpert, wie weiland der Schröder bei den
"Peanuts"...
Die nächste Episode kann man dann getrost in die Rubrik
"Seniorenhorror" einordnen. Ein Antiquitätenhändler, der
vom bösen Bild des "Onkel Alberts" magisch angezogen wird
und mittels Radeln auf einem antiken Hochrad in die Vergangenheit
reist. Tja, wer mag sich da nicht gerne die Heizdecke über beide
Ohren ziehen? *gähn*
Etwas besser dann die dritte Geschichte. Zwar auch eher simpel
gestrickt, dafür aber mit Joan Collins im Negligé und von der
Grundidee her sehr skurril: Ein Kerl, der sich eine
"Bäumin" als Geliebte ins Bett holt... Wohl der erste
Fall von "Dendrophilie" in der Filmgeschichte... Wer
möchte, kann die Szene, in der Joan Collins von einem Baum die
Brüste freigelegt werden, als Höhepunkt des Films bezeichnen. Wer
das nicht möchte, auch egal... Part Vier fällt dann doch wieder
etwas ab. Die Story von dem Incognito-Woodoo- Priester, der in der
High-Society unbemerkt die Tochter einer reichen Verlegerin meuchelt
und einer illustren Party-Gesellschaft als Festmahl unterjubelt, ist
auch nicht gerade sehr innovativ. Lediglich Kim Novak als lüsterne
Medienzarin und Mary Tamm als ihre (im wahrsten Sinne des Wortes)
blauäugige Jungfrauentochter wissen zu gefallen.
Alles in allem ist das Ganze doch eher Durchschnittsware auf
Fernsehniveau. Interessant höchstens nur für eingefleischte Fans
ruhigem 70ies Horrors. Zum Glück sind die einzelnen Episoden
schnell genug vorbei, ehe sie wirklich zu nerven beginnen. Schade,
dass Horror-Ikone Donald Pleasence hier nur in der Rolle des
Psychiaters Dr. Tremayne die Rahmenhandlung beleben darf und leider
nur wenig Gelegenheit hat, sein Können zu zeigen. Freddie Francis
beteiligte sich mit seiner Regie später in den späten 80er Jahren
/ frühen 90ern auch noch an der TV-Serie "Tales from the
Crypt". Freunden von kurzweiligen Episodenhorror sei DIESE
Serie, hierzulande als "Masters of Horror" erschienen,
eher empfohlen.
Fazit: Durchschnittlicher Episoden-Grusler. aus den frühen 70ern.
Nichts Weltbewegendes, für zwischendurch aber ganz akzeptabel.
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