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Wenn man als
Filmkonsument das Recht hätte, einen Drehbuchautoren, bzw. Regisseuren
wegen seelischen Grausamkeiten oder der Beleidigung des Intellekts zu
verklagen, dann wäre so mancher Horror- und Trashliebhaber mit Sicherheit
schon Millionär. Viele Filmemacher hingegen würden sich sicherlich zweimal
überlegen, ob sie ihren erstbesten Erguss gleich auf die Menschheit
loslassen oder den Streifen lieber noch einmal generalüberholen.
"Grizzly Park" ist einer der Filme, die ihre Schöpfer bei einer
solchen Gesetzeslage wohl schnell in den Ruin treiben würde, denn was dem
Zuschauer in diesem neuen Tierhorrorfilm geboten wird, ist ein absolut
hirnloser Stuss, der gerade aus dem offensichtlich gewollten Fehlen jedweder
Logik und Intelligenz seinen Unterhaltungswert bezieht.
Tom Skull lieferte
mit diesem Werk seinen Regie-Einstand, zu dem er auch das Drehbuch schrieb.
Auch, wenn er hierfür sicher nicht mit Preisen überhäuft werden dürfte,
so darf man dem Mann zumindest gerne attestieren, dass er für "Grizzly
Park" keine Ideen aus anderen Horrorfilmen klauen musste. Eine
derartige Story und solche Charaktere gab es in dieser Form sicherlich zuvor
noch nicht. Das hervorstechendste Merkmal von "Grizzly Park" ist
nämlich seine enorm überdrehte Herangehensweise an alle Faktoren, die
einen solchen Film ausmachen. Da wäre als Beispiel die Story genannt, in
der, so verrät es schon der Filmtitel, ein aggressiver Grizzly sein Unwesen
treibt. Dies reichte Skull aber offenbar noch nicht aus, weshalb auch ein
Serienkiller seinen Platz in dem Plot finden musste. Dabei schien es ihn
nicht zu stören, dass der Nebenplot um den entlaufenen Serienmörder
absolut deplaziert wirkt und wie so vieles in dem Film einen äußerst
(unfreiwillig?) komischen Eindruck macht.
Die Charaktere sind
alle extrem überzeichnet und in ihrer Auslegung beinahe schon als das
Klischee eines Klischees zu betrachten. Wenn man schon bei vielen anderen
Horrorfilm von schablonenhaften und unglaubwürdig angelegten Figuren
sprechen darf, so steigert "Grizzly Park" dies noch einmal um das
Doppelte. Da hätten wir innerhalb der Gruppe Jugendlicher beispielsweise
einen Nazi mit allerlei White Pride und Hakenkreuztattoos, was allerdings
absolut nichts zur Handlung beiträgt. Der Rassist verträgt sich zudem
außerordentlich gut mit dem Schwarzen und der Latina, was die Frage
aufwirft, welcher Teufel Tom Skull geritten haben mag, um einen derartigen
Charakter einzubringen. Als unfassbar ist auch die attraktive Bebe
anzusehen, die wohl als Sinnbild der hirnlosen Sexbombe betrachtet werden
muss. Die Oberweite verdrängte hier wohl klar die Hirnmasse und so setzt
uns Skull mit ihr kurzerhand eine der wohl dämlichsten Filmfiguren aller
Zeiten vor.
Diese Aufzählung
ließe sich an dieser Stelle munter fortführen. Jeder Charakter ist derart
over the top angelegt und so fernab jedes realistischen Handelns, dass man,
wenn man es nicht besser wüsste, beinahe dem Irrglauben erliegen könnte,
sich hier einen Film von Troma anzusehen. Dass dem aber nicht so ist, zeigt
die an und für sich ganz passabel gelungene Inszenierung des Streifens.
Zwar hat man das im Tierhorror-Genre auch schon besser gesehen, dennoch
wirkt "Grizzly Park" um einiges gekonnter inszeniert als so manch
anderes B-Movie der selben Preisklasse.
Als einzige
wirkliche Zielgruppe dieses Werkes kann eigentlich nur die Trash-Fraktion
angestrebt sein, die Nerven aller anderen dürften bereits nach 15 Minuten
blank liegen. Bis auf die blutigen Szenen, die sich zum großen Teil im
letzten Drittel des Films anhäufen, erinnert hier nur wenig an einen
Horrorfilm, da der Regisseur erst gar nicht versuchte, eine bedrohliche
Atmosphäre zu schaffen. Die meisten Szenen sind am Tag gefilmt, Spannung
findet sich auch nur in der letzten Passage. Es wäre vermutlich nicht
verkehrt gewesen, die Splatterszenen etwas geschickter über den Streifen zu
verteilen, da sich im Mittelteil gelegentlich schon dezente Langeweile
einstellt, während es gegen Ende Schlag auf Schlag ans Eingemachte geht.
Wenn "Grizzly Park" dann loslegt, dann wird deutlich, dass er
seine Freigabe ab 18 Jahren zurecht trägt, reißt der Grizzly seine Opfer
doch förmlich entzwei, spaltet munter Schädel und befreit eine pralle Dame
sogar von ihren Silikon-Implantaten.
"Grizzly
Park" ist ganz klar kein Meisterwerk der Filmkunst. Die Handlung weist
einige Fehler auf, ist dramaturgisch gesehen eine Katastrophe und hat bis
auf seine blutigen Effekte gegen Ende kaum Schauwerte zu bieten. Dennoch
unterhält das Werk durchaus passabel, sofern man mit derartiger Filmkost
vertraut ist, was ihn letztendlich noch ins Mittelfeld der B-Movies hievt.
Die Schauspieler sind allesamt keine Oscarpreisträger, als bekanntester
Mime geht wohl noch Glenn Morshower durch, der vielen als Aaron Pierce aus
der Erfolgsserie "24" ein Begriff sein dürfte. In "Grizzly
Park" spielt er den autoritären Ranger durchaus glaubhaft und stellt
somit ein angenehmes Gegenbild zu den overactenden Teens dar. Diese folgten
zwar auch nur den Regieanweisungen, wirken aber teilweise geradezu nervend.
"Grizzly
Park" ist ein derart überzogen angelegter Tier-Horrorfilm, dass
letztendlich nur Trash-Fanatiker ihre Freude an dem Werk haben dürften. Wer
ernsthaften Horror sucht, ist hier absolut fehl am Platz, daran ändern auch
einige sehr blutig ausgefallene Splattereffekte nichts. Dennoch dürfte
"Grizzly Park" gerade in geselliger Runde durchaus Laune machen,
denn wenn man bewusst über die zahlreichen Fehler und Eigenheiten des Werks
lacht, dann wirkt er plötzlich gar nicht mal mehr so schlecht. Objektiv
betrachtet sicherlich ein Fall für den Sondermüll, aber irgendwie doch
sympathisch und mit Sicherheit immer noch empfehlenswerter als der x-te
Folterfilm.
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