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Wenn
man sich so nach den Anfängen des Splatterfils umhört, wird einem
oftmals George Romero's "Dawn of the Dead" genannt, doch
tatsächlich gab es schon mehr als 10 Jahre zuvor die ersten,
blutigen Reißer zu bestaunen. Alles nahm seinen Anfang, als
Herschell Gordon Lewis im Jahre 1963 "Blood Feast"
veröffentlichte, in dem er bis dato unbekannte Gewaltgrenzen
sprengte und seinen Zuschauern die eine oder andere Gore-Szene vor
Augen führte. Damit ließ sich gutes Geld verdienen und so dauerte
es nicht lange, bis Lewis diese Scheine weiter befuhr. Es
folgten Filme wie "Two Thousand Maniacs" oder "Color
Me Blood Red". Wo
der Regisseur damals von vielen für seine brutalen Filmchen
kritisiert wurde, gilt er heute als Urvater des modernen Gore-Films.
"The Gruesome Twosome" ist einer von vielen schmuddeligen
Blutexzessen Lewis', der sich qualitativ noch in einem gesunden,
mittleren Bereich bewegt.
Wer bei dem Begriff Splatter an menschenverachtende Streifen denkt,
in dem irgendwelche Menschen von Killern oder Kannibalen, oder von
was auch immer, brutal niedergemetzelt werden, der liegt schon mal
gar nicht so falsch. Nur sah das vor 39 Jahren eben noch anders aus,
als es uns Regisseure wie Alexandre Aja heutzutage in Filmen
"High Tension" präsentieren, um nur mal ein Beispiel zu
nennen. "The Gruesome Twosome" ist mehr ein Vorreiter
derartiger Filme und hat keineswegs etwas mit ihnen gemein. Das
zeigt sich schon ganz klar in der Anfangssequenz, in der sich zwei
bemalte Styroporköpfe angeregt über das Geschehen im Film
unterhalten, bis plötzlich einer von ihnen ein Messer in den Kopf
gerammt bekommt.
In dieser Art geht der Streifen zwar nicht weiter, doch jeder, der
sich schon dabei nach einem Sinn fragen musste, kann sich einen Kauf
gleich sparen. "The Gruesome Twosome" versprüht eine
knallige Sixties-Atmosphäre und das meine ich so, wie ich es
schreibe. Selbst in den unpassendsten Szenen ist der Streifen mit
einer penetranten Jazzmusik unterlerlegt, die nicht selten die
Dialoge übertönt. Und, nicht nur, dass Lewis recht wenig Geld für
die Inszenierung zu Verfügung hatte, er ist auch nicht gerade
sonderlich talentiert in seinem Fach. Nicht selten gibt es
minutenlange Aufnahmen von Mädchen, die zu lauter Musik in ihrem
pinken Plüschzimmer auf und ab hüpfen, oder von irgendwelchen
Händen, denen wir in Nahaufnahme dabei zusehen dürfen, wie sie
Essen schneiden. Das ist ziemlich blöd, dilletantisch und für die
meisten sicherlich nervend, doch es ist eben ein typischer Lewis.
Und irgendwie kann man den Kult um den Regisseur auch
nachvollziehen, denn es gab wohl sonst nur wenige, die den
kitschigen Charme der 60er mit brutalen Gore-Effekten vermischten.
Sonderlich spannend wird das Geschehen nie und von einer
Überstrapazierung der Lachmuskeln darf auch nicht gesprochen
werden. Unfreiwillige Komik gibt es dafür zuhauf, denn was das
Publikum damals noch gut unterhielt und schockierte, kann einem
heutzutage nur noch ein müdes Lächeln entlocken. Die Gewaltszenen
in "The Gruesome Twosome" sind, wenn man darüber
nachdenkt, schon ziemlich derb, doch die Umsetzung ist
verständlicherweise nicht mehr mit den heutigen Effekten
gleichzusetzen. Wenn der ständig sabbernde Rodney einer noch
lebendigen und schreienden Frau die Kopfhaut abschneidet oder einer
anderen mit einem elektrischem Brotmesser den Kopf abtrennt, dann
klingt das wohl alles heftiger, als es in "The Gruesome
Twosome" letztendlich zu sehen ist. Es ist einfach nicht
sonderlich schockierend, dem blutigen Treiben zusehen zu müssen,
wenn dabei klar die Stellen zu erkennen sind, an denen das Make Up
auf die Stirn geklebt wurde. Für die damalige Zeit waren die
Gore-Effekte sicherlich außerordentlich hart, doch heute besitzen
sie bestenfalls noch Nostalgiestatus.
Die Schauspieler machen ihre Sache.. nun, sagen wir mal dem Film
entsprechend. Insbesondere den Opfern ist deutlich anzusehen, dass
sie vermutlich zum ersten Mal vor der Kamera standen. Keiner der
hier zu sehenden Akteure ist mit einem übermäßigen Talent
gesegnet, doch ausnahmsweise fasse ich das mal nicht als
Negativpunkt auf. Es passt einfach zur Atmosphäre des Films, wenn
uns 30 jährige Schauspieler als junge Studenten verkauft werden und
zu allem Überfluss noch nicht einmal besonders gut spielen können.
Obwohl ich, objektiv betrachtet, nicht viel positives an "The
Gruesome Twosome" ausmachen kann, hat er doch seine ganz
eigenen Qualitäten. Was uns hier serviert wird ist astreiner Trash.
Zwar nicht im Sinne eines Troma-Films, wo das Ganze absichtlich
überzeichnet blöd ist, sondern vielmehr unfreiwillig und dadurch
auch ziemlich komisch. Herschell Gordon Lewis versprüht in
"The Gruesome Twosome" eine herrlich charmante
Sixties-Atmosphäre und beweist wieder einmal, dass er als Regisseur
nur begrenzt talentiert war. Zudem sehen die Effekte alles andere
als real aus und die Schauspieler geben auch nicht viel her. Dennoch
bleibt zu sagen, dass "The Gruesome Twosome" ein
kurzweiliger Spaß geworden ist, der so herrlich blöd ist, dass er
einfach gut unterhält.
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