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Kaum eine Reihe im
Horrorgenre hat es bisher so geschafft, auf sich reden zu machen, wie eben
"Guinea Pig". Zahlreiche Gerüchte ranken sich um die Streifen.
Von den ersten beiden nahm man sogar mal eine Zeit lang an, dass es sich
dabei um echte Snuffvideos handeln würde. Dieser Meinung war auch Charlie
Sheen, dem Anfang der 90er eine Kopie von "Flowers of Flesh &
Blood" in die Hände fiel und der das Video dann an das FBI weitergab.
Dadurch erlangte die Serie weltweiten Ruhm. Doch auch negatives kommt mit
dem unbestreitbaren Erfolg der Filme daher. So ließ sich der japanische
Frauenmörder Tsutomo Miyazaki, der mehrere Frauen bestialisch tötete, bei
einem seiner Morde unzweifelhaft von "Flowers of Flesh &
Blood" inspirieren. Bei einer Untersuchung der Wohnung des Mörders
fand man mehrere tausend Gewaltfilme, darunter eben auch die "Guinea
Pig" Streifen, was für deren Macher natürlich ein harter Schlag war.
Ziel der Filme
war es immer, den Splatterfans etwas zu bieten, was diese an ihr Maximum
bringen würde, etwas, das es so noch nicht zu sehen gab. Nach der Sache mit
Tsutomo war allerdings ein Umdenken angesagt und so wurde der letzte Teil
der Reihe zu einer reinen, wenn auch sehr blutigen, Slapstickkomödie. Schon
der dritte Teil "He Never Dies" hat bewiesen, dass Japan Home
Video, die die Rechte an der Serie nach den ersten beiden Filmen
übernahmen, eine humorvollere Ader als ihre Vorgänger Orange Video House
haben. Wo nämlich die ersten beiden Filme, "Devil's Experiment"
und "Flowers of Flesh & Blood" in verstörender Härte und im
Look eines realen Snuff-Films die brutale Folter und den schließlichen Mord
an einer Frau zeigten, hatte "He Never Dies" rein gar nichts mehr
mit dieser Thematik zu tun. Darin lernten wir einen Mann kennen, der seinem
Leben unbedingt ein Ende bereiten will, dem dies aber nie so ganz gelingt.
Diese Schiene befuhren Japan Home Video schließlich weiter. "Mermaid
in a Manhole", "Android of Notre Dame" und "Devil Woman
Doctor" sind zwar noch immer überaus blutige und zum Teil auch
abstoßende Filme, aber sie erreichen lange nicht die Härte der
berüchtigten ersten beiden Teile.
Um noch schnell
einen Fehler aus der Welt zu schaffen, dem wohl die meisten Deutschen schon
erlegen sind: Bei "Devil Woman Doctor" handelt es sich nicht, wie
im Dt. Titel angegeben, um den vierten, sondern um den letzten, also den
sechsten Teil. Die Reihenfolge, in der die Filme gedreht wurden, sieht
demnach wie folgt aus:
Devil's
Experiment (1985)
Flowers of Flesh & Blood (1985)
He Never Dies (1986)
Mermaid in a Manhole (1988)
Android of Notre Dame (1988)
Devil Woman Doctor (1990)
Wie ich bereits in
der Einleitung erwähnte, gehört "Devil Woman Doctor" zu den
Tiefpunkten der Reihe. Das Hauptproblem hierbei ist schlicht und ergreifend,
dass der Film sich selbst zu keiner einzigen Sekunde ernst nimmt und absolut
lächerlich daherkommt. Alles wirkt vielmehr wie eine
Amateuer-Splattstick-Produktion, als ein harter Sicko, an was man bei dem
Titel "Guinea Pig" zuerst denkt. Sinn und Zweck dieses Machwerks
dürfte gewesen sein, diversen Anschuldigungen nach der Sache mit Tsutomo
Miyazaki etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Leider muss man aber
sagen, dass das Resultat eine Verarsche an allen Fans der ersten Teile ist.
Die Grundidee des
Kurzfilms ist dabei eigentlich gar nicht so schlecht. Eine geisteskranke
Transvestiten führt uns diverse Krankheiten vor. Klingt nett und lässt auf
eklige, kotzreitzhervorrufende Bilder à la "Mermaid in a Manhole"
hoffen, doch leider: nichts da. Anstatt dem Zuschauer wirklich
ekelerregende, und somit für die Reihe typische, Krankheiten zu zeigen,
präsentieren sich die 47 Minuten Laufzeit als purer Trashmarathon. Da
hätten wir sprechende Exkremente, meterlange Brustwarzen, die an seinem
Träger herunterbaumeln, eine Vorhaut, die nicht aufhören will zu wachsen,
ein Herz, dass einem Mann plötzlich in die Füße hinunterrutscht, ein
Tattoo, dass des öfteren seine Position verändert und gerne in diversen
Körperöffnungen verschwindet und noch viel mehr Schwachsinn in dieser Art.
Das Ganze war wohl
gut gemeint, aber, es tut mir leid, ich konnte über diese Ansammlung an
purem Nonsens nicht lachen. Atmosphäre kommt dank den untalentierten
Schauspielern und der billigen Video-Optik nie auf und selbst die
Splattereffekte sind nicht mehr so zahlreich wie erwartet. Wenn man mal was
zu sehen bekommt, wie etwa eine Gabel, die sich durch die Hand eines Mannes
bohrt, oder andere spaßige Kleinigkeiten, dann sieht es zwar realistisch
aus, aber alles in allem kommt der Gore hier viel zu kurz. Wo "Flowers
of Flesh & Blood" den Ruf des wohl realistischten Gorefilms aller
Zeiten trägt, ist dieses Machwerk hier nur noch ein billiges Zwischending
aus gelegentlichem Funsplatter und absolut nicht lustigen Slapstickeinlagen.
Schade.
Nicht nur die hier vorgestellten Krankheiten, sondern leider auch das ganze
Machwerk ist überaus kurios und hat keinerlei Existenzberechtigung. Dass
ein Wahnsinniger durch "Flowers of Flesh & Blood" zu seinen
Taten animiert wurde, ist sowohl tragisch wie auch bedenklich, doch es ist
noch lange kein Grund, eine tendenziell interessante Reihe so verkommen zu
lassen. Ich bin definitiv kein großer Fan der "Guinea Pig"
Streifen, doch gegen "Devil Woman Doctor" war bislang jeder andere
Teil noch die reinste Offenbarung. Amüsant und blutrünstig will der
Streifen daherkommen, schafft es aber nur, den Zuschauer über 47 Minuten
tödlich zu langweilen und zu nerven.
Das Unterhaltsamste an dem Machwerk waren die wenigen Minuten nach dem
Abspann, in denen sich die Darsteller nach den Dreharbeiten tellergroße mit
Blut gefüllte Utensilien ins Gesicht klatschen und dabei alle einen
Heidenspaß haben. Was dies für den restlichen Film bedeutet, überlasse
ich eurer Vorstellungskraft... |