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Eine Legende
erwacht zu neuem Leben.. und mit ihr der Unmut vieler
"Halloween"-Anhänger. Ein Raunen ging durch die namenhaften
Horror-Communitys, als im Jahr 2007 ein Remake zu einem der bedeutendsten
Horrorfilme dieser Zeit angekündigt wurde. John Carpenter's
"Halloween" sollte neu verfilmt werden, nachdem diese Idee lange
Zeit als absolutes Sakrileg gehandelt wurde. Zwar wurden in regelmäßigen
Abständen miese Sequels zu dem Franchise hinzugereicht, doch an eine
wirkliche Neuverfilmung traute sich lange Zeit niemand heran. Als dann
allerdings kein anderer als Rob Zombie für den Regieposten ins Gespräch
kam, wurden selbst die größten Skeptiker hellhörig. Wo Herr Zombie seine
Finger im Spiel hat, ist in allen Fällen mit versierter und konsequenter
Genre-Kost zu rechnen, das durfte der Rocker schon mit seinem schrillen
"House of 1000 Corpses" und dem knallharten Nachfolger "The
Devil's Rejects" unter Beweis stellen. Ob man mit dem Stil seiner Filme
sympathisieren konnte, war zwar stets eine Geschmacksfrage, allerdings
durfte man mehr als gespannt sein, wie das Remake zu einem der bekanntesten
Slasher aller Zeiten unter den Fittichen eines Herr Zombie letztendlich
aussehen würde.
Die simple Antwort:
Hervorragend. Dass der Musiker und Filmemacher ein schweres Erbe zu tragen
hatte, war von vorneherein abzusehen. Noch heute halten viele
Horrorfilm-Fans den Original "Halloween" für einen der
großartigsten Slasher überhaupt und so stand es außer Frage, dass es für
Rob Zombies Remake durchaus Protest und Verärgerung hageln würde, ganz
gleich, wie das Resultat letztendlich münden würde. Ein direkter Vergleich
zwischen Neuverfilmung und Original ist in diesem Fall allerdings ebenso
unangebracht, wie deplaziert. Rob Zombie sah davon ab, Carpenter's Klassiker
schlicht 1:1 nachzudrehen, sondern fügte neben seinem ganz eigenen Stil
auch storytechnisch eine Vielzahl neuer Elemente hinzu, die im Besonderen
dafür verantwortlich sind, dass Zombie's "Halloween" nicht nur
als Remake funktioniert, sondern auch im Vergleich mit dem Original leicht
vorne liegt.
Nicht selten wird
es als Sünde geahndet, abfällig über einen Klassiker des Genres zu
sprechen, doch ehrlich betrachtet wirkt der Ur-"Halloween" aus
heutiger Sicht durchaus leicht antiquiert. Der Film hat seine starken
Momente, wirkt im groben Ganzen aber eher langatmig, als durchgehend
spannend. Im Fokus des Geschehens stand Jamie Lee Curtis als Laurie Strode,
Michael war lediglich der böse und unbekannte Boogeyman. Nun, könnte man
behaupten, mache gerade das die größte Suspense des Films aus. Die
Unbezwingbarkeit des Unbekannten, die schonungslose und scheinbar grundlose
Brutalität eines vermeintlich Fremden. Doch Rob Zombie zeigt in seinem
Remake, wie man die Thematik auch anders angehen kann. Hier ist es nicht der
bedrohte Teenager, der im Zentrum steht, sondern der Killer selbst.
"Halloween"
beleuchtet die Vorgeschichte des vermummten Killers und gibt erstmals
Einblick in dessen früheres Leben. Michael wächst in schrecklichen
Verhältnissen auf, wird vom Opfer seiner Umwelt zum Täter. Nun könnte man
Rob Zombie sicherlich Schwarzweiß-Malerei und grobschlächtige
Klischeebeladenheit vorwerfen: Die strippende Mutter, der saufende und
prügelnde Stiefvater und die egoistische Schwester. Dies mag nicht
sonderlich vor Einfallsreichtum strotzen, wird von Rob Zombie durch die
Inszenierung allerdings mehr als nur wieder wett gemacht. Unheimlich
beklemmend und intensiv zeichnet der Regisseur ein Portrait einer Familie
vor dem Abgrund, dem sozialen Bodensatz der Gesellschaft. Wir lernen Michael
Myers, den späteren psychopathischen Massenmörder, als Kind kennen und
empfinden Mitleid mit ihm.
"Halloween"
konzentriert sich sehr stark auf die Kindheit dieses Charakters und
schildert die Ereignisse, die zu jenen schicksalhaften Morden in der
Halloweennacht führten ebenso, wie Michael's anschließendes Leben im
Sanatorium. Und gerade diese Momente, die im Original nicht vorhanden waren,
machen den großen Reiz von Zombies Remake aus. Die zweite Hälfte des Films
ist im Kern ein althergebrachter, düsterer und blutiger Slasher, doch die
erste Hälfte zeigt dagegen Michael's konstante Entmenschlichung. Immer mehr
verliert er die Züge eines menschlichen Wesens und wird langsam zum
gewissenlosen Monster. Dieser Prozess wird hier ebenso beklemmend wie
hochinteressant eingefangen. Vor den weiten und sterilen Kulissen der
Anstalt entsteht alsbald eine sehr dichte, intensive Atmosphäre.
Alles, was nach der
Flucht folgt, ist rein prinzipiell ein modernisierte Version dessen, was uns
bereits Carpenter vor beinahe 30 Jahren vorsetzte. Und dennoch funktioniert
"Halloween" erneut. Rob Zombie ist ein sehr talentierter
Regisseur, der es wunderbar versteht, ein Gefühl von Terror und Schrecken
in seinem Publikum zu erwecken. Michael Myers ist hier wesentlich größer
als in den indirekten Vorgängern, ein Hüne von einem Mann, der der Figur
endlich die nötige Bedrohlichkeit verleiht. Natürlich hat auch der
Blutgehalt gegenüber dem Original zugenommen, auch wenn das erwartete
Gorefest ausbleibt. Die Gewalt in "Halloween" ist roh, brutal und
realistisch, zielt nicht auf den Effekt an sich ab, sondern soll die kalte
Brutalität übertragen. Ohne jegliche Emotion ertränkt Michael seinen
jahrelang besten Freund, um ihm anschließend im off den Schädel zu
zertrümmern - was im Kontext des Films sicherlich wesentlich intensiver
wirkt als eine lang ausgeschlachtete Splatterszene. Unrated-Cut und
Kinofassung sind sich in Sachen Blutgehalt indessen beinahe ebenbürtig, der
größte Unterschied besteht aus einer abgeänderten Flucht aus dem
Sanatorium. Während Michael in der Kinoversion mehrere Wächter tötet,
gelingt ihm die Flucht im Director's Cut durch zwei naive Aufseher, die in
seiner Zelle eine junge Frau vergewaltigen.
Auch wenn es
abzusehen war, dass es der Film bei den "Halloween"-Fans der
ersten Stunde schwer haben wird, ist dies im Grunde durchaus bedauerlich.
Was Rob Zombie hiermit schuf ist eine sehr viel düstere, rohere und
stimmigere Version des Stoffes, die zudem noch mit hochinteressanten
Elementen aus Michael's Kindheit angereichert wurde. Inszenatorisch setzt
Zombie noch einmal einen auf seine Arbeit an "The Devil's Rejects"
drauf und serviert einen atmosphärisch rundum perfekten Horrorfilm, der die
Spannung zwar nicht konstant hält, besonders in der ersten Hälfte und zum
Finale in dieser Hinsicht aber voll auftrumpfen kann. Und natürlich wäre
dies kein echter Rob Zombie, wenn der Regisseur nicht wieder mit zahlreichen
Genre-Anspielungen hantieren würde. So zollt er Klassikern wie "Night
of the Living Dead", White Zombie" und "The Thing from
Another World" Tribut und garniert "Halloween" neben dem
weltbekannten, klassischen Soundtrack noch mit großartigen Songs von Kiss,
Alice Cooper, Iggy Pop, Sabbath und mehr.
Eine der
bedeutendsten Stärken des Films ist sein Cast. Wie immer, ist hier
natürlich auf Rob Zombie Verlass. Seine Besetzungliste liest sich beinahe
wie ein who is who der 70er und 80er Jahre Genre-Prominenz. Neben Zombies
Stamm-Cast, Bill Moseley, Sig Haig und natürlich seiner Frau Sheri Moon
Zombie, gesellen sich hier nich viele weitere, namenhafte Akteure hinzu.
William Forsythe, Danny Trejo, Ken Foree, Udo Kier, Brad Dourif, Malcolm
McDowell, Richard Lynch, Danielle Harris und noch viele, viele weitere
Schauspieler zaubern ein Lächeln auf das Gesicht so mancher Filmliebhaber.
Es ist immer wieder toll, zu sehen, welche Ikonen und vergessenen Stars
Zombie wieder einmal ausgegraben hat. Erwähnenswert natürlich, dass sie
ihre Rollen ausnahmslos treffend verkörpern. Alleine schon Malcolm McDowell
war ein purer Glücksgriff für die Rolle des Dr. Loomis. Lange Zeit galt
Donald Pleasence in dieser Hinsicht als unersetzbar, doch McDowell schafft
es, das Gegenteil zu beweisen. Sein Loomis ist kein versessener Verrückter,
sondern beinahe schon eine Vaterfigur, deren Verhältnis zu Michael einen
wichtigen Stellenwert im Film einnimmt. Dieser wiederum wird als Kind
verkörpert von Daeg Faerch. Es war von unbedingter Wichtigkeit für den
Film, den Part des jungen Michael an den richtigen Nachwuchsschauspieler zu
vergeben, der sowohl die psychopatische Seite, als auch die des
verletzlichen Kindes zeigen kann. Faerch vollbringt dies meisterhaft. Der
Junge ist die absolute Idealbesetzung für die Rolle.
Letztendlich fällt
es schwer, auch nur einen Ausfall im Cast zu benennen. Der Film lebt von
seinen Figuren, verfolgt sie bei ihrer Entwicklung. Lediglich Laurie Strode
bleibt in dieser Hinsicht auf der Strecke. Anders als im Original
konzentriert sich der Film nicht hauptsächlich auf sie. Sie ist das junge
Opfer des brutalen Killers, mehr nicht. Dennoch hat sich die Figur im
Vergleich zu Carpenters Version stark verändert. Verkörperte Jamie Lee
Curtis Laurie noch als unscheinbares Mauerblümchen, das mit ihrer Nase
stets in Büchern steckte, spielt Scout Taylor-Compton eine moderne
Jugendliche, die das, was sie denkt, auch unverblümt ausspricht. Dies passt
sich dem Realismus des Gesamtwerkes an. "Halloween" wirkt zu
beinahe 100% glaubhaft und entfaltet gerade dadurch seine einzigartige
Stimmung. Das Gezeigte wird nicht in die Lächerlichkeit gezogen, wie dies
bei der x-ten Fortsetzung der Fall war, sondern liefert bodenständigen und
glaubhaft-rohen Terror, was endlich wieder frischen Wind ins Franchise
bringt.
Letztendlich bleibt zu sagen, dass Rob Zombie mit seinem
"Halloween" Remake einen Film schuf, der lange nicht so schlecht
ist, wie es diverse Kritiken vieler Anhänger des Originals gerne mal
suggerieren. Zombie modernisierte den Mythos stark und verlagerte ihn in
einen knallharten und bösen Terror-Film, der gerade hinsichtlich der
intensiv erzählten Vorgeschichte seinesgleichen sucht. Verziert mit der
richtigen Prise der typischen Rob Zombie Gangart wird hier ein dreckiger,
roher und realitätsnaher Slasher erzählt, der der Geschichte genügend
neue Ansätze verleihen kann, um den Vorwürfen des einfallslosen Aufgusses
schnell den Wind aus den Segeln zu nehmen. Perfekt besetzt, stimmig
inszeniert und der heutigen Zeit angepasst ist das "Halloween"
Remake jedenfalls ein Film, der sich innerhalb der derzeitigen Horrorwelle
weit vorne niederlässt. |