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Medizinstudent Paul Simay, genannt „Dr.
Popaul“, scheint erkannt zu haben, was Frauen von Frauen unterscheidet...
Nicht die gutaussehenden, aufreizenden
Geschöpfe der weiblichen Zunft habe es ihm angetan. Die eher hässlichen
Vertreterinnen der holden Weiblichkeit faszinieren ihn, sind sie doch
weitaus weniger leicht zu erobern und von, wie er sagt, „moralischer
Schönheit“.
So verwundert es nicht, dass er die Wette in
seinem Freundeskreis gewinnt, das hässlichste Mädchen abzuschleppen. Vom
Wettgewinn gönnt er sich einen Tunesien-Urlaub. Dort lernt er das
Mauerblümchen Christine kennen. Nach einer gemeinsamen Nacht trennen sich
ihre Wege jedoch wieder. Ein Jahr später, zurück in Bordeaux, begegnen
sich die beiden erneut. Paul erfährt, dass Christine ausgerechnet die
Tochter seines Medizinprofessors Dr. Dupont ist. Dieser ist begeistert, als
er erfährt, dass Paul, also gewissermaßen ein Kollege, es war, der seine
schüchterne Tochter entjungfert hat, und setzt natürlich alles daran,
seinen Schwiegersohn in spe an die Familie zu binden, schließlich geht es
ja auch um das Ansehen der Familie.
Paul und Christine heiraten. Noch während der
Zeremonie wird Paul auf Martine, die bezaubernde Schwester von Christine
aufmerksam und fühlt sich, obwohl sie eigentlich ja nicht seinem „Schönheitsideal“
entspricht, magisch zu ihr hingezogen. Es versteht sich von selbst, dass der
Charmeur sich in eine Affäre mit seiner Schwägerin stürzt. Dumm nur, dass
Martine ihrerseits auch im heiratsfähigen Alter ist und nur auf den
passenden Gatten wartet. Die Anwärter stehen Schlange, doch „Dr. Popaul“
schafft es, sie durch geschickte Intrigen, „Unfälle“ und ein wenig
Glück, von ihrem Ansinnen abzulassen.
Doch
„Dr. Popaul“ treibt sein intrigantes Spiel auf die Spitze, als er
Martine vorsätzlich schwängert, um sie ein für alle Mal von ihren
Heiratsplänen abzubringen. Da erwacht er plötzlich nach einem mysteriösen
Autounfall im Streckverband in Krankenhaus. Ist dies das Ende seiner
angenehm lasterhaften Abenteuer als Playboy??? |
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Claude Chabrol, damals eigentlich eher bekannt
für seine Beiträge zum Kriminalfilm, später dann zu einem der großen
Regisseure des Autoren- und Gesellschaftsfilms geworden, verließ mit „Der
Halunke“ seine bis dahin eingeschlagenen Wege und gab sich dem Mittel der
schwarzen, bitterbösen Komödie hin, um seine Art von Gesellschaftskritik
zu äußern.
Und die hagelt es in „Der Halunke“, der, wie die meisten Werke Chabrols,
vor der Kulisse der französischen Provinz spielt, reichlich: Fast alle
bürgerlichen Institutionen bekommen ihr Fett weg: Ob geldadliges
Spießbürgertum, das stets bemüht ist, die gutbürgerliche Etikette zu
wahren, die Vertreter des Klerus, scheinheilig die Moralkeule schwingend bei
Dingen, von denen sie keine Ahnung haben (Ehe, Familie), aber am
Festtagsbuffet in erster Reihe stehend, und die Ärzteschaft, die sich hier
die Mittel der Medizin für ihre eigenen privaten Interessen zunutze macht.
Mia Farrow beweist mit angeklebten
Hasenzähnen und Hornbrille Mut zur Hässlichkeit und lässt sich zunächst
als Mauerblümchen von Belmondo nach Strich und Faden vernaschen und auf der
Nase herumtanzen...
Das passende Gegenstück dazu stellt Laura
Antonelli („Venus im Pelz“, Massimo Dallamano, Italien 1970), übrigens
im wahren Leben langjährig mit Belmondo liiert, mit sinnlich naiver Erotik
dar. Sie meistert ebenso wie Mia Farrow ihren Part mit Bravour. Insgesamt
haben wohl alle Beteiligten des Films, ob vor oder hinter der Kamera, sehr
viel Spaß gehabt bei dem Dreh, so herzerfrischend wie der Film rüberkommt.
Insbesondere Belmondo scheint den Part seiner Rolle als Großkotz regelrecht
zu genießen, die qualmende Fluppe im Mund vom Krankenbett aus die Leute
herumkommandieren zu dürfen. Belmondo, wie wir ihn kennen und lieben: Als
Macho und Playboy par excellence, immer einen flotten Spruch auf den Lippen.
Wohl nur Belmondo kann einen derartigen Charakter so schön verkörpern.
Chabrol selbst gibt sich in dieser auf dem
Roman von Hubert Monteilhet basierenden Groteske durch einen Kurzauftritt
als schrumpelige, von Belmondo verhöhnte Putzfrau die Ehre.
Sehr gelungen ist der dramaturgische Aufbau des Films: der Zuschauer
bekommt quasi eine Rückblende der Ereignisse, alle mit schönen zynischen
Kommentaren von Popaul aus dem Off begleitet.
Claude Chabrol hält mit seiner Groteske „Der
Halunke“ der Gesellschaft, besonders der High Society der Reichen, den
Spiegel vor Augen und entlarvt deren Bigotterie und Oberflächlichkeit. So
bekommt Dr. Popaul in einem Traum gewissermaßen die Absolution für sein
doch eigentlich verwerfliches Handeln erteilt. In dieser wirklich sehr
grotesken Szene schlüpft Belmondo selbst in verschiedene Charaktere und
gibt dem Frauenhelden beispielsweise als Kirchenmann, der Popauls Einsatz
für die „Fortpflanzung“ dankt, oder als Richter, der seine Bemühungen
zur Bewahrung „ordentlicher familiärer Verhältnisse“ würdigt, seinen
Segen.
Belmondo spinnt die herrlichsten Intrigen, um
die Buhlschaften seiner Schwägerin zu vergraulen. Diese machen es ihm
allerdings auch durch ihre eigene Beschränktheit wirklich sehr einfach. Und
eben ab diesem Moment wird der Film zur bitterbösen schwarzen Komödie.
Wunderschön. Das überraschende Ende ist dann ein Paradebeispiel für
finsteren Humor!!!!
DER HALUNKE ist auf den ersten Blick eine
schlichte, höchst unterhaltsame Komödie mit bitterbösem schwarzen Humor,
bei genauerem Hinsehen jedoch noch mehr als das, nämlich ein subtiler,
zynischer Rundumschlag gegen die (leider heutzutage größtenteils immer
noch bestehende) spießbürgerliche Doppelmoral der Gesellschaft.
Offensichtlich ist eben das wohl auch der Grund dafür, dass sich Hollywood
dieses unterhaltsamen Stoffes noch nicht angenommen hat, wo es doch sonst
mit Remakes ausländischer Klassiker schnell zur Hand ist...
Fazit: Großes französisches Kino mit
grandiosen Schauspielern!!! Filme wie „ DER HALUNKE“ wird Hollywood wohl
NIEMALS hervorbringen (wollen)... Sicherlich
einer der besten, amüsantesten Belmondos!! |