|
Nur widerwillig lässt sich der
schüchterne Nakazu von seinen beiden Freunden nach dem
Baseballspiel in das neue Bordell an der Ecke zerren. Seine
Verlobte wartet auf ihn zu Hause, und irgendwie scheint ihm der
Laden nicht ganz geheuer. Wie recht er mit seiner Ahnung hat,
wird den Dreien schon sehr schnell bewusst: Die Girls im Club
entpuppen sich als blutrünstige Furien. Getrieben von ihrem
skrupellosen Boss haben sie nur ein Ziel: Ihre Kunden nicht zu
verwöhnen, sondern zu entmannen! |
|
„Eier, wir brauchen Eier!“,
verlangte Bayern-Keeper Oliver Kahn seinerzeit. Doch was genau
meinte der Torwart-Titan damit, wonach war ihm der Sinn? Mehr
Einsatz auf dem Fußballplatz? Besuch vom Osterhasen? Oder etwa
japanische Splatterkomödien mit Genitalverstümmelungen? Falls es
tatsächlich letzteres gewesen sein sollte, so könnte ihm „Horny
House of Horror“ bei der Eiersuche sehr entgegenkommen.
Mit seinem Regiedebüt entführt Jun Tsugita, der sich bislang
einen Namen als Drehbuchautor für „Mutant Girl Squad“ (2010)
gemacht hat, in die Welt von Sex und Gewalt, von Comedy und
Splatter. Diese ist verortet in einem Bordell, in dem für die
lüsternen Freier die Lust alsbald zum Leiden in der Lendengegend
wird. Bordell? Blut? Da war doch was! Richtig: 1996
schickte Gilbert Adler in der abendfüllenden „Tales from the
Crypt“- Episode „Bordello of Blood“ noch dralle Vampirinnen ins
Rennen um des Mannes bestes Stück.
Jun Tsugita bemüht in seinem „House of Horror“ hingegen keine
übernatürlichen Wesen. Penisneid ist Motor des blutigen
Treibens. Ein verrückter Bordellbesitzer (Demo Tanaka , „Tokyo
Gore Police“, 2008) untenrum von der Natur offensichtlich nicht
so toll gesegnet, treibt seine Mädels zu perversen, blutigen
(und tödlichen) Schnippeleien an den Kunden.
Hätte ein derartiger Plot in vergangenen Filmjahren sicherlich
noch zu einem handfesten Skandal geführt, so wirkt diese
abstruse Geschichte heutzutage weder schockierend noch irgendwie
erotisch. Zwar zeigen die Mitarbeiterinnen des „Horny House of
Horror“, u.a. Asami Sugiura („The Machine Girl“, 2008), Yûya
Ishikawa („Hair Extensions“, 2007) und Porno-Queen Saori Hara,
viel Haut und halten regelmäßig Popo und Brüste in die Kamera.
Das Overacting und so manche Slapstickeinlage macht jedoch
gleich jeden Ansatz von Erotik zunichte. Zudem scheint der Film
ganz in der Tradition japanischer Filmwerke, die das Zeigen von
Schamhaaren als unschicklich ansieht, in den wilden Momenten,
die unter die Gürtellinie zielen, entschärft zu sein. Ob die
schwarzen Balken oder Punkte zu Abdunkelung nackter Tatsachen
dabei tatsächliche Zensur oder künstlerisches Stilmittel sind,
bleibt dahingestellt. Fakt ist allerdings, dass dem deutschen
Zuschauer in Sachen Splatter wohl so einiges vorsätzlich
vorenthalten bleibt. Darauf deutet nicht nur die mit ca. 69
Minuten relativ kurze Spielzeit hin, auch wirken die blutigen
Momente teilweise nicht komplett ausgereizt.
Da kann auch die Musik des „Piranha-Orchesters“ nicht dran
rütteln. Die enthaltene Splatterei kann sich allerdings durchaus
sehen lassen und bietet Gorehounds mit Faible für Asia-Feinkost
gute Unterhaltung. Gerade zum Ende hin dreht der Film richtig
auf und wartet mit einigen netten Gimmicks auf. Da sich das
Ganze immer eher im Bereich der Parodie statt hartem Horrors
bewegt, ist der Film nicht zuletzt eben auch aufgrund der
geringen Spieldauer sehr kurzweilig und auch als Partyfilm in
illustrer Runde geeignet. Wer weiß, vielleicht schaut dann auch
Oli Kahn bei seiner Eiersuche vorbei… |