|
In
Seoul lässt ein Forscher achtlos alte Formaldehyd-Flaschen über den
Abfluss des Labors entsorgen. Nicht gerade wenige. Einige Jahre später
entdecken Fischer im Han-Fluss ein komisches kleines Wesen, dass ihnen
unbekannt ist. Sie untersuchen es oberflächlich, lassen es dann aber wieder
in Freiheit. Die beiden Angler wundern sich nur ein wenig über die Anzahl
der Schwänze.
Noch ein paar Jahre später kommt es dann zur Katastrophe: Am Ufer des
Han-Flusses machen Besucher eine seltsame Entdeckung. Irgendetwas hängt von
der Brücke. Etwas Komisches, Großes. Kurz danach ist dieses Ding dann am
Ufer, wo eben noch die Touristen standen und versucht haben es zu füttern.
Es hat offensichtlich Wut und einen großen Appetit auf größere Snacks.
Der etwas tollpatschige Kellner Park Kang-du bekommt das Geschehen mit und
verliert seine Tochter in der Menschenmenge. Das kleine Mädchen wird vom
Ding mitgenommen.
Nachdem sich die Lage geklärt hat, ist Park Kang-du natürlich tief
erschüttert. Doch als er sich in der Quarantänestation gerade dem
Selbstmitleid hingeben will, klingelt sein Handy. Und am anderen Ende der
„Strippe“ ist niemand geringeres als seine Tochter… |
|
Der
Genre-Mix "The Host" war seinerzeit der erfolgreichste Film seines
Landes und schwappte mit einer Begeisterungswelle über den Ozean zu uns
herüber. Der südkoreanische Beitrag ist dabei aber alles andere, als ein
Blockbuster-Format. Zumindest für unsere und unsere eingetrichterten
amerikanischen Verhältnisse.
Regisseur Bong Joon-Ho hat in diesen Streifen einiges hineingelegt.
Ein bisschen Tier-Seuchen-Horror, ein wenig Godzilla, eine Katastrophen-Todesviren-Story,
Olympia, ein Kinderdrama, eine Tochter-Vater Beziehung
und eine außenpolitische Minikrise. Kaum zu glauben, aber der
Wahrheit entsprechend. Und dabei ist das Ganze sogar gut zu betrachten, ein
durchaus gelungener Film geworden.
Im Mittelpunkt steht ein Monster, das aufgrund der Formaldehydzufuhr
zu diesem unerklärlichen Ding geworden ist. Ähnlichkeiten mit amphibischen
Lebensformen auf der Erde sind ausgeschlossen. Das Vieh wurde zum Großteil
sehr gut animiert und hat sicherlich die Produktionskosten in die Höhe
schnellen lassen. Bis auf einige wenige Momente kommt das Formaldehydschen
wirklich gut animiert rüber.
Das sorgt natürlich für dauerhafte Faszination und Spannung. Man will
wissen, was das Ding vorhat und warum es erst Jahre später entdeckt werden
kann und dann schlagartig auf die Menschheit losgeht. Um es vorwegzunehmen:
Nicht alle Fragen werden befriedigend beantwortet. Das kümmert aber wenig,
da dieser Film nicht versucht Ernsthaftigkeit auszustrahlen. Er versucht
sich sogar mit komödiantischen Zügen. Die Witze wollen allerdings nicht
alle zünden. Da gibt es wohl zu große Komik-Unterscheide zwischen unserer
und der koreanischen Kultur. Das sollte aber niemanden wirklich
überraschen.
Aber es gibt auch richtig gute Lacher. Zum Beispiel den, als alle
Panik vor einer Virusübertragung haben. Einige Leute stehen an einer
Bushaltestelle: Als ein Mann plötzlich Hustet und daraufhin in eine Pfütze
spuckt, gucken alle komisch angewidert. Dieser Blick ändert sich dann
urplötzlich, als ein Bus mit Vollgas durch die Pfütze fährt… Muss man
gesehen haben.
Es darf aber nicht nur gelacht werden. In "The Host" darf man auch
eine emotionale Berg- und Talfahrt mitmachen. Aufgrund der raschen
Veränderungen der Ereignisse wird sogar mal auf die Tränendrüse
gedrückt. Dank dem kleinen Mädchen in der Vermissten-Hauptrolle. Allgemein
werden gute Leistungen von den Schauspielern abgerufen. Hier und da mal
etwas überdreht. Das passt aber zum Film.
Bei den vielen Nebenschauplätzen und Abwechslungen bleibt, leider, auch
etwas Zeit für nicht so interessante Sachen. Der Film ist mit seiner
Überlänge etwas zu ausgedehnt geraten. Ein bisschen Konzentration auf das
Wesentliche hätte sicher gut getan. Auch gut getan hätte ein wenig mehr
Aufklärung. Ein wenig mehr Infos zum Monster wären ebenso interessant
gewesen, wie Informationen über das Virus.
Unterm Strich hat man es mit „The Host“ mit einem recht seltsamen, aber
auch recht unterhaltsamen Film zu tun, den sich Godzilla- und
Tier-Horror-Freunde nicht entgehen lassen sollten. Mit einem gut animierten,
leider nicht sooo blutrünstigen Monster, einer Prise Trash, verkappter
Sozialkritik und allerhand interessantem Zeug ist eine gute Unterhaltung
vorprogrammiert. |