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Ich muss zugeben, ich war anfangs ziemlich
skeptisch was diesen Film angeht. Ich wusste, dass es sich um eine TV
Produktion handelt, die mit deutlich sichtbar, sehr wenig Geld produziert
wurde und hatte irgendwie das Gefühl nach dem Schauen enttäuscht zu sein.
Selbst als ich die DVD in den Player legte und ich die ersten Minuten
schaute, dachte ich, dass ich mir die ewige Suche nach der Scheibe lieber
hätte sparen sollen. Aber, nach ungefähr 10 Minuten geht der Film dann los
und, wow, ich konnte nicht glauben was ich da zu sehen bekam.
Bevor ich aber nun anfange den Film hoch zuloben, möchte ich erst einmal zu
den negativen Punkten kommen, die mir nicht so gut gefallen haben und davon
gibt es schon welche.
Der Film hat schwer mit der Story zu kämpfen. Wenn man meine Inhaltsangabe
so durchließt, könnte man meinen, dass die Story klar ist und man gut
mitkommt. Leider ist dem nicht immer so. Nicht selten passieren Sachen bei
denen man sich hinterher fragt „Was bitte sehr soll jetzt das?“, und
glaubt mir es liegt nicht daran, dass ich den Film nur in japanisch und mit
englischen Untertiteln gesehen habe. Manche Handlungen und Geschehnisse der
Geschichte des Films sind wirklich schwer nachvollziehbar. Der Film endet
auch auf einmal schlagartig und unerwartet, so dass man wirklich am liebsten
Laut „Ja wie denn, was jetzt“ sagen würde.
Des weiteren wird einem gar nicht erläutert warum genau der Ju-on Fluch
überhaupt da ist. Es wird zwar angedeutet und man kann sich irgendwie
denken warum, richtig klar wird es aber nicht. Dies ist aber nicht unbedingt
als negativ zu betrachten, denn so hat man wenigstens genug Raum, sich das
Geschehen im Kopf zusammen zu fügen wenn man seine Phantasie anregt. Kurz
gesagt, Story mäßig hätte man den Film ruhig noch etwas ausbauen können
und ein paar Sachen etwas (wenigstens ein kleines bisschen) erklären.
So, nun aber genug gemotzt! Das die Story und die Handlung an sich nicht
gerade die Stärke des Filmes ist wird einem schnell klar. Was aber die
stärken des Films sind ist Spannung, Schocks und Horroratmosphäre oberster
Güte. Schon in der ersten Episode geht es voll los. Es kommt eine wirklich
sauspannende Szene, die einen wirklich erstarren lässt und endet mit einem
Schockeffekt, der mich wirklich zusammenzucken hat lassen. Wer glaubt, dass
es jetzt erst einmal ruhiger weitergeht wird sich wundern, denn die nächste
Episode Setzt noch einen oben drauf. Ich konnte es echt nicht fassen, was
ich da auf dem Bildschirm sah. Eine extrem spannende Szene nach der anderen,
ein Schock Effekt nach dem anderen und ich könnte schwören, dass ich
mindestens vier, fünf mal zusammengezuckt bin.
Der Film nagelt einen wirklich förmlich in den Sitz, so dass man wie
erstarrt das Geschehen verfolgt. Er baut eine solche Spannung auf, dass man
irgendwann in jedem Schatten den nächsten Schrecken vermutet. Die
Soundeffekte und die Musik sind dabei perfekt in Szene gesetzt und machen
sicherlich 40 Prozent von der Spannung aus. Es ist echt unglaublich was der
Regisseur hier für eine Gruselstimmung geschaffen hat, so etwas fesselndes
habe ich wirklich lange nicht mehr gesehen. Da können sich wirklich die
neueren effektüberladenen Hollywood Horrorfilme, die teilweise kein
bisschen gruselig sind, eine Scheibe von abschneiden! Und das witzige dabei
ist das fast alles bei Tageslicht abspielt und es nur selten Nachtszenen zu
sehen gibt. Was Spannung und Schocks angeht übertrumpft diese TV Produktion
ohne Spaß viele anderen aufwendig gemachten Horrorfilme um Längen.
Leider ist dieser Film niemals in den westlichen Ländern erschienen und nur
in Asien bekannt. Ich schätze mal, dass der Film hierzulande eine 16ner
Freigabe bekommen würde, es käme aber auch eine ab 18 in Frage. Warum 18
fragt ihr Euch. Im Grunde nur wegen einer Szene, in der man eine Person
sieht, deren komplettes Kinn, samt Kiefer und Lippen abgerissen ist, so dass
nur noch die oberen Zähne zu sehen sind. Hierbei handelt es sich aber nur
um eine kurze Einstellung, die aber wahrscheinlich das FSK 18 hervorrufen
könnte. Ansonsten gibt es so gut wie keine einzige blutige Szene im Film,
soviel sei gesagt. Wer also hofft, dass die Leute, die mit dem Fluch in
Kontakt kommen, möglichst blutig sterben, wird enttäuscht sein, da die
Kamera im entscheidenen Moment immer abblendet. Aber glaubt mir, dieser Film
hat derartige Szenen auch gar nicht nötig.
Die Schauspielerische Leistung ist übrigens auch als recht gut zu
bezeichnen. Alle machen ihre Sache recht gut, auch wenn eigentlich niemand
sehr lange im Bild ist. Namen der Darsteller aufzuzählen wäre an dieser
Stelle wahrscheinlich eher sinnlos, denn die kennt hier sowieso keiner. Das
Heißt, eine japanische Schauspielerin ist dem ein oder anderen vielleicht
doch ein Begriff (zumindest Insidern). Und zwar meine ich Chiaki Kuriyama,
die in „Kill Bill“ Vol. 1 dieses Schulmädchen mit der schwingenden
Kugel spielt, gegen die Uma am Schluss kämpfen muss. Sie spielt auch noch
in „Battle Royale“ mit, welcher, ganz nebenbei erwähnt, einer meiner
absoluten Lieblingsfilme ist. Ansonsten kann ich hierzu nichts weiter sagen,
außer dass die Macher von „Ju-on“, die selben wie von „Ring“ sind
und das war wahrscheinlich auch der Grund weshalb ich mir, wie schon oben
erwähnt, den Film gekauft habe.
Ach so, der Film ist wirklich um einiges grusliger als „Ring“ und hat
auch eindeutig mehr Schockszenen, aber besser ist er nicht unbedingt, da „Ring“
eine richtig gute und nachvollziehbare Handlung hat, während „Ju-on“
eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Horrorszenen ist.
Mich jedenfalls hat der Film schwer beeindruckt, denn so etwas sieht man
echt selten und da sehe ich auch gerne mal über die Schwächen hinweg. Es
kommt wirklich zu keiner Sekunde Langeweile auf, ständig ist eine Spannung
da und ehe man sich versieht läuft auch schon der Abspann. Wahrscheinlich
hängt meine Begeisterung auch damit zusammen, weil ich anfangs einen nicht
so tollen Film erwartet habe. Zu erwähnen sei noch die Laufzeit des Films,
die nur 70 Minuten geht. Eine recht kurze Zeit, aber vielleicht wirkt der
Film gerade deshalb so, weil kein Platz für irgendeine unnötige Füllszene
ist. Ängstliche und schreckhafte Naturen, die sich bei Filmen wie „Scream“
und co gruseln, sollten „Ju-on“ lieber ganz schnell vergessen, denn sie
würden den Film nicht überleben.
Meine Meinung basiert auf der ungeschnittenen Taiwan DVD von CK Video, die
mich 19 Euro gekostet hat und sehr schwer zu finden war (vor allem weil ich
keine Kreditkarte habe). Die DVD ist leider nur auf japanisch und mit
englischen Untertiteln versehen. Da die Story aber etwas verwirrend ist und
die Dialoge sich auf „Hallo, wie geht es dir“ oder „Was macht du
nachher“ beschränken ist dies kein Beinbruch. Und Arg viel wird sowieso
nicht geredet, da die meiste Zeit irgend Jemand irgendwo allein
herumgeistert. Die Bildqualität ist für einen TV Film auch recht gut und
der Ton kommt sogar in Dolby Digital daher. Als Extras hat man den Trailer
zum Film selber, sowie zum Remake (Ju-on: The Grudge) und ein paar
Texttafeln über die Macher, die leider nur in japanisch sind und für mich
somit unverständlich sind. Die Menüs sind auch recht gut gestaltet und die
DVD ist Codefree. Ich kann sie auf jeden Fall allen Interessierten
weiterempfehlen. Bedenkt aber, dass es sich hierbei nicht um einen Film
handelt, den man sich am Wochenende in der Videothek ausleiht. Wenn ihr den
Streifen sehen wollt, müsst ihr also schon eine vielleicht ewig dauernde
Suche in Kauf nehmen.
Abgesehen von dieser DVD ist mir noch einen Video CD aus Honkong bekannt,
über die ich aber keine weitern Infos habe.
Von „Ju-on“ gibt es momentan 4 Filme. „Ju-on: The Curse“ Teil 1 und
2 (2000) sind fürs japanische TV produziert. Die anderen beiden „Ju-on:
The Grudge“ Teil 1 und 2 (2003) sind Remakes von den beiden TV Filmen und
werde ich mir demnächst auch noch holen. Also nicht durcheinander bringen.
Inzwischen plant auch Hollywood ein Remake vom Remake „Ju-on: The Grudge“
zu drehen *Graus*, mit Sarah Michel Gellar (Buffy) in der Hauptrolle. Ob das
etwas wird? Naja, wir werden es ja bald sehen.
Zusammengefasst kann ich allen Horrorfans, die über eine löchrige
Geschichte, hinweg sehen können, „Ju-on: The Curse“ ans Herz legen.
Einen Film der solch eine Spannung aufbaut sieht man heutzutage nur noch
selten. Ohne Verschnaufpause folgt eine geniale Szene der anderen und
hinterlässt (zumindest bei mir) einen sehr positiven Gesamteindruck, so
dass ich 4,5 Sterne gebe. Leute die aber immer nach einer Erklärung
verlangen, oder von Natur aus ängstlich sind rate ich ab diesen Film
anzusehen. Keine Effekthascherei, keine Metzelszenen aber dafür eine
Gruselatmosphäre, die ihresgleichen sucht. |