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Als vor einiger Zeit die ersten Gerüchte
auftauchten, George A. Romero plane eine Fortsetzung seiner bisher drei
Teile umfassenden Zombie-Reihe, überschlugen sich die Filmfans in aller
Welt in freudiger Erwartung, platzen Internetforen zum dem Thema aus allen
Nähten. „Land of the Dead“ sollte er heißen und direkt da anknüpfen,
wo „Day of the Dead“ 1985 seinerzeit endete. Apokalyptische Bilder von
einer nahezu ausgestorbenen Welt, in der Heerscharen Untoter ganze
Landstriche auf der Suche nach Menschenfleisch mit ihrem bedrohlichen
tranceartigen Gang durchkämmen, stiegen auf der geistigen Leinwand der
Horrorfans empor. Ansonsten vielleicht wieder die für die ersten Teile
charakteristische unterschwellige Kritik an aktuellen gesellschaftlichen
Problemen, gepaart mit herben Splattereffekten. Zombie- Routinier George
würde das schon hinbekommen.
Nun ist er also da: „Land of the Dead“ (= Night of the Living Dead 4 ?
(oder doch eher Zombie 3?).
Eigentlich ist es aber auch egal, ob „Land of the Dead“ nun tatsächlich
als Fortsetzung der Romero’schen Trilogie angesehen werden kann oder nicht
(in den 80er Jahren versuchten die Verleihfirmen ja auch, dem Publikum ihre
italienischen Zombiefilmchen der Herren Fulci & Co. als Zombi 2 oder
Zombie 3 anzudrehen um vom Erfolg „Dawn of the Dead“ und „Day of the
Dead“ zu profitieren.) Was letztendlich bleibt, ist ein actionreicher
Zombiefilm, der zwar gut unterhält und von den Effekten her handwerklich
gut gemacht ist, sich aber ansonsten kaum vom Durchschnitt abheben kann.
George A. Romero vernachlässigt sträflich das, was seine ersten drei Teile
so interessant und eigenständig machte: Allen drei Vorgängern, „Night“,
„Dawn“ und „Day“ gemein war eine besonders sorgfältig
ausgearbeitete Zeichnung der Charaktere, eine bis dato innovative Handlung
und eine subtile Gesellschaftskritik. All diese Stärken, für die Romeros
Werke dann auch zu Recht von der Filmkritik mit Lob überhäuft wurden,
gehen „Land of the Dead“ abhanden oder werden nur halbherzig
ausgespielt.
Die Charaktere erscheinen allesamt sehr oberflächlich, beschränken sich
teilweise nur darauf, als Actionhelden eine gute Figur zu machen, möglichst
tough zu gucken und coole Sprüche auf B-Movie- Action- Niveau zu reißen.
Sogar die wunderbare Asia Argento (ob ihr Romero die Rolle aus Freundschaft
zu ihrem Vater Dario zugeschustert hat??) bleibt ziemlich blass, ganz zu
schweigen von Dennis Hopper, der zwar als Bösewicht wie immer sehr solide
agiert, seine Rolle aber auch nur aufs nötigste reduziert.
Der Plot weist nicht nur einige Lücken sondern auch eine Vielzahl
unlogischer, dadurch geradezu lächerlich wirkender Momente auf: Anfangs ist
die Rede von einer Zombieinvasion, die weite Teile des Landes entvölkert
und in Katastrophengebiete verwandelt hat. Die Überlebenden ziehen auf der
Suche nach „dem nötigsten“, sprich Nahrung durch das Land.
Plünderungen sind an der Tagesordnung. So weit so gut. Warum jedoch in
dieser chaotischen Welt ohne Werte und Perspektiven immer noch der Schnöde
Mammon regiert, sich Bösewicht Dennis Hopper auf seiner Flucht sogar extra
noch die Taschen voller Geld stopft, ist irgendwie nicht sehr plausibel.
Was, und vor allem wo will er damit einkaufen?
Bei den gelungenen modernen Zombiebeiträgen der letzten Zeit, wie z.B. dem
„Dawn of the Dead“ –Remake oder „28 Days later“ war ein
Kritikpunkt der, dass die Zombies dort plötzlich furienartig blitzschnell
rennen konnten, und dass dadurch der normalerweise tumb umherirrenden aber
in der Masse gefährliche Zombie ein wenig seiner ursprünglichen
Bedrohlichkeit beraubt wurde.
In „Land of the Dead“ watscheln die Zombies endlich wieder in
altbekannter Manier umher, auch die Masken der Darsteller können durchaus
mit denen von Tom Savinis Kreationen in „Dawn“ oder „Day“ mithalten.
(Savini selber hat auch einen Cameo – Auftritt als Zombie in Lederkluft,
eine Hommage an seinen Rockerauftritt in „Dawn“?).
George A. Romero hatte aber die „brillante Idee“, seine lebenden Toten
anscheinend über Nacht (wodurch auch immer, dieses wird nämlich nicht
erklärt) plötzlich intelligent werden und erstmals Werkzeuge und gar
Schusswaffen (*gähn*) effektiv benutzen zu lassen. Sogar einen Anführer,
der seine Zombies mit Grunzlauten dirigiert und zielstrebig durch die Gegend
leitet, gibt es. Das wirkt stellenweise nicht nur lächerlich (z.B. wenn er
einem Zombie mit einem Hackebeil an einer Holzbarriere anweist, wo er
bitteschön jetzt den Bretterverschlag in Stücke zu hauen hat), sondern auf
Dauer wirklich nervig.
Gesellschaftskritik betreibt Romero auch hier wieder. Leider schlägt er
jedoch nicht wie bisher dezente Töne an und verteilt kleine aber feine
Seitenhiebe, sondern lässt hier fast schon etwas aufdringlich die
moralische Keule kreisen. Globalisierung, Arm- Reich- Konflikt, alles wird
offenkundig angeprangert. Einige gelungene Ideen, die die unterschwelligen
sozialkritischen Aspekte der Trilogie aufgreifen, blitzen hier und da dann
doch auf, z.B. die Zombies, die als Zielscheiben vor der Stadt aufgehangen
sind, das Hochhaus als „Festung“ der Reichen gegen die Zombies UND die
Armen. Nicht zu vergessen, die Szenen in einer Bar, wo sich die Gäste zum
Spaß mit angeketteten Zombies fotografieren lassen können oder die „Gladiatorenkämpfe“
zwischen zwei Zombies im Käfig.
Wie erwähnt, blitzen diese Momente leider nur kurz auf, werden jedoch nicht
weiter vertieft. Schade eigentlich.
So steht dann ganz offensichtlich die Action im Vordergrund und es vergehen
wirklich kaum mehrere Minuten ohne irgendwelche Zombieattacken mit teilweise
herben Splattereinlagen, die jedoch bei weitem nicht an das Gore-Happening
eines „Day of the Dead“ heranreichen.
Angesichts der sehr dünnen Handlung, die zudem nun wirklich keine
großartigen Überraschungen bietet, keimt schnell der Verdacht auf, George
A. Romero habe seinen Plot mal eben zusammengeschustert, um einen Aufhänger
für seine eine Aneinanderreihung seiner Actionsequenzen zu finden. Bedient
hat er sich dabei offensichtlich bei seinem eigenen „Dawn of the Dead“
(das Kaufhaus wurde kurzerhand zum Hochhaus), Endzeitfilmen wie „Der
Kampfkoloss“ und Actionfilmen à la „Die Klapperschlange“.
Ein großes Budget stand Romero für seinen Film anscheinend auch nicht zur
Verfügung (oder er hat es in die ganzen Sylvesterböller investiert). Fast
der gesamte Film spielt in der Dunkelheit, zudem sind Kameraeinstellungen in
der Totale Mangelware. Das spart Geld für Kulissen. Bei „Day of the Dead“
hat dieses Konzept damals auch funktioniert. Nur war „Day“ auch eher ein
Kammerspiel, limitiert auf eben eine beschränkte Location, nämlich die des
unterirdischen Militärstützpunktes. Ein Titel wie „LAND of the Dead“
hätte da doch schon eher ein paar atmosphärische Aufnahmen von
entvölkerten Landstrichen oder zombieverseuchten Gegenden erwarten lassen
(so, wie sie z.B. die Eingangssequenz von eben „Day of the Dead“ uns
liefert). Derartige Szenen deutet Romero in „Land of the Dead“ z.B.
direkt zu Beginn oder bei einer (natürlich wieder nächtlichen) Fahrt durch
einen Wald voller Zombies leider nur an.
Eine absolute Enttäuschung ist dann das viel zu abrupte Ende. Soso: Die
Zombies, eigentlich gedankenlose, vom Fresstrieb gesteuerte Wesen, suchen
also nur einen „Platz wo sie bleiben können...“ „Zombies and Mankind
unite and be happy” oder was??? Autsch…
Was das Remake von „Dawn of the Dead“ entgegen aller Befürchtungen
glücklicherweise nicht geschafft hat, erledigt der Schöpfer selber: George
A. Romero zerstört den von ihm selbst aufgebauten Zombie-Mythos zwar nicht,
kratzt mit seinem unausgegorenen „Land of the Dead“ aber erheblich an
dessen Image. Insgesamt gesehen ist „Land of the Dead“ einfach zu
halbherzig und konzeptlos heruntergekurbelt. Popcornkino für Fans seichter
Splatter-Action. Mehr nicht. „Land of the Dead“als 4. Teil der “Return
of the Living Dead“ – Reihe hätte besser gepasst. Von Romero hätte man
wirklich mehr erwarten können...
Anders als seine Vorgänger kann „Land of the Living“ zwar auch gut
unterhalten, hinterlässt allerdings keinen so nachhaltigen Eindruck wie die
ersten Teile. Er verpufft, wie die Sylvesterraketen am nächtlichen Himmel
am Ende des Films.
Fazit: „Land of the Dead“ ist als eigenständiger Zombiefilm ansehnlich.
Als Fortsetzung der grandiosen Trilogie jedoch enttäuschend! |