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Da
meint man, wirklich schon so gut wie alles gesehen zu haben, die
meisten wichtigen Klassiker des Horrorfilms zumindest vom Namen her
zu kennen, und dann bekommt man plötzlich einen Film wie "The
Last Man on Earth" vor die Augen.
Basierend
auf dem Roman "I am Legend" von Richard Matheson, aus
dessen Feder u.a. auch die Vorlage für Jack Arnold's "Die
unglaubliche Geschichte des Mr. C." stammt, nimmt mit "The
Last Man on Earth" bereits Jahre zuvor schon wichtige Elemente
von modernen Horror- und Endzeit- Klassikern wie George A. Romero's
"Night of the Living Dead" oder "Crazies"
vorweg.
Der
unvergessene Genre-Star Vincent Price spielt den Mediziner Robert
Morgan. Er scheint der einzige Überlebende einer großen Epidemie
zu sein, die alle Menschen zu blutgierigen Vampiren bzw. Zombies hat
werden lassen. Anfangs beobachtet der Zuschauer Morgan bei seinem
üblichen Tagesablauf: Waffen bauen, Schäden an seinem
verbarrikadierten Haus ausbessern, Vampire jagen, Leichen entsorgen.
Aus dem Off kommentiert Morgan das Geschehen, lässt den Zuschauer
teilhaben an seinen Gedanken. Morgan scheint sich an die Situation,
der wohl letzte Mensch auf der Welt zu sein, abgefunden zu haben.
Scheinbar aber nur. Die Sehnsucht nach seiner Frau und seiner
Tochter plagt ihn. Die Gedanken an seine Liebsten, die von der
unheilvollen Seuche dahingerafft wurden. In diesen Momenten lauscht
Morgan den Klängen des Grammophons und gibt sich ganz den
Erinnerungen hin.
Dabei
erlebt der Zuschauer anhand von Rückblenden, wie die tödliche
Seuche damals ihren Lauf nahm. Wie sie anfangs nur im weit
entfernten Europa grassierte und daher von Wissenschaftlern als
harmlos eingeschätzt wurde. Wie sie dann plötzlich Freunde,
Bekannte und schließlich die Morgan's Familie befällt. Wie die
lebenden Toten auf der Suche nach Blut durch die Stadt streifen.
Und wie schließlich das Militär die Leichen in einer riesigen
Grube außerhalb der Stadt verbrennt. Das
Feuer in der Leichengrube erlischt nie, auch lange nachdem das
Militär diese nicht mehr nutzt, da die Soldaten selbst Opfer der
Seuche wurden. Morgan
ist es, der für reichlich Brennmaterial sorgt: Systematisch
durchkämmt er die Stadt nach den zombiehaften Blutsaugern, pfählt
sie und bringt sie zur Grube.
Morgan
bei seinem Dasein als letzter Mensch auf der Welt zu beobachten, ist
unglaublich unterhaltsam und spannend zugleich. Langeweile kommt zu
keiner Zeit des Films auf. Spannende Momente lösen sich dabei mit
dramatischen und einfühlsamen Szenen ab, in denen Vincent Price
einmal mehr zeigt, warum er auf ewig einer der besten Schauspieler
der Welt bleiben wird. Seine Mimik, seine Gestik - einfach
unübertroffen. Obwohl er im zweiten Abschnitt des Films weniger die
Möglichkeit hat, seine Fähigkeiten als Darsteller in Szene zu
setzen, da nun Spannung und Action im Vordergrund stehen.
Eines
Tages trifft Morgan nämlich auf eine junge Frau. Eine Mutantin. Ein
Halbwesen aus Vampir und Mensch. Sie soll Morgan in eine Falle
locken. Denn die Mutanten haben eine neue Weltordnung erschaffen. In
ihrer Welt ist kein Platz mehr für Menschen. Die Jagd auf den
letzten "Andersartigen" beginnt und endet schließlich in
einem furiosen, finsteren Finale. Auch nach über 40 Jahren
funktioniert der Film und sorgt durch sein eindringliches
apokalyptisches Szenario für ein ungutes Gefühl in der
Magengegend. Menschenleere Straßen, verwaiste Einkaufszentren,
Dutzende von Leichen verstreut in der Landschaft. Der Stoff aus dem
"idyllische" Endzeitfiktionen gemacht sind. Dass der Film
in schwarz-weiß gedreht wurde, trägt dem Genuss keinen Abbruch. Im
Gegenteil, die ohnehin schon finster nihilistische Stimmung wird
dadurch nur noch verstärkt.
Ursprünglich
sollte der Film in den berühmten britischen Hammer Studios
realisiert werden. Allerdings hatte Hammer kein Interesse und gab
die Rechte an den Produzenten Robert L. Lippert weiter. Dieser
ließ den Film daraufhin in Italien drehen. So verwundert es kaum,
dass Regisseur Ubaldo Ragona die Rollen fast ausschließlich mit
italienischen Darstellern besetzte, mal abgesehen von Vincent Price.
Ob es daran lag, dass der Film beim Publikum nie die Beachtung
erlangte, die er verdient hätte? Da musste dann schon sieben Jahre
später in Hollywood Charlton Heston ran. Mit dem amerikanischen
Filmhelden und jetzigen Waffen-Narr wurde die Story unter dem Titel
"The Omega Man" zum Blockbuster.
Fazit:
"The Last Man on Earth" ist ein Meilenstein in der
Geschichte des phantastischen Films. Ein finsterer apokalyptischer
Mix aus Vampir- Zombie- und Endzeitfilm. Der Ursprung von George A
Romero's "Zombie". |