|
Der amerikanische Professor Taylor macht mit
seiner Familie einen Ausflug zum Amazonas. Dort wird die Reisegruppe von
Kannibalen überfallen und vernascht. Einzig Taylor selbst kann entkommen.
Zurück in New York erfährt er nach Jahren der Apathie, dass seine damals
minderjährige Tochter das Massaker überlebt hat und als „Weiße Göttin“
von den Kannibalen verehrt wird. Er organisiert eine Expedition zur Rettung
seiner Tochter.
Wie es weitergeht, kann man sich an einem abgenagtem Finger abzählen... |
|
„Höslein, Höslein an der Wand, wer hat die
vollste im ganzen Land?“ (Zitat meines verstorbenen Erdkunde Lehrers,
immer wenn jemand Super- Mist verzapft hat.)
Es tut mir leid, aber in Anbetracht dieses Films fällt mir nichts anderes
ein.
„Kult- Regisseur“ Jess Franco („Die Säge des Todes“, „Vampiros
Lesbos“) ist mit seinem Film „Mondo Cannibale 3 - Die weiße Göttin“
(in der vorliegenden DVD - Version von Laser Paradise als „ Jess Franco’s
Mondo Kannibalen“ präsentiert) geradezu ein Meisterwerk gelungen. So ist
es sicherlich nicht leicht, dem ohnehin schon billig- trashigen Genre des
Kannibalenfilms noch die Krone (oder besser: Narrenkappe) aufzusetzen. Bei
70er- Jahre- „Bud Spencer und Terence Hill“- Disco-Rhythmen kann der
geduldige
(Noch-) Fan etwa 85 Minuten Dauerschund betrachten, bei dem unglaublich fies
bemalte Wilde (stellenweise eindeutig als BVB – Fans identifizierbar)
einem depperten Haufen „Zivilisierter“ nach dem Leben trachten und dabei
so superschlaue Kommentare abgeben, wie: „Mein Sohn, sieh, unser Volk ist
in Feststimmung, weil die weiße Göttin zurück ist. Komm, wir wollen sie
verehren!“. (Jeder Gag- Schreiber in der „Bully- Parade“ könnte sich
dafür einen neuen Job suchen.).
Angesichts der schauspielerischen und tricktechnischen Leistung fehlen mir
schlicht die Worte: Da fuchteln börsenmaklerfrisierte spitzbärtige
Kannibalen mit Plastiktotenköppen (Ich kenne alleine in Dortmund mindestens
fünf Läden, wo es bessere Imitate gibt) rum, dass jeder Darsteller in
einen Lucio Fulci Film oscarreif wirkt. Besonders bemerkenswert ist der
Abgang des Häuptlings auf dem Sterbebett.
Der Hauptdarsteller rennt die ganze Zeit mit einem Luftgewehr durch den von
Klapperschlangen (!) verseuchten Amazonasdschungel. Aufgehangene
Affenschädel neben Büffelschädeln in Dschungel zeugen auch nicht gerade
von einer besonderen Ortskenntnis der Filmemacher. Ansonsten läuft der
ganze Film nach Schema F der ganzen Exploitationsfilme: Die Expedition
besteht aus dem Draufgänger, dem Depp, der Memme, dem arroganten Fuzzi und
der immergeilen aber schnell schlappmachenden Tussi.
Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass bei einem Regisseur wie Jess Franco
Frauenpower nicht gerade groß geschrieben wird und der Sexismus des 80er-
Jahre- Horrorkinos einmal mehr zum Tragen kommt. Vielleicht hat der
Regisseur selber bemerkt, welchen Schund er hier abliefert und wollte retten
was zu retten ist. Aufgrund seiner mehr als bescheidenen Fähigkeiten fiel
ihm dann wohl nichts weiter ein, als die Metzeleien der Kannibalen in
Zeitlupe zu präsentieren.
Das ganze ging dann aber wohl nach hinten los: Zum einen wirken die „Essensszenen“
der Kannibalen nur noch langweilig und aufgesetzt, zum anderen erschien eben
dieses der BPS als Anlass, den Film aus dem Verkehr zu ziehen. (Oder sollte
die BPS doch etwas gutes im Sinn gehabt haben, Erwachsene vor Verdummung
durch den Konsum dieses Schwachsinns zu schützen?)
Kleiner Tip an die Trick- „Techniker“: Wenn der Hauptdarsteller schon
durch den Billigtrick des Festbindens seines Unterarms vor die Brust einen
Armstumpf vorgaukeln soll, dann ist es nicht gerade ratsam, ihn mit einem
weißen Hemd bekleidet ins Wasser zu schicken!!
Zur DVD:
Anscheinend hat Laser Paradise den Film von einer schlechten Video- Kopie
gezogen. Die Bildqualität ist für den verwöhnten DVD – Konsument
jedenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Des weiteren frage ich mich, weshalb in
einigen unspektakulären Dialogszenen der Ton plötzlich zu einem Englisch
mit Untertiteln wechselt. War da das Originaltape noch schlechter, oder was?
Super unterhaltsam ist da auch noch das Opferungsritual gegen Ende des
Films. Die Szene hat von der geringen Motivation und Stimme des
Synchronsprechers etwas von Monty Python.
Fazit:
Das müsst Ihr gesehen haben!!! Hier fehlen nur noch die Dinosaurier und
Aliens, dann wäre dies der Anwärter auf den Trash- Film des Jahrtausends!!
Selbst Kannibalen- Fans (falls es die gibt) wollen nach diesem Film nur noch
Menschen aus Tofu essen. |