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Schon seit über einem Jahr kann er trotz
ungeheuerer Müdigkeit nicht schlafen. Für den inzwischen bis auf die
Knochen abgemagerten Fabrikarbeiter Trevor Reznik hat jeder Tag quälend
lange 24 Stunden ohne Schlaf. Wie in Trance erlebt er seine Umwelt,
für die Erledigung wichtiger Angelegenheiten macht er sich zur Erinnerung
eigens Notizen auf kleinen Zetteln, die er an seinen Kühlschrank heftet.
Sein ganzer Lebensinhalt besteht darin, sich nach Schichtende sein Pensum an
Geborgenheit bei der Prostituierten Stevie zu holen, oder nächtelang beim
Kaffee mit Marie, der Bedienung im Flughafencafe, zu plaudern. Eines
Tages unterläuft Trevor aus Konzentrationsschwäche ein verhängnisvoller
Arbeitsunfall, bei dem einer seiner Kollegen einen Arm verliert. Sein neuer
Kollege Ivan, den er kurz zuvor während einer Pause kennen gelernt hat,
hatte ihn für einen Moment abgelenkt.
Bei der Rekonstruktion des Unfallhergangs erfährt er, dass dieser Ivan
überhaupt nicht im Betrieb beschäftigt ist. Plötzlich überschlagen sich
die merkwürdigen Ereignisse: Seltsame Botschaften tauchen auf den
Zetteln an seinem Kühlschrank auf. Ivan scheint ihn ständig zu verfolgen.
Beinahe wird er Opfer eines ähnlichen Unfalls im Betrieb. Trevor glaubt
zunächst an ein Komplott:
Einen Racheplan seines Kollegen Miller, der sich für den Verlust seines
Armes revanchieren will. Eine Verschwörung von Stevie und ihrem Exmann
gegen ihn, den Stammkunden des Callgirls.
Des Rätsels Lösung erweist sich für Trevor jedoch als weitaus
schrecklicher... |
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Offenbar muss sich Hollywood erst dem Ausland
hinwenden, um phänomenale Filme jenseits massenkompatibler
Popcorn-Kinowelten auf die Leinwand zu zaubern... Anscheinend aus
finanziellen Gründen wählte Regisseur Brad Anderson die iberische
Halbinsel als Produktionsort seines Films. Der Produktionsfirma war
offensichtlich schon im Vorfeld bewusst, dass "The Machinist"
aufgrund seiner finsteren und ruhigen Stimmung nicht unbedingt ein
Blockbuster à la "Spiderman" (Sam Raimi, USA, 2002) werden
würde. Bezeichnender Weise lief der Film dann auch hierzulande nur in
wenigen exklusiven Lichtspielhäusern.
Dem Label e-m-s bleibt es nun vergönnt, dieses rundum gelungene Meisterwerk
als DVD-Release der breiten Masse zugänglich zu machen. Es bleibt zu
hoffen, dass die Masse ihre Chance auch nutzt...
Dreh- und Angelpunkt des Films ist die Titelfigur, der Maschinist Trevor
Reznik. Christian Bale verleiht der Rolle eine derartige Intensität, dass
die Handlung, obwohl diese ohne Zweifel natürlich auch sehr gelungen ist,
gewissermaßen zur Nebensache wird. Man könnte der Person Reznik fasziniert
auch schlichtweg zwei Stunden oder länger bei völlig unspektakulären
Aktionen zusehen. Der Charakter selbst ist einfach so wunderbar gezeichnet
und durch Bales Darstellung grandios umgesetzt.
"Werd nicht noch dünner, sonst bist Du nicht mehr zu sehen",
sagen beide weiblichen Bezugspersonen direkt am Anfang des Films zu Trevor.
Recht haben sie: Christian Bale sieht wirklich erschreckend aus. Bis auf die
Knochen abgemagert, tief eingefallene Augen.
Christian Bale hungerte sich für seine Rolle des Maschinisten ca. 30 kg
Körpermasse herunter. Ob so etwas gesund ist, sei einmal da hingestellt,
jedoch scheinen derartige schauspielerische Grenzerfahrungen ja nicht selten
ein Garant für eine erfolgreiche Karriere oder gar eine Oscarnominierung zu
sein. Man denke z.B. an Robert de Niro: in „Angel Heart“ (Alan Parker,
Großbritannien, USA, Kanada, 1987) noch der leibhaftige
"Calmund", wenige Jahre später sorgte er dann als drahtig-
trainierter Ex-Knacki dafür, dass sein Anwalt Nick Nolte die Angst am Kap
überkam ("Kap der Angst", "Cape Fear", Martin Scorsese,
USA, 1991). Oder Renee „Bridget Jones ” Zellweger, die erst durch ihre
angefutterten weiblichen Rundungen aus ihrem unter-ferner Liefen
Hollywood-Dasein ausbrechen konnte ("Bridget Jones's Diary",
Sharon Maguire, Frankreich, Großbritannien, USA, 2001). Der ganz große
Wurf gelang jedoch Charlize Theron, die sich für ihre Darstellung als
Serienkillerin Aileen Wuornos in "Monster" (Patty Jenkins,
Deutschland, USA, 2003) nicht nur Hüftengold anfutterte, sondern gleich
noch Augenbrauen auszupfte und falsche Zähne einwarf. Belohnt wurde das
ganze mit einem Oscar. Unverständlicherweise blieb eine derartige Ehrung
für Christian Bale aus. Eine ziemliche Ungerechtigkeit. Sich für einen
Film vollstopfen und dann (mit speziellem teueren Fitness-Coach..) wieder
abzuspecken, ist EINE Sache, sich selber für eine Rolle durch Extremfasten
an den Rand der Existenz zu hungern eine andere...
Zu dieser ganzen körperlichen Abnormität gesellt sich noch der verstörte
schläfrige Blick und eine teilweise stockende Stimme. Trevor Reznik ist
eine gebrochene Person und ebenso zerbrechlich wirkt er denn auch
äußerlich. Nichts ist geblieben von Bales durchtrainiertem Körper aus
"American Psycho" oder "Die Herrschaft des Feuers". Der
toughe Held ist passé. Trevor Reznik ist einer von uns, ein
Normalsterblicher mit seelischen Problemen, wie sie wohl jeder Mensch in
mehr oder weniger ausgeprägter Form hat. Gerade dadurch ist es dem
Zuschauer möglich sich mit Reznik zu identifizieren, sich in seine
Situation hineinzuversetzen, bei der Suche nach Klarheit mit ihm zu fiebern.
Über die hervorragenden schauspielerischen Qualitäten der mal wieder
brillant agierenden Jennifer Jason-Leighs noch Worte zu verlieren erübrigt
sich. Auch ihre Kolleginnen und Kollegen spielen ihre Rollen mit absoluter
Bravour. Alle Rollen sind bis ins kleinste perfekt besetzt. Sei es nun durch
den bekannten Michael Ironside, der das Unfallopfer Miller spielt, oder die
(noch) eher unbekannte Aitana Sánchez-Gijón in der Rolle der Marie.
Der Kreis der handlungstragenden Charaktere ist im wesentlichen auf fünf
oder sechs Personen beschränkt. Diese Überschaubarkeit ermöglicht es dem
Betrachter, sich voll und ganz auf die Story zu konzentrieren, in den Film
einzutauchen und sich mit der Titelfigur Trevor zu identifizieren, seine
Situation nachzuvollziehen und sich in seine Lage hineinzuversetzen.
Intensitätskino pur!!
Insgesamt ist der Film sehr melancholisch ruhig gehalten, nähert sich fast
schon einer deprimierenden Charakterstudie an. "The Machinist"
benötigt keine Paukenschläge oder überladene Actionsequenzen, um
Unterhaltung zu bieten. Der Spannungsbogen wird kontinuierlich
stückchenweise durch kleine aber feine Handlungsmomente gedehnt, bis er
schließlich zum Ende hin durch eine originelle Auflösung der Geschichte
abgefeuert wird.
Der Einsatz von Farbfiltern und ähnlichen technischen Elementen trägt sein
übriges dazu bei, die düstere Stimmung des Films zu verstärken.
Insbesondere die Szenen in der Fabrik könnten ohne weiteres aus einem David
Lynch - Film entsprungen sein. Hinzu kommt ein Soundtrack, der sich,
dezent auf ein Minimum reduziert, sehr schön in das Gesamtbild einfügt.
Die Handlung ist gespickt mit kleinen, kaum auffallenden verbalen und
visuellen Andeutungen und Hinweisen aus die Lösung des Rätsels, die dem
Zuschauer eventuell erst im Nachhinein bewusst werden bzw. einen Sinn
ergeben. So wird Trevor z.B. immer dann, wenn er von Müdigkeit übermannt
wird und gerade im Begriff ist, einzuschlafen, gestört. Sei es durch ein
herunterfallendes Buch, Umgebungsgeräusche oder Mitmenschen, die ihn
ansprechen. Das ganze ähnelt einer Art Mahnung oder Appell an sein
Unterbewusstsein. Aufmerksames Zuschauen ist somit angesagt. "The
Machinist" ist definitiv kein Film für "mal eben
zwischendurch", eher schon ein Kandidat für die Sparte "Filme die
auch nach mehrmaligem Ansehen noch Überraschungen parat haben"...
Das Ende des Films deckt das Geheimnis um die Person Trevor und seine
Visionen auf. Die Lösung des Rätsels ist zwar im Laufe der Handlung für
aufmerksame Zuschauer eventuell zu erahnen, zumal in den letzten Jahren
einige Filme ähnlich unkonventionelle Showdowns präsentiert haben. Dennoch
erweist es sich letztendlich auf eine gewisse Art als genauso überraschend
wie auch plausibel. Hier wartet keine übernatürliche Macht, kein Monster
oder Spuk auf den Zuschauer. Hier findet eher eine deprimierende Fahrt in
die Abgründe der menschlichen Seele statt. Mehr dazu an dieser Stelle
jedoch zu verraten, wäre grob fahrlässig und würde Uneingeweihten den
Genuss des Filmes verderben...
Fazit: "The Machinist" ist ein ruhiges finsteres, jedoch ungemein
unterhaltsames Paradebeispiel dafür, wie ein moderner Film ohne
sonderlichen Einsatz von Special- Effects einzig durch seine Atmosphäre und
seine Darsteller zu fesseln vermag. Christian Bale führt die Kunst des
"method actings" in neue, kaum zu übertreffende Dimensionen.
Diesen Film sollte wirklich kein Cineast verpassen!! |