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Der in die Jahre gekommene Violinist Erique
Claudin (Claude Rains) spielt schon seit über 20 Jahren für das Orchester
der Pariser Oper, doch mittlerweile ist er einfach nicht mehr der Jüngste,
was sich leider auch in seiner Musik bemerkbar macht. Der an Arthritis
erkrankte Claudin trifft nicht mehr jeden Ton perfekt und wird deshalb auf
die Straße gesetzt. Um aber auch weiterhin etwas Geld in der Tasche zu
haben, möchte der ruhige und zurückhaltende Musiker eine eigens von ihm
komponierte Aufführung an die Pariser Oper verkaufen, doch dabei kommt es
zu einem Missverständnis. Claudin glaubt, dass man ihm sein Lebenswerk
stehlen möchte und tötet den Verleger Pleyel (Miles Mander). Dessen
Freundin schüttet Claudin daraufhin eine Schüssel voller Säure ins
Gesicht, woraufhin er sich entstellt in die Katakomben der Oper flüchtet.
Kurz darauf kommt es zu seltsamen Vorfällen in der Oper. Es hat den
Anschein, als habe es jemand auf die junge Sängerin Christine Dubois
(Susanna Foster) abgesehen. Zuerst weiß niemand, dass Claudin hinter
diversen Diebstählen und Anschlägen steckt seine ganz eigenen Pläne hat.
Er schwärmt schon lange für die wunderschöne Christine und hat ihr einst
mit seinem Gehalt sogar anonym ihren Gesangsunterricht bezahlt. Um sie zum
großen Star der Oper zu machen, ist Claudin jedes Mittel recht... |
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Das Phantom der Oper ist heute sicherlich
jedermann ein Begriff, nicht zuletzt durch die erneute Verfilmung des
Stoffes von Joel Schumacher aus dem Jahr 2004. Die Geschichte um den
unheimlichen maskierten Mann, der in den Gewölben einer Oper sein Dasein
fristet und von dort aus seinem Treiben nachgeht wurde nun schon vielfach
aufgegriffen und unterschiedlich verfilmt. Mal als Liebesdrama, mal als
anspruchsloses B-Horrorfilmchen. Die mir vorliegende Version aus dem Jahr
1943 war die erste Farbfilm-Version und wurde mithilfe des
Technicolor-Verfahrens verwirklicht. Dafür, dass Universal damals noch
nicht viele Farbfilme gedreht hatte, muss man dem Studio ein Lob
aussprechen, denn das ist ihm hier bestens gelungen.
Wie dem auch sei. 1943 waren die Studiobosse bei Universal der Meinung, dass
die Kinogänger genug vom übernatürlichen Horror hätten und griffen
deshalb die Thematik des Phantoms der Oper erneut auf, nachdem diese schon
1925 für eine Verfilmung mit Lon Chaney in der Hauptrolle herhalten musste.
Zudem wütete 1943 bekanntlich noch der Zweite Weltkrieg, weshalb man dem
Publikum nicht noch mehr Horror als unbedingt notwendig "zumuten"
wollte. In Folge dessen wurde "Phantom der Oper" letzten Endes
mehr zu einer Mischung aus Drama und Opernfilm, weshalb er auch von vielen
Fans als schwache Umsetzung angesehen wird. Dass es der Verfilmung
allerdings bedeutend an Horror fehlt ist auch darauf zurückzuführen, dass
sich der Hauptdarsteller Claude Rains weigerte, in dem Film mit
furchteinflößendem Make Up aufzutreten. Da Erique Claudin mit Säure
verletzt wird, ist es natürlich nur logisch, dass das Phantom kein schöner
Anblick ist, doch gerade diesen wollte Rains dem Publikum vorenthalten, um
nicht nur mit dem Horrorgenre in Verbindung gebracht zu werden. Regisseur
Arthur Lubin aber überlistete seinen Hauptdarsteller und machte mit
versteckter Kamera noch einige Aufnahmen des geschminkten Akteurs, die wir
in der Endfassung auch betrachten können.
"Phantom der Oper" zu kritisieren, weil er zu wenig Horror
beinhaltet, halte ich für falsch, da dies von Universal beabsichtigt war.
Allerdings sollte man sich dessen schon im Klaren sein, wenn man von dem
Streifen nicht enttäuscht werden möchte. Ein Vergleich zu Ikonen wie
Frankenstein und dem Wolfsmenschen ist hier einfach nicht angebracht, da das
Phantom ganz andere Wege einschlägt. Dennoch macht ihn das noch lange nicht
zu einem schlechten Film, denn gerade das Technicolor Verfahren kann wieder
einiges herausreißen. Die Inszenierung bewegt sich hier ohnehin auf einem
sehr hohen Niveau, die Ausstattungen sind stets prachtvoll und farbenfroh
anzusehen. Außerdem muss man die Kameraarbeit von W. Howard Greene und Hal
Mohr loben, die für ihre tollen Kameraschwenks durch die schön anzusehende
Oper sogar mit einem Oscar belohnt wurden.
Was schnell ins Auge sticht, ist die Länge des Films von fast 90 Minuten.
Was man heutzutage als Standard ansehen würde, war damals für die
Verhältnisse von Universal schon ungewohnt. Dennoch muss gesagt werden,
dass sich eigentlich nur selten so etwas wie Langeweile breit macht, da
"Phantom der Oper" stets mit den verschiedensten Stilmitteln zu
variieren weiß. Zum Einen hätten wir da den Handlungsstrang um Claudin,
der gleichermaßen dramatisch wie spannend zu verfolgen ist und dem Film
einige schaurige, wie aufregende Momente beschert. Ganz egal ob das Phantom
nun einen riesigen Kronleuchter sabotiert und diesen in die Zuschauerreihen
stürzen lässt, oder ob es Christine in die düsteren Katakomben entführt
- wenn das Phantom in Aktion tritt, ist eigentlich immer etwas los. Dem
gegenüber steht allerdings der etwas langatmig erzählte Plot um Christine,
wobei insbesondere die Sache mit ihren beiden Verehrern etwas nervt. Der
Polizeiinspektor Raoul ist ebenso in Christine verliebt wie deren
Arbeitskollege Anatole. Dies bringt viele gewollt lustige Szenen mit sich,
wenn sich die Beiden vor der hübschen Frau zum Affen machen und etwa alles
gleichzeitig sagen oder sich beim hinausgehen aus der Tür gegenseitig den
Weg versperren. Dieser Subplot wurde meines Empfindens nach zu sehr
ausgebaut, ebenso wie das Opern-Element.
Mir ist schon bewusst, dass ein Film über das Phantom der Oper nicht ganz
ohne Musik auskommt, doch hier ist es leider etwas zu viel des Guten. Die
Gesangs- und Tanzeinlagen sind prachtvoll in Szene gesetzt und super
choreographiert, keine Frage, dennoch sind sie für Zuschauer, die nicht
viel mit Oper anfangen können, zu lang ausgefallen. Das nimmt dem Film
teilweise die zuvor aufgebaute Spannung, doch auch hier muss ich leider
wieder anfügen, dass dies von Universal wohl so gedacht war. Ginge es nach
einigen Studiobossen sollte der Streifen wohl gänzlich als Musical
erscheinen, doch glücklicherweise hat Regisseur Arthur Lubin auch noch
seinen Willen durchgesetzt und wenigstens einige spannende und gruselige
Momente eingefügt.
An den Schauspielern gibt es nichts auszusetzen. Alleine schon Claude Rains,
der durch die Darstellung des Unsichtbaren bekannt wurde, ist wieder mal ein
Highlight, auch wenn er hier, genau wie bei eben genanntem Film, meist
maskiert zu sehen ist. Rains spielt den Charakter des alternden Claudin so,
dass man durchaus Sympathien für ihn entwickelt und er somit auch keine
durchweg böse, sondern eine mehr tragische Figur darstellt.
Susanna Foster war bei den Dreharbeiten gerade 18 Jahre alt und kann nicht
nur durch gutes Aussehen, sondern auch ein tolles Gesangstalent überzeugen.
Auch die Nebendarsteller sind durchweg gut gewählt, auch wenn sich der Film
meist auf seine Hauptakteure konzentriert.
An und für sich ist "Phantom der Oper" sicherlich kein schlechter
Film. Allerdings, und hier haben wir das große Kontra, dürften sich
Horrorfilmfreunde angesichts der eher langatmigen und dialoglastigen
Inszenierung nicht angesprochen fühlen, auch wenn der Streifen mit einigen
spannenden und düsteren Momenten aufwarten kann. Im Großen und Ganzen
haben wir hier mehr einen dramatischen Opernfilm. Wer sich dessen bewusst
ist, der wird mit dieser Verfilmung des Phantoms der Oper sicherlich seine
Freude haben. |