|
Nachdem ihr Haus komplett von einem bösen
Poltergeist zerstört wurde, zieht die Familie Freeling, bestehend aus Vater
Steve (Craig T. Nelson), Mutter Diane (JoBeth Williams) und den Kindern,
Sohnemann Robbie (Oliver Robins) und Töchterchen Carol Anne (Heather
O'Rourke) zu Diane's Mutter, um das Geschehene möglichst weit hinter sich
zu lassen. Zuerst scheint es, als wäre der Spuk vorbei, doch mit dem
Auftauchen von Reverend Kane (Julian Beck), einem Wanderpriester, dem Carol
Anne in einem Kaufhaus begegnet, und der die Fähigkeit zu haben scheint,
durch Menschen hindurchzugehen, beginnt das Grauen von Neuem. Das Medium
Tangina Barrons (Zelda Rubinstein) ahnt, dass etwas Furchtbares im Begriff
ist, über die Familie hereinzubrechen und schickt ihnen zur Unterstützung
den weisen Indianer Taylor (Will Sampson). Als Diane's Mutter stirbt und
Steve immer mehr von den bösen Mächten in Besitz genommen wird, gerät die
kleine Carol Anne in höchste Gefahr, denn auf sie hat es der Poltergeist
abgesehen... |
|
Als der von Tobe Hooper inszenierte und von
keinem geringeren als Steven Spielberg produzierte Horrorfilm
"Poltergeist" 1982 erschien und das Publikum weltweit durch
fantastische Effekte und wohldosierten Schauer scharenweise in die Kinos
strömen ließ, war schnell klar, dass eine Fortsetzung nicht auszuschlagen
war. Ob es am überraschenden Tod einer der Hauptdarstellerinnen, Dominique
Dunne, lag, die im ersten Teil die jugendliche Tochter der Familie Freeling
spielte, oder ob es andere Gründe hatte, es sollte noch einmal 4 Jahre
dauern, bis "Poltergeist 2" das Licht der Welt erblickte. Das Team
blieb in wesentlichen Teilen das selbe, das Drehbuch wurde wieder von Mark
Victor und Michael Grais geschrieben und erneut fanden sich die altbekannten
Gesichter ein, die die Hauptfiguren bereits im ersten Teil verkörperten.
Als Regisseur wurde allerdings nicht mehr Hooper, sondern Brian Gibson
verpflichtet, der seine Sache souverän erledigte, dem der große Durchbruch
bis heute aber verwehrt blieb.
"Poltergeist" funktionierte damals so gut, weil er nicht auf
blutigen Horror setzte, den das Publikum aus den 70ern und 80ern irgendwann
schon bis zur Übersättigung gesehen hatte, sondern weil er den Spuk meist
sehr subtil entstehen ließ. Genau da schließt auch "Poltergeist
2" an, in dem die gesamte Spielzeit über niemand getötet wird, der
aber wesentlich mehr Spannung als so manch anderer Horrorfilm bietet. Die
Grundidee ist dabei die selbe wie gehabt und außerdem hatten die Macher
dieses Mal den Vorteil, dass die Zuschauer die Charaktere schon kannten und
diese nicht mehr eingeführt werden mussten. Das Verschwinden von Tochter
Dana wird nicht erklärt, was aber zu verkraften ist. Vermutlich wollte man
den tragischen Tod von Dominique Dunne respektieren und ihn nicht durch
peinliche Erklärungsversuche in die Handlung einbauen. Ansonsten sind es
aber die selben Personen, die widerwillig in einen ähnlichen Albtraum
befördert werden, wie sie ihn schon einmal erleben mussten.
"Poltergeist 2" kopiert das Original erfreulicherweise nicht
einfach, sondern setzt neue Aspekte und bringt auch frische Ideen ein. War
der Poltergeist einst noch ein unerklärliches, fremdartiges Etwas, wird er
hier durch einen unheimlichen alten Priester verkörpert, bei dessen Anblick
einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Die Geschichte lebt
insbesondere davon, das man als Zuschauer erfährt, wie es zu den
Geschehnissen im Original kam und weshalb gerade die Familie Freeling zum
Opfer gespenstischer Ereignisse wurden. Es wird in einer Rückblende eine
kleine Vorgeschichte präsentiert, die sich sehen lassen kann und die
längst nicht so aufgesetzt wirkt, wie es bei anderen Horrorfilmen der Fall
ist. So erfahren wir, dass Reverend Kane zu Lebzeiten ein wahnsinniger
Sektenführer war, der seine Anhängerschaft in einer dunklen Felshöhle
gefangen hielt, um dort das Ende der Welt zu überdauern. Als dies aber
nicht kam und die Welt nicht unterging, wollte Kane seine Anhänger trotzdem
nicht gehen lassen und ließ sie alle einen jämmerlichen Tod sterben. Wie
es der Zufall so will, geschah dies alles genau an der Stelle, an der
später einmal das Haus der Freeling's stehen sollte.
Kane kehrt nun in menschlicher Gestalt zurück, um die kleine Carol Anne
erneut in sein Reich zu holen. Dabei fährt "Poltergeist 2" auf
der Seite der Effekte ähnliche Geschütze auf wie im ersten Teil, auch wenn
sich das Grauen hier nicht nur durch unerklärliche Geschehnisse im Haus
äußert. Vielmehr werden die Familiemitglieder dieses Mal gegeneinander
ausgespielt und den Geistern so zum offenen Ziel gemacht. Die Effekte, die
sogar für einen Oscar nominiert wurden, erinnern zum Teil an die
weltbekannte "Nightmare" Reihe und sind sehr einfallsreich. In
einer beeindruckenden Sequenz wird etwa die Zahnspange des kleinen Robbie
lebendig und wickelt diesen von Kopf bis Fuß mit Draht ein. Ebenso
sehenswert ist es, wenn Steve versehentlich einen kleinen Wurm verschluckt
und später ein großes Monster erbricht. "Poltergeist 2" bietet
genau die richtige Mischung aus subtilen Methoden, die Urängste des
Menschen anzusprechen, wie auch aus effektlastigen Schockszenen.
Für viele kann "Poltergeist 2" nicht mehr mit dem Original
mithalten, doch mich persönlich hat die Story und deren tolle Umsetzung
noch immer angesprochen. Im Horrorgenre ist es üblich, dass erfolgreichen
Erstlingen oftmals billige Direct-to-Video Sequels folgen, doch dies war im
Fall von "Poltergeist" nicht so. Das Sequel ist sogar noch etwas
unterhaltsamer als das Original, da es sich nicht derart auf mystische
Tiefsinnigkeit und lange Dialoge festfährt. Hier passiert nonstop etwas,
das einen bei Laune hält und dank frischer Ideen nicht langweilt.
Natürlich ist "Poltergeist 2" kein Meisterwerk geworden, doch das
war schon das Original nicht. Mich persönlich konnte der Streifen und der
Kampf der Familie und des sympathischen Indianers Taylor gegen den
bösartigen Reverend Kane noch immer überzeugen, da hier auf der
inszenatorischen Seite alles richtig gemacht wurde.
Die schauspielerischen Leistungen sind immer noch überragend. Craig T.
Nelson als Familienvater Steve hat eine Präsenz wie eh und je und JoBeth
Williams hat es immer noch nicht verlernt, die aufopferungsvolle Mutter
glaubhaft zu spielen. Die Kinderdarsteller Heather O'Rourke und Oliver
Robins agieren genau so sympathisch wie im Erstling.
Mit Will Sampson als Indianer und Julian Beck als diabolischer Reverend sind
zudem zwei Neuzugänge zu verzeichnen, die dem Streifen eine neuartige Note
verleihen. Beide machen ihre Sache auf ihre Art einmalig. Erwähnenswert ist
hierbei noch, dass Julian Beck kurz nach Beendung der Dreharbeiten starb und
somit schon der zweite Schauspieler war, der kurz nach Erscheinen eines
"Poltergeist" Films das Zeitliche segnete. Dies geschah auch bei
Dominique Dunne, Will Sampson und der kleinen Heather O'Rourke, so dass
irgendwann das Gerücht aufkam, dass ein Fluch auf der Reihe lastet.
Brian Gibson ist es gelungen, das Werk von Hooper und Spielberg gekonnt
fortzusetzen und auf dem selben Niveau zu halten. "Poltergeist 2"
unterhält immer noch sehr und wartet zudem mit einigen neuen Ideen, wie
auch mit überragenden Effekten auf, die für einen Oscar nominiert wurden.
Auch, wenn viele Kritiker in "Poltergeist 2" eine enttäuschende
Fortsetzung sehen, muss ich sagen, dass mir der Streifen überraschend
gefallen hat. |