|
"Poltergeist 3" wurde nur ein Jahr
nach dem immer noch recht erfolgreichen zweiten Teil gedreht, vermutlich
weil die Produzenten bemerkt hatten, dass mit dem Franchise noch immer etwas
Geld zu machen ist. Wahrscheinlich um den Verlust bei einem eventuellen Flop
gering zu halten, entschlossen sich die Macher dazu, den Streifen mit einem
niedrigeren Budget als die Vorgänger auszustatten, auch waren nur noch
wenige Verantwortliche der ersten beiden Teile mit an Bord. Jerry Goldsmith
und Steven Spielberg hatten längst das Weite gesucht, von der ehemaligen
Besetzung sind nur noch die kleine Heather O'Rourke und Zelda Rubinstein
übrig. Obwohl das noch lange nicht für einen schlechten Film sprechen
muss, ist es hier leider ganz und gar nicht gelungen, das Niveau von
"Poltergeist" 1 & 2 zu halten. Auch ist es interessant, dass
es bei den Dreharbeiten zu einigen Problemen kann. Zum Einen starb Heather
O'Rourke vor Fertigstellung des Films auf tragische Weise und des Weiteren
musste der weitgehend harmlose Film nachträglich noch einmal überarbeitet
und um einige Szenen verlängert werden, um das anvisierte PG-13 Rating zu
erreichen.
Geht man objektiv und ohne einen Vergleich mit den beiden Vorgängern an den
"Poltergeist 3" heran, hat man es mit einem recht unterhaltsamen
Horrorfilmchen zu tun, doch gerade der Vergleich mit dem fünf Jahre
älteren Erstling und der ein Jahr älteren, ersten Fortsetzung schaden dem
Gesamtbild von "Poltergeist 3" enorm. Es ist kaum noch etwas von
dem Charme vergangener Tage übrig, vielmehr vermittelt der Streifen das
Feeling einer typisch austauschbaren Gruselproduktion, was nicht zuletzt
auch an einigen Änderungen liegt. Die Wesentliche, das veränderte Setting,
hat mir sogar noch sehr zugesagt. Dass man die Handlung von einem typischen
Familienhaus in das bekannte John Hancock Center in Chicago verlegte, sorgt
für etwas Abwechslung, zumal die Atmosphäre in dem Wolkenkratzer teilweise
durchaus stimmt. Die Erklärung dieser Handlungsverlegung ist dagegen kaum
glaubwürdig, es erscheint wenig nachvollziehbar, wieso Carol Anne nun genau
zu ihrer Tante und ihrem Onkel geschickt wurde, mir persönlich wollte es
zumindest nicht einleuchten.
Wo der Streifen bei dem Handlungsort und den Charakteren für frischen Wind
sorgt, enttäuscht er auf der anderen Seite mit optisch überzeugenden,
inhaltlich aber öden Tricks, die man so mittlerweile schon ein paar Mal
gesehen hat und die einfach nicht mehr schocken wollen. Das Böse in Form
von Reverend Kane schleicht sich langsam an, immer wieder aus Spiegeln
blickend, kann aber keinerlei Spannung aufbauen. Immer wieder hat Carol Anne
böse Vorahnungen, doch richtige Horrorstimmung darf man vergebens suchen,
die Handlung reißt mittlerweile einfach keinen mehr zu
Begeisterungsstürmen hin. Wo die beiden Vorgänger noch durch geschickt
platzierte Schockeffekte und eine sich langsam steigernde Spannung
überzeugen konnten, wirken die Spannungselemente hier nur noch vorhersehbar
und ausgelutscht, kaum bedrohlich sondern nur des Effekts wegen eingebracht.
An der Umsetzung der Special Effects lässt sich nicht viel aussetzen, doch
zu einer Horrorstimmung tragen sie nur selten bei.
Ein weiterer Aspekt, der negativ aufstößt, ist der, dass die Handlung kaum
wirklich durchdacht scheint. Nicht nur, dass man mit den partyfeiernden
Teenagern nun die 08/15 Horrorschiene befährt, hinzu kommt noch, dass kaum
gute Ideen auszumachen sind. Gegenüber den Vorgängern kommt es hier ab und
an schon zu Toten, was dann immer sehr kreativ geschieht, aber ansonsten
haben wir hier einfallslose Gruselunterhaltung, wie sie typischer nicht sein
könnte. Die Charaktere, selbst die kleine Carol Anne, wirken nur noch wenig
sympathisch und agieren unglaubwürdig, Spannungselemente sind zu sparsam
und spärlich platziert und selbst Reverend Kane besitzt keinerlei Tiefe
mehr, sondern wirkt nur noch wie ein austauschbarer Boogeyman. Die gelungene
Kulisse des John Hancock Center wurde passabel genutzt, allerdings darf man
schnell zu der Erkenntnis gelangen, das sich in dem belebten Hochhaus kaum
bedrohliche Stimmung ausbreiten kann. Was man sich ebenfalls hätte sparen
können, ist, dass Carol Anne und zwei andere Personen hier schon wieder auf
"die andere Seite" entführt werden und sich im Nachfolgenden
beinahe alles genau so abspielt, wie man es schon gesehen hat. Ein bisschen
Hokuspokus von der mittlerweile sogar nervenden Tangina und alles löst sich
wieder in Wohlgefallen auf.
Den Schauspielern ist teilweise anzumerken, welches Talent in ihnen steckt,
allerdings lässt es das Drehbuch nur selten zu, die Akteure ihre Stärken
ausspielen zu lassen. Carol Anne alias Heather O'Rourke erkennt man kaum
noch wieder, und ihre neue Familie wirkt bis auf Tom Skerritt als Bruce nur
durch und durch unsympathisch. Die Nebenfiguren scheinen nur noch Mittel zum
Zweck für ein paar Effektszenen zu sein und agieren in den meisten Fällen
nicht einmal besonders überzeugend. Nathan Davis ist leider keinerlei
Ersatz für den ein Jahr zuvor verstorbenen Julian Beck und bringt in den
Charakter des Kane kaum Leben hinein.
Wer bereits die beiden Vorgänger gesehen hat, darf diese unnötige
Fortsetzung ruhigen Gewissens meiden, da der Thematik hier keinerlei neue
Aspekte hinzugefügt werden, sondern weitgehend auf altbekanntes gesetzt,
und das nicht einmal sonderlich spannend inszeniert wurde. Bis auf wenige
Momente kommt nur selten Stimmung oder gar Spannung auf, Horror sucht man
ebenso vergebens. Die Effekte sind gewohnt überzeugend, reißen aber im
Gesamtkontext nichts mehr heraus. Alles in allem entsteht der Eindruck, dass
der Film noch schnell abgedreht wurde, um aus der bekannten Serie noch etwas
Profit zu schlagen, doch ein sehenswertes Ergebnis hat Gary Sherman damit
nur bedingt abgeliefert. |