|
Zwei reiche, alte Schwestern laden zu ihrem
Geburtstag wie jedes Jahr ihre gesamte Verwandtschaft zu sich auf ihr
großes Anwesen ein. Für die Beiden gibt es nichts schöneres, als ihre
Verwandtschaft um sich versammelt zu haben. Die Gäste jedoch haben ganz
anderes im Sinn und sind in keiner Weise in Feierlaune. Die komplette
Sippschaft ist durch und durch missraten und hofft ausnahmslos auf den
baldigen Tod der netten, alten Damen, um so Anspruch auf ein mögliches Erbe
zu erhalten. Am Tag des großen Festes treffen sie nach und nach allesamt
ein - Der Waffenverkäufer mit der M16 im Kofferraum, die Lesbe, die ihren
neuesten One Night Stand gleich mitgebracht hat, das fette Großmaul und
viele weitere kuriose Gestalten mehr.
Als man gemeinsam am großen Tisch sitzt und sich das Abendmahl
reinschaufelt, klingelt es plötzlich am großen Eisentor und ein Paket
eines verhassten Cousins der Tanten wird dort abgelegt vorgefunden. Dieser
Cousin hat sich einst der schwarzen Magie verschrieben und so ist es nicht
verwunderlich, dass die Schwestern ihn nicht auf ihrer Feier haben wollten.
Dennoch freuen sie sich sehr über das Geschenk und öffnen es noch bei
Tisch. Das hätten sie besser unterlassen sollen, denn in dem Paket befindet
sich ein Gas, das plötzlich ausströmt und die alten Damen in zwei
blutrünstige Dämonen verwandelt. Eine unbarmherzige Hetzjagd durch das
große Anwesen beginnt... |
|
Wenn man eine
Aufzählung der besten Funsplatterstreifen vornehmen möchte, kann man es
drehen und wenden wie man will, auf Platz 1 wird definitiv
"Braindead" stehen. Ich, der ich mit diesem Film meinen Einstieg
in das Genre gefunden habe, wollte schnell mehr in dieser Richtung sehen und
bin dann nach einigem recherchieren auf den belgischen Low-Budget Streifen
"Rabid Grannies" gestoßen. Regie führte hierbei ein Kerl namens
Emmanuel Kervyn, der eine überaus seltsame Karriere hingelegt hat.
"Rabid Grannies" war seine einzige Regiearbeit, und ansonsten
konnte er dem Filmbusiness auch nicht mehr viel abgewinnen, von einer
kleinen Nebenrolle in "Kickboxer 2" mal abgesehen. Das jedoch muss
ja noch lange nicht heißen, dass der Gute mit seinem einzigen Streifen eine
schlechte Arbeit abgeliefert hat, denn bei näherer Betrachtung erweist sich
"Rabid Grannies" schnell als wunderbar hirn- und anspruchsloser
Partysplatterfilm, der gar nicht mehr will, als die primitivsten Wünsche
des Gorefreaks zu befriedigen.
Das Erfreuliche daran ist, dass die Crew scheinbar ziemlich spendierfreudige
Investoren zur Hand hatten, denn mit Werken eines jungen Ittenbachs zum
Beispiel, kann der Streifen nicht verglichen werden. Die Optik befindet sich
auf guter Direct-to-Video Qualität und es scheint so, dass auch der
Kameramann sehr gut wusste, was er da tat. Kein billiger selfmade
Amateuersplatter also, sondern ein handwerklich solides Produkt aus einem
Land, dass ja nun nicht gerade eine unerschöpfliche Quelle an guten
Horrorfilmen darstellt.
Was einem in den ersten 20-30 Minuten präsentiert wird, dürfte allerdings
bei vielen Käufern die berechtigte Frage aufwerfen, ob sie sich zufällig
im Film geirrt haben. Was man nämlich als Einstieg zu sehen bekommt, hat
nichts mit Splatter und Horror, sondern eher mit einer seichten Komödie
gemeinsam und genau das ist es dann letztendlich auch. Emmanuel Kervyn
lässt sich viel Zeit, zuerst die beiden alten Damen, und anschließend die
verkorkste Verwandtschaft vorzustellen und zeigt sehr unterhaltsam ihre
unterschiedlichen Macken. Ein jeder hier hat irgend einen an der Klatsche
und ist letzten Endes nur hinter dem Geld der alten Schwestern her. Die doch
verhältnismäßig lange Ruhepause am Anfang hat somit den unermesslichen
Vorteil, dass man später auch weiß, wer jetzt denn da gerade zerfleischt
wird und in den Charakteren nicht nur 08/15 Standardklischees sieht.
Sympathie für die einzelnen Rollen kommt zwar nicht auf, doch dies war vom
Regisseur auch nie beabsichtigt.
Während sich das Geschehen am Anfang für viele sicherlich zu lang
hinziehen dürfte, geht es dann ab einem gewissen Zeitpunkt um so abrupter
und blutrünstiger zur Sache. Sobald die Ladys das Paket öffnen, fährt
"Rabid Grannies" plötzlich ein ganz anderes Kaliber auf und wird
vom fröhlichen Familienfest zur blutigen Schlachtpalette. Die Omis mutieren
sekundenschnell, krallen sich sofort das erste Opfer und eröffnen eine
groß angelegte Hetzjagd durch die langen, verwinkelten Flure ihres Hauses
und die weiten Felder ihres Grundstücks. "Rabid Grannies" ist
kein Non-Stop Splatterfilm, sondern legt auch Wert auf Atmosphäre, wenn die
potenziellen Opfer durch dunkle Kellergewölbe schleichen und sich vor den
Dämonen zu verstecken versuchen. Dabei kommt nicht selten eine gehörige
Portion Spannung auf, die man dem Streifen so nicht zugetraut hätte.
Kommen wir nun aber zum Wesentlichen. Emmanuel Kervyn lässt es ordentlich
krachen und eimerweise Kunstblut verspritzen, wobei ich allerdings sagen
muss, dass die Effekte nicht immer als durchweg gutaussehend durchgehen.
Dies ist jedoch keineswegs schlimm, dafür wird man nämlich quantitativ
entschädigt. Mindestens alle 5 bis 10 Minuten werden Gliedmaße ausgerissen
oder Pobacken angefressen, fröhlich gehackt und verstümmelt. Die einst so
netten Damen gehen dabei überaus grausam und sadistisch vor, quälen ihre
Opfer meist zuerst noch, bevor sie sie dann zerlegen. Den vor Angst
zitternden Priester treiben die Beiden mit ihren fiesen Sprüchen sogar zum
Selbstmord, und auch vor kleinen Kindern wird nicht halt gemacht. Einem
kleinen Mädchen werden die Beine ausgerissen und anschließend der
entsetzten Mutter vor die Füße geschmissen.
Eine positive Überraschung sind auch die Schauspieler. Klar, einen großen
Namen findet man im Cast nicht, doch dafür durchweg zufriedenstellende
Leistungen. Beinahe ein jeder hat hier die Aufgabe, einen etwas
durchgeknallten Typen zu mimen, was auch allen gelingt. Die Deutsche Synchro
sorgt letztendlich dafür, dass dem Ganzen eine überaus trashige Note
verliehen wird, auch wenn hier und da einige bekannte Synchronsprecher am
Werk waren, wie etwa Peer Augustinski.
"Rabid Grannies" ist eine kleine, feine Low-Budget Produktion aus
Belgien, an der alle Beteiligten sichtlich Spaß hatten, was sich auch
positiv auf das Endergebnis auswirkt. Der Film macht Spaß, ist leicht
verdaulich aufbereitet und dürfte jeden Horrorfilmabend zu einer
vergnüglichen Party werden lassen. Der Splatter und der Humoranteil halten
sich in etwa die Waage, so dass sowohl Gorehounds, wie auch Trashfreaks auf
ihre Kosten kommen. Optisch ist der Streifen ebenfalls annehmbar und alles
in allem durchaus professionell inszeniert. |