|
Der indische Subkontinent: Völlig erschöpft
erreicht Steve das rettende Flussufer. Nach monatelanger Suche in der
Wildnis, die letztendlich auch noch seinem Vater das Leben kostete, ist er
zurück in der Zivilisation angelangt, einen großen Beutel wertvoller
Diamanten im Gepäck. Doch seine Freude über den neugewonnenen Reichtum
währt nur kurz. Nach einer Zechtour wird er in einen Hinterhalt gelockt,
niedergeschlagen und seiner Diamanten beraubt. Von seinem zwielichtigen
Vermieter bekommt er einen Tipp, wo er nach den Dieben seines Schatzes zu
suchen hat. Er erwirbt eine Schürflizenz in einer Diamantenmine, die unter
Kontrolle des unbarmherzigen Aufsehers Alfredo steht, und in der
gefangenenlagerartige Zustände herrschen. Offensichtlich hat Alfredo etwas
mit dem Raubüberfall zu tun. Doch zunächst heißt es für Steve erstmal,
den unmenschlichen Quälereien des Lagers zu entkommen... |
|
Jerry Cotton im Bambuscamp des gequälten
Gordon Mitchells...
Ja... wer kennt (und liebt) sie nicht, die guten alten Abenteuerfilme, in
denen die Charaktere schnell als gut oder böse erkennbar sind, Affen von
Bäumen gepflückt werden können und Männer ihr Leben nicht eher
aushauchen, bevor sie nicht noch im Sterben ein letztes Mal an der Zigarette
ziehen dürfen... Kurzum: Filme, in denen die Welt noch in Ordnung ist, und
der Filmheld die paar Scharmützel, die es zu überstehen gilt, locker
flockig meistert.
George Nader ist in RADHAPURA eben dieser Held. Der als Krimifigur „Jerry
Cotton“ allseits bekannt, beliebt und unvergessene Recke, wird direkt zu
Beginn des Films völlig erschöpft an ein Flussufer angeschwemmt. Sofort
eilen zwei bildhübsche Inderinnen mit „Hawaii-Begrüßungs-Blumenkranz“
zu dem Neuankömmling und kredenzen ihm exotische Früchte!!! Derart
liebevoll verwöhnt und aufgepeppelt, kann sich George mit schmuckem roten
Halstuch nun aufmachen, Diamantenräuber aufzuspüren, Diamanten aus und
Frauen an zu graben, den Strapazen und Qualen des Lagerlebens zu trotzen und
sich mit sadistischen Aufsehern auseinander zu setzen. Das ganze allerdings
stets mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Eine Paraderolle für George
Nader, die er auch wie immer sehr solide ausfüllt.
Eigentlicher Star des Films ist allerdings Gordon Mitchell, der mit seinem
markanten Gesicht und drahtiger Figur den Inbegriff des Schurken
verkörpert. Der Held zahlreicher Sandalen-Filme brilliert als
durchtriebener Lageraufseher, dem für das Erreichen seiner Ziele keine
Intrige zu plump ist, und schien bei den Dreharbeiten in der Rolle des
Fieslings wirklich unheimlich Spaß gehabt zu haben, so intensiv, wie er
sich seinen Peitschenstock in die eigene Hand schlägt... Die rauchig-rauhe
deutsche Synchronstimme, sowie einige Großaufnahmen seiner fast schon
blau-kristallen blitzenden Augen während er seine Befehle herausschreit,
runden den tollen Gesamteindruck der Schauspielerischen Glanzleistung
Mitchells ab: SO (und nur SO!!!) hat ein perfekter fies-sadistischer Wärter
im Film auszusehen und zu agieren!!! Kein Wunder, dass Mitchell später
immer wieder in Filmen unterschiedlichster Genres die Rolle des
Filmbösewichts übernehmen musste (sehr zu seinem Vergnügen, wie er selbst
betonte).
Der ganze Film ist nach dem Rezept gekocht, wie es sich für gutes
Unterhaltungskino im Abenteuergenre seiner Zeit gehört. Man nehme: Einfach
gezeichnete „Gut und Böse“- Charaktere, wodurch die Sympathien sehr
schnell vergeben sind. Eine simple Handlung, ohne Haken und Ösen,
Schnörkel oder Finten. Flotte Sprüche (die für damalige Verhältnisse
wahrscheinlich cool waren, heutzutage aufgrund ihrer Plattheit zwar uncool
sind, dafür aber gerade dadurch schon wieder einen gewissen Charme
besitzen, der den Zuschauer zum Schmunzeln bringt. (Beispiel: „Was macht
so ein grässliches Geschöpf wie Sie in einer so attraktiven Gegend? Oder
war es andersherum..“ (der besoffene Nader zu einer aufreizenden
Brünetten). Und nicht zuletzt (schließlich handelt es sich ja um einen
Abenteuerfilm vor exotischer Kulisse) wird dem Zuschauer natürlich auch die
schöne Landschaft, Tierwelt und Sitten und Gebräuche, Tänze und Musik des
exotischen Landes präsentiert. Fertig ist die perfekte 60er Jahre
Abenteuer-Hausmannskost!! Dass ein derartig einfach strukturierter Film dann
sicherlich beim jüngeren „Matrix“ oder „TripleXXX“ – Publikum
keine Begeisterungsstürme entfacht, dürfte klar sein. Fans solider,
klassischer Kino-Unterhaltung, besonders Nostalgiker werden garantiert voll
auf ihre Kosten kommen!!!
Der Soundtrack fügt sich sehr gut in die gesamte Stimmung des Films ein.
Munterer 60er Jahre Sound, wie man ihn eben z.B. aus Nader’s Jerry Cotton
– Filmen kennt, wechselt sich ab mit indischer Folklore.
RADHAPURA kann als eine Art Vorläufer für die später in Scharen auf den
Videomarkt geworfenen (Frauen-) Lagerfilme bezeichnet werden. Im Gegensatz
zu diesen qualitativ mal mehr, meist aber weniger guten, dafür aber
teilweise umso sadistischeren bzw. brutaleren Epigonen, hält sich RADHAPURA
bei der Darstellung von Gewalt und Sadismus jedoch dezent zurück.
Quälereien oder Morde werden nur angedeutet oder auf so harmlos naive Art
dargestellt, dass sich nun wirklich niemand Angst um sein Seelenheil machen
bräuchte. Unverständlich daher auch die FSK-Freigabe erst ab 18 Jahren.
Ebenso, wie beispielsweise im Kriegsgefangenen-Epos „Gesprengte Ketten“,
der thematisch vom Ausbruch aus einem Kriegsgefangenenlager der Nazis
handelt, beschäftigt sich Radhapura zwar auch mit einem ernsten Thema (in
diesem Fall sklavereiartige Ausbeutung von Arbeitskräften), will aber auch
in erster Linie unterhalten. Fragen über Sinn und Unsinn mancher Aktionen
einiger Charaktere stellen sich somit auch nicht. Da werden vom
Lagerkommandeur mal eben Befehle erteilt und noch im selben Moment von ihm
selber wieder über den Haufen geworfen.
Angesichts des Herstellungsjahrs kann dem Film auch die teilweise etwas
rassistische Darstellung einiger „Eingeborener“ nicht wirklich als
vorsätzlich angekreidet werden, sondern ist wohl eher auf die relativ naive
Weltanschauung jener Zeit zurückzuführen (gleiches ist ja z.B. auch bei
älteren „Tarzan“-Filmen der Fall).
Den Filmcredits nach zu urteilen zeichnete sich „Heimatfilm-Ikone“ Hans
Albin für die Regie verantwortlich. Einer Aussage von Gordon Mitchell als
beteiligtem Darsteller zufolge wurde allerdings wohl ein Großteil des Films
unter der Leitung des italienischen Regisseurs Paolo Bianchini
heruntergekurbelt. Eine Arbeitsteilung, die durchaus nachvollziehbar ist,
schließlich hatte Bianchini mit Werken wie „Django – Ich will ihn tot“
(1968) oder „Bleigericht“ (1967) gegenüber Albin schon Erfahrung im
westernverwandten Action- und Abenteuergenre.
RADHAPURA ist ein kurzweiliger Abenteuerspaß, der, neben seinem
nostalgischem Charme vor allem von der hervorragenden schauspielerischen
Leistung seiner Hauptdarsteller lebt. Ein wegweisender, leider (noch) eher
unbekannter Klassiker für Freunde des Genres!!! Zeitlos schön... |