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Die im Jahr 1886 erschienene Geschichte
"Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von Robert Louis
Stevenson gehört zu den unbestrittenen Klassikern der Weltliteratur und
wurde bisher schon zahlreiche Male verfilmt. Von ernsthaft bemühten
Umsetzungen (beispielsweise "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von Rouben
Mamoulian aus dem Jahr 1931), über starbesetzte Vehikel (wie etwa
"Mary Reilly"), bis hin zu trashigen 70er Jahre
Softerotik-Verunstaltungen ("The Adult Version of Jekyll &
Hide") hat die Welt dabei schon allerlei unterschiedliche Versuche
einer Umsetzung des Stoffes gesehen. Und obwohl die Liste an "Jekyll
& Hyde" Verfilmungen mittlerweile lang genug ist, kam letztes Jahr
der noch unbekannte Regisseur Nick Stillwell auf die Idee, das Ganze in
einen blutigen, auf die heutige Zeit zugeschnittenen Horrorthriller
einzubauen. Im Original erhielt das Werk dabei den einfallslosen Titel
"Jekyll + Hyde", im deutschen Sprachraum hat man den Film zwecks
mehr Wiederkennungswert den Titel "Reborn - The new Jekyll &
Hyde" verpasst.
Betrachtet man die Geschichte aber genau, ist der Jekyll & Hyde Part nur
ein Aufhänger, um mit einem bekannten Schlagwort werben zu können, der
Film selbst geht in seiner Interpretation der Geschichte äußerst frei zu
Werke. So handelt er von einigen angehenden Medizinstudenten, die den lieben
langen Tag nichts anderes zu tun haben, als Alkohol zu konsumieren, auf dem
Obduktionstisch Sex zu haben oder die erlernten Fähigkeiten anzuwenden, um
daraus lustige Drogen zu mixen. Was sich nach einem handelsüblichen
Teeniefilmchen anhört, erhebt an sich selbst den unerreichbaren Anspruch,
ein intelligenter und harter Thriller sein zu wollen und scheitert dabei
vollkommen. Der Film wird von Nick Stillwell nicht wie üblich von Anfang
bis Ende erzählt, sondern nimmt das Ende sehr schnell vorweg und wird im
weiteren Filmverlauf durch Rückblenden vermittelt. Hier hätten wir schon
ein großes, vernichtendes Problem des Films: Die Präsentation der wirr
zusammengeschusterten Story ist weder plausibel, noch nachvollziehbar. Es
gibt so manche Filme, denen eine kreuz und quer durcheinander erzählte
Handlung gut steht, allerdings muss man dabei als Regisseur auch ein
gewisses Talent mitbringen.
"Reborn - The new Jekyll & Hyde" wechselt ständig zwischen
Gegenwart, Vergangenheit und Jay's Videotagebuch hin und her. Nun gilt es
aber zu differenzieren, ob eine derartige Erzählstruktur einem Film einen
anspruchsvollen Anstrich verleiht oder ob er ihn einfach unnötig schwer
verständlich macht. Und, man ahnt es schon, bei Nick Stillwell's Regiedebut
ist leider letzteres der Fall. Durch die nicht klar lineare Handlung fällt
es einem zuerst schwer, sich in der Handlung zurechtzufinden. Sobald einem
dies gelungen ist, tut sich "Reborn - The new Jekyll & Hyde"
äußerst schwer, eine Spannung oder Dramaturgie zu erschaffen. Das
Geschehen ist weder fesselnd, noch gefährlich langweilig, wodurch es die
meiste Zeit eigentlich nur so vor sich herdümpelt. Man nimmt das Gesehene
zwar zur Kenntnis, entwickelt aber keine Emotionen während des Films und
ist so auch beinahe froh, wenn der Streifen vorbei ist.
Dass einige vorhandene Chancen durchaus verpasst worden sind, macht der Film
leider sehr oft deutlich. Obwohl dem Ganzen sicherlich kein
überwältigendes Budget zu Grunde lag, sieht "Reborn - The new Jekyll
& Hyde" optisch durchaus ansprechend und auf annehmbaren Niveau
gefilmt aus. Kein nervtötendes Handkamera-Gewackel und keine billigen
Effekte stören das Filmgeschehen, so dass der Eindruck entsteht, dass Nick
Stillwell durchaus Ahnung von der Inszenierung eines Films hat. Leider kann
er sein eventuell vorhandenes Talent kaum einsetzen, da es an der öden
Story scheitert. Einen weiteren Jekyll & Hyde Aufguss hätte es nun
wirklich nicht gebraucht. "Reborn" ist dabei sowohl Teenagerfilm,
wie auch ein seichter Thriller, doch von Horror bewegt sich das Ganze
meilenweit weg. Die Verwandlung des bebrillten, nicht unbedingt beliebten
Jay Jekyll in den angesehenen Hyde ist nicht wirklich als Verwandlung
anzusehen, sondern wird durch minimale, optische Veränderungen, etwa einer
anderen Frisur und dem Ablegen der Brille dargestellt. Sobald Jay dann von
seinem bösen Ich Hyde übernommen wird, darf er hin und wieder mal morden,
doch auch unter diesem Aspekt enttäuscht der Film.
Zum Einen sind die blutigen Szenen kaum der Rede wert, des weiteren hinken
sie quantitativ weit hinter dem zurück, was man anhand der FSK 18 und den
großen Tönen, die die Verleiher bei e-m-s spuckten, erwarten konnte. Eine
Szene, in der Hyde mit einem Opfer russisches Roulette spielt, sorgt zwar
durchaus für Stimmung, doch ansonsten kann das Gezeigte keinen Splatterfan
zufrieden stellen. Die harten Szenen sind immer recht kurz gehalten und
werden nie überaus blutig, weshalb die Freigabe ab 18 vielleicht doch eher
auf die Zurschaustellung von nackter Haut und Drogenkonsum zurückzuführen
ist. Anbei sei erwähnt, dass sich der Film selbst viel zu ernst nimmt und
niemals einen gewillt komischen Moment durchschimmern lässt. Das Einzige,
was bei dem Ganzen wirklich in Erinnerung bleibt, ist der fantastische
Soundtrack, der aus beinahe anmutigen, klassischen Stücken besteht. Ob eine
derartig schöne Musik etwas in einem derartigen Film verloren hat, ist
dabei unwichtig, da sie Stimmung des enttäuschten Zuschauers zumindest
etwas hebt.
Die Darsteller sind großteils schon in anderen B-Movies aktiv gewesen und
konnten so schon genug Erfahrung für ein anspruchsloses Filmchen wie
"Reborn" sammeln. So überrascht es auch nicht, dass die
Schauspielerleistungen passabel ausfallen, im Nachhinein aber nicht lang in
Erinnerung bleiben. Bryan Fisher spielt den bösartigen Hyde allerdings
leider nicht mit der nötigen Bedrohlichkeit, was eine Menge an Stimmung
kostet. Der restliche Cast besteht aus den üblichen Teenie-Akteuren, die
aber zumindest nicht ganz so sehr nerven, wie man es aus verwandten
Produktionen kennt.
"Reborn - The new Jekyll & Hyde" ist ein relativ bemühtes, im
Großen und Ganzen aber aufgrund seiner unschlüssigen Erzählstruktur
scheiterndes Low-Budget Movie. Bis man seinen Zugang zu dem Werk gefunden
hat ist schon einige Zeit vergangen und dann bemerkt man um so mehr, dass
der Streifen kaum etwas zu bieten hat. Der Look des Films und der tolle
Soundtrack machen durchaus etwas her, dennoch ändert das nichts daran, dass
hier eine Menge Möglichkeiten verschenkt wurden. "Reborn - The new
Jekyll & Hyde" kann weder Horror - noch Thrillerfans zufrieden
stellen und darf daher ruhigen Gewissens in den Regalen der Videothek stehen
gelassen werden. |