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Rotkäppchen mal anders: Die zwölfjährige
Jenny ist eigentlich Amerikanerin, lebt aber in Rom. Ihr Vater, ein
ehrenwerter Politiker, wurde ermordet und ihre Mutter zieht es vor, lieber
mit ihrem jungen Liebhaber zusammenzuleben, als mit ihrer Tochter. Daher
lebt Jenny auch ganz alleine in einem riesigen Apartment. Für ein so junges
Mädchen ist Jenny überdurchschnittlich intelligent und bestimmend.
Aufgrund ihrer Vergangenheit, hat sich Jenny wohl vorgenommen den
moralischen Sittenverfall zu bekämpfen. Zusammen mit George, einem mit
einer Wolfsmaske vermummten Unbekannten, zieht sie des Nachts los, um
diejenigen zu bestrafen, die tagsüber ein Fehlverhalten gezeigt haben. Egal
ob sie Fahrerflucht begangen, geklaut haben oder ihr Eheversprechen brechen
- Alle müssen büßen.
Und zwar mit ihrem Leben. Jenny und George sind skrupellose Killer. Der
mörderische Feldzug für die Gerechtigkeit gerät aber in Gefahr, als
Jennys Großmutter zu Besuch kommt. Sie will sich nicht nur das schöne Rom
angucken, sondern das junge Mädchen mit nach Hause, in die USA, nehmen. Um
dies zu verhindern gibt es nur eine Möglichkeit: Oma muss gefoltert
werden... |
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Das dies hier kein Film für Großmütter ist,
das steht fest. Und ob es ein Streifen für Freunde des Märchenfilms ist,
darf zumindest bezweifelt werden. Denn "Red Riding Hood" ist schon
eine sehr eigenwillige Interpretation des 1812 erschienenen Märchens der
Gebrüder Grimm. Aber eines ist klar: "Red Riding Hood" ist ein
ausgesprochen guter Film, der ein wenig an die Giallo-Kunst von Argento
& Co. erinnert.
Und das freut natürlich die Fans des Italienischen Kinos. Hier und da gab
es in der Neuzeit ja immer mal wieder Einwürfe, doch an die glorreichen
alten Zeiten konnte man nie so richtig anknüpfen. Warum dann nicht einfach
mal probieren, ein wenig wie Großmeister Argento zu sein? Das dachte sich
vielleicht auch Regisseur Giacoma Cimini, der sich offensichtlich von
Argento beeinflusst wurde. Vielleicht sind die roten Handschuhe, die Jenny
überstreift wenn es Nacht wird, ein kleiner Verweis auf " Das
Geheimnis der schwarzen Handschuhe" von Argento?
Giacoma Cimini kupfert aber keinesfalls von irgendjemand ab, sein Film ist
schon ziemlich einzigartig. Die schräge Geschichte wird durch die kleine
Protagonistin noch schräger als sie ohnehin schon ist. Die Kleine liefert
sicherlich keine Schauspielerische Glanzleistung ab, verbreitet durch ihr
teilweise sehr fieses Auftreten eine bedrückte Stimmung, die sich manchmal
bis ins Verstörende ausdehnt. Nachhaltig beeindruckend ist das aber nicht,
sodass man nicht unbedingt die Lust auf eine frische Dusche nach dem
Betrachten hat. Dafür ist der Stoff viel zu weit weg von der Realität.
Entsprechend ist das Ganze auch aufgebaut. Die Maske des seltsamen,
unwirklichen Freundes der Jenny vermittelt das Gefühl, dass der
"Wolf" gerade von einer venezianischen Karnevalsfeier kommt und
hat nicht mal ansatzweise etwas Erschreckendes.
Erschreckend sind dann aber, zumindest für Zartbesaitete, die
Spezialeffekte, die ebenfalls an die gute, alte Zeit des Italo-Films
erinnern. "Red Riding Hood" muss sich vor keinem Fulci, Argento
oder Soavi verstecken. Hier gibt es mal die Hände abgehackt, da wird ein
Kopf mit einer Nagelpistole beschossen, ein großes Küchenmesser kommt
natürlich auch zum Einsatz und das alles wird in astreiner
Spezialeffekt-Qualität wiedergegeben.
Wie bereits angesprochen, sind die Parallelen zum Märchen eher weniger zu
erkennen. Jenny macht Teamwork mit dem Wolf und ist sogar in der komischen
Beziehung die Führerin. Zudem macht der Wolf keine Anzeichen, dass junge
Mädchen fressen zu wollen. Hier und da werden vom Regisseur kleine
Einspieler gezeigt, die zumindest auf eine Nähe zum Märchen schließen
lassen. Zum Beispiel Dokumentationen über Wölfe im Fernsehen oder auch bei
einer Flucht Jennys, bei der sich die Großstadt in einen Wald zu verwandeln
scheint.
Aber die fehlende Nähe schadet dem Film auf keinen Fall. "Red Riding
Hood" kommt sehr experimentierfreudig mit einer cleveren Geschichte
daher, die vom Anfang bis zum Ende spannend, schräg und abwechslungsreich
ist. Einige kleine Längen sind zwar vorhanden, mit denen man aber gut leben
kann. Es bleibt nur zu hoffen, dass ihn mehr Leute zu Gesicht bekommen, als
die „Szene-Gucker“ und Fans des alten Italo-Horrors, denn er verfügt
über viel filmisches Potential. |