|
Die Karawane zieht weiter, der Django hätt
Durscht...
SAHARA CROSS, das ist Wüste, Verfolgungsjagden, Explosionen, Abenteuer!!! -
Mit einem Wort: Action!!
Franco „the one and only Original-Django“ Nero gibt, hier mit
wunderschön kultiger Porno-Sonnenbrille, mal wieder den beinharten
Draufgänger und Macho, der sich u.a. in einem filmgeschichtlich wohl
einzigartigen, grandiosen Maschinenduell Bagger gegen Radlader austoben
darf, die weibliche Schurkengeisel um den Beischlaf prellt, Diskuswerfen mit
Panzerminen veranstaltet und den Zuschauer kettenrauchend mit einigen
munteren Kartentricks verblüfft. Dass die anderen Schauspieler dann auch
nicht wirklich darstellerisch aus dem Schatten unseres Helden herausragen,
versteht sich wohl schon selbst. Sie spielen ihren Part jedoch sehr solide,
nicht mehr und nicht weniger...
SAHARA CROSS bietet schnörkellose Action mit Explosionen und Schießereien.
Gewürzt wird das ganze mit markigen Sprüchen und schöner abenteuerlichen
Stimmung vor exotischer Wüstenkulisse. Natürlich dürfen auch ein paar
(unfreiwillig?) komische Einlagen nicht fehlen: Einfach zum Schießen die
Szene in der ein Mitarbeiter darüber philosophiert, dass man in der Wüste
leicht verrückt werden kann. Im Hintergrund ist währenddessen Franco Nero
gerade dabei, wie wild eine Fliege mit der Zeitung zu jagen ;-)
Fast könnte man meinen, der Film wäre als Werbespott für des Mannes
drittliebstes Hobby (neben Frauen und Fußball), namentlich BIER, gedacht,
scheinen doch die Gedanken unserer Helden, abgesehen von ihrem Sinn nach
Rache für den Tod ihres Freundes, hauptsächlich um eben dieses kühle Nass
zu kreisen. Da fliegt direkt zu Beginn des Films der Jeep der gerade mit
ihren Vermessungsarbeiten beschäftigten Freunde durch einen Sprengsatz in
die Luft. Während die Gruppe starr vor Schreck wie angewurzelt auf den
brennenden Wagen starren, rennt einer von ihnen unversehens freudestrahlend
zum Autowrack, frohlockend, dass „...noch ein paar Flaschen (genauer
gesagt: VIER) heile beblieben“ seien, und macht sich eifrig daran, sich
und seine Kumpels (ebenfalls also VIER Personen) mit leckerem Gerstensaft zu
versorgen. Glück muss der Mensch haben!! Vergessen ist die kaputte Karre!!
Und auch der aus dem kleinen „Zwischenfall“ resultierende 11
Meilen-Fußmarsch nach Hause bei brennender Hitze kann die Bierbrüder nicht
mürbe machen, schließlich wartet ja bei der Rückkehr schon (na was wohl?)
- ein kühles Klares auf die „Tuareg-Trinker“. Da wird der Wüsten-Treck
zum Party-Gag!!! ;-)
Der Film vermengt Stilmittel und Themen verschiedener Genre, in denen Franco
Nero sich heimisch fühlt: Vom Western über Polizeifilm bis hin zum
politischen Drama. Sehr überraschend für einen italienischen
Action-Beitrag dieser Zeit ist die ökologisch-politische Thematik, die der
Film durch die Wahl von Umweltaktivisten als Terroristen und Gegenspieler
von Franco aufgreift, leider aber eben nur peripher anschneidet, anstatt sie
etwas weiter zu vertiefen.
Der eingängige Soundtrack fügt sich sehr gut in das Gesamtbild des Films
ein. Dieser stammt übrigens von niemand geringerem als Riz Ortolani, einem
DER italienischen Filmkomponisten überhaupt. Ortolani, einst Schüler des
großen Ennio Morricone verdiente sich seine ersten Lorbeeren durch seine
Scores für einige MONDO-Filme von Gualtiero Jacopetti, u.a. „Africa Addio“
(1966), „Women of the World / La Donna nel Monde“ (1963) und den
Klassiker „Mondo Cane“ (1962), für dessen musikalischen Score Ortolani
seinerzeit sogar eine Oscar-Nominierung bekam. Freunden des etwas abseitigen
Filmgeschmacks dürften u.a. seine musikalischen Arbeiten zu den
Video-Nasties „Cannibal Holocaust“ (Ruggero Deodato, 1980), „Madhouse“
(Ovidio G. Assonitis, Italien, 1981), dem Terrorkino-Klassiker „Der
Schlitzer“ („La Casa sperduta nel parco“, Ruggero Deodato, Italien
1980), sowie einigen Tinto Brass - Filmen in den Gehörgängen haften
geblieben sein. Quentin Tarantino besann sich auf den wirklich enormen
Beitrag Ortolanis zur Filmgeschichte und huldigte seinen Werken, indem er
ihm die musikalische Untermalung seines „Kill Bill“ – Doppelepos’
(USA 2003 / 2004) überlies.
SAHARA CROSS gehört sicherlich nicht zu den besten Filmen Franco Neros und
ist selbstverständlich nicht vergleichbar mit seinen Über-Filmen wie „Django“
(Sergio Corbucci; Frankreich, Italien, Spanien, 1966) oder „Keoma“ (Enzo
G. Castellari, Italien, 1976), dennoch weis dieser Actioner über die
gesamte Dauer sehr kurzweilig zu unterhalten und macht wirklich Spaß!!!
FAZIT: Höchst amüsanter und unterhaltsamer Actionfilm nach klassischem
Strickmuster. Sehr empfehlenswert, nicht nur für Diskuswerfer, Baggerfahrer
und Kartenspieler!!! |