|
Für die fünf jungen Leute Kate (Margo
Harshman), Riff (Artie Baxter), Vicky (Carrie Finklea), Zack (Greg Cipes)
und Ashley (Kelly Vitz) ist der gemeinsame Ausflug in die Natur die perfekte
Möglichkeit, um mal wieder ungehemmt Drogen zu konsumieren und Sex haben zu
können. In einem Hippiebus geht es alsbald in eine Waldregion nahe eines
beruhigend vor sich hinplätschernden Bergbaches. Zuvor machen die fünf an
einer Tankstelle aber zuerst noch die Bekanntschaft mit zwei äußerst
merkwürdigen Zwillingen, dem irren Stanley und seinem geistig behindertem
Bruder Simon (beide Crispin Glover). Stanley scheint sich sehr für Kate zu
interessieren, was die Fünf dazu veranlasst, schnell weiter zu reisen und
die Angelegenheit nach Ankunft an ihrem Ziel schon wieder verdrängt zu
haben.
Nachdem die Zelte aufgeschlagen sind, kommt es zügig zum typischen
Techtelmechtel. Kate sieht es garnicht gerne, dass die freizügige und
sexbesessene Vicky ein Auge auf ihren Freund Riff geworfen hat, Kiffer Zack
ist ununterbrochen stoned und die Naturliebhaberin Ashley interessiert sich
mehr für ihren Trainingsplan als für ihre Freunde. Als Ashley allerdings
nicht vom Joggen zurückkehrt, ahnen die anderen noch nicht, dass ein
sadistischer und schizophrener Killer im Wald lauert, der mit seinen Opfern
liebend gerne das Kinderspiel "Simon Says" spielt, bevor er sie
mit seinem Spitzhacken-Katapult fachgerecht in tausend Stücke zerlegt... |
|
Anhand des Filmtitels "Simon Says"
könnte für den einen oder anderen sicherlich der Fehleindruck entstehen,
es handele sich hierbei um eine absurde Verfilmung des gleichnamigen
Kinderspiels, das in den USA allerdings einen größeren Bekanntheitsstatus
genießt als hierzulande. Dass sich hinter dem Namen aber ein waschechter
Horrorstreifen verbirgt, macht das auffallende Cover unmissverständlich
erkennbar, wenn es auch wenig über den Inhalt verrät. Ein Blick auf die
Inhaltsangabe lässt anschließend schnell erschließen, dass hiermit mal
wieder ein typischer Slasher ins Haus steht, dessen Story derlei banal und
ausgelutscht klingt, dass einem die Lust auf das Werk schnell vergeht.
Dennoch liefert Regisseur William Dear einige sehr gute Gründe, wieso
insbesondere Trash- und Splatteranhänger den Titel dringlichst auf ihre
Merkzettel notieren sollten.
Für eine kleine Überraschung sorgt dies in erster Linie deshalb, weil ein
filmkundiges Publikum den Namen des Regisseurs sicherlich nicht mit Horror
assoziieren dürfte, wo sich doch Dear seit etwa 20 Jahren auf
familienfreundliche Unterhaltung wie "Timerider - Das Abenteuer des
Lyle Swann" oder "Bigfoot und die Hendersons" spezialisiert
hat. Mit "Simon Says" legt er nun allerdings den Beweis vor, dass
er auch durchaus Ahnung davon hat, wie man eine kurzweilige Blutsuppe auf
den Tisch stellt. Zwar kursiert hartnäckig das Gerücht, dass es die
insgeheime Intetion des Filmemachers war, einen ernstzunehmenden Horrorfilm
auf die Beine zu stellen, wofür er auf einem Filmfest auch schon mit
ungläubigem Schweigen quittiert wurde, doch geht man mit der richtigen
Erwartungshaltung an das Werk heran, wird man der Leihgebühr nicht
hinterher trauern.
Sicher, es ist kein Beweis für ein überschäumendes Talent als
Drehbuchautor, wenn uns Dear die altbekannte Handlung von fünf jungen und
schönen Menschen präsentiert, die während eines Campingausfluges mal eben
von einem Geisteskranken dahingemetzelt werden. Dabei griff man hier sogar
tief, sehr tief in die Klischeekiste und hat mal wieder den obligatorischen
Kiffer, die allseits beliebte Sexbombe, den eingebildeten Sportler, das
Kanonenfutter und das intelligente Mädchen ausgegraben, das sich zu guter
Letzt dem Killer stellen darf. Man sollte schon über einen Trash-geformten
Filmverstand oder alternativ über diverse Techniken der
Selbstmalträtierung verfügen, um die erste halbe Stunde hellwach zu
überstehen. Ein Déjà-vu jagt das Nächste, während die Fünfergruppe
fleißig Nonsens labern und sich gegenseitig befummeln darf, um nur
irgendwie die berühmte erste halbe Stunde voranzutreiben, in der in den
meisten Horrorfilmen die Ruhe vor dem Blutsturm herrscht.
Entweder man liebt es also, sich immer wieder selbst mit den übelsten
Trashheulern zu piesacken oder hat ein großes Herz für selbst die noch so
einfallslosesten Slasher, auf anderem Wege wird man zu dem hier Dargebotenen
wohl keinen Zugang finden. Die Inszenierung des Films ist, zurückzuführen
auf das niedrige Budget, nicht das sprichwörtlich Gelbe vom Ei, einen
anderen Eindruck als den eines kostengünstigen B-Movies kann "Simon
Says" leider nie erwecken. Auch der Killer, dessen Vorgeschichte wir im
Intro erfahren, ist nicht von der Muse der Innovation geküsst, was der
Schauspieler Crispin Glover aber wieder geradebiegen kann. Er spielt die
debilen und verblödeten Zwillinge Simon und Stanley sehr überzeugend, so
dass man sich nie wirklich sicher ist, ob es die Gruppe nun mit zwei Irren
oder nur mit einem geisteskranken Schizo zu tun hat. Die Rückblende auf die
Kindheit des Killers ist zudem mehr peinlich als dass sie für seine
jetzigen Morde eine ernstzunehmende Erklärung bereithalten könnten.
Klischee-Twens, ein altbekannter Killer mit dämlicher Vergangenheit und die
Hürde der ersten 30 Minuten - alles vergeben und vergessen, wenn die rote
Farbe ausgepackt wird und "Simon Says" in gorehaltigen
Mordsequenzen einen Höhepunkt nach dem anderen jagt. Bei den Kills ging man
in diesem Streifen äußerst kreativ zu Werke und ließ Simon ein kurioses
Spitzhacken-Katapult benutzen, mit dem er duzende von Spitzhacken, Beilen
und anderer scharfer Gegenstände auf seine arglosen Opfer abfeuern kann.
Diese ebenso einmalige wie verrückte Idee wird genau den Nerv des
Trash-Enthusiasten treffen, denn wenn die jugendlichen Klischeefratzen in
Reichweite des irrwitzigen Geschosses geraten, ist ein regelrechtes Blutbad
sicher. Die Protagonisten und einige andere Knallchargen, die nur
eingeführt werden, um direkt danach getötet zu werden, fallen zudem noch
etlichen anderen, vorsorglich im Wald platzierten Fallen des Killers zum
Opfer, die den Unterhaltungswert des Films mehr und mehr steigen lassen,
während die Ernsthaftigkeit zunehmend in den Keller sinkt.
Zwar wirkt "Simon Says" wie ein exakter Aufguss irgend eines
beliebigen, alten Slashers, doch durch seine zahlreich vorhandenen,
verrückten Ideen, dürfte der Streifen einen Sonderplatz in den
Bewertungslisten seiner Zielgruppe erhalten. Man kann zur Einfallslosigkeit
des Films sagen, was man will: Sobald das große Ableben erst einmal
beginnt, wird aus "Simon Says" ein großartiger, blutiger Spaß,
der vor allem in geselliger Runde seine Wirkung entfalten und für
ausgelassene Stimmung sorgen wird. Der Film ist null innovativ, kaum
spannend und hält dramaturgisch auch keinerlei Überraschungen bereit. Auch
ist es nicht vermessen, Crispin Glover extremes Overacting zu unterstellen,
doch gerade dadurch bringt er den gestörten Killer mit der Zwangsneurose zu
Kinderspielen am Besten rüber. Wer nichts für Trash übrig hat, sollte
"Simon Says" meiden wie der Teufel das Weihwasser, alle anderen
können sich das Teil schleunigst besorgen und werden mit Simon und seinem
Spitzhacken-Katapult definitiv ihren Spaß haben. |