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SIN CITY, eine Stadt wie ein finsterer Moloch.
Ein modernes, postapokalyptisches Sodom, dessen dunkle Straßenschluchten
vor Sünde, Gewalt und Laster überquellen.
Hier, wo sich Kinderschänder, Zuhälter und Gewalttäter die Klinke in die
Hand geben, überschneiden sich die Schicksale dreier Personen, geprägt von
Selbstjustiz, Rache und der Suche nach Gerechtigkeit einerseits und
Zuneigung andererseits. Ein herzkranker Ex-Cop, der zehn Jahre unschuldig in
Isolationshaft saß und nun ein junges Mädchen, das er einst aus den Klauen
eines Kinderschänders rettete, erneut vor ihrem damaligen Peiniger
schützen muss. Marv, ein harter zerfurchter Typ mit weichem Kern, der
durch einen perversen Kannibalen seiner großen Liebe beraubt wurde und bei
seinem Rachefeldzug ein Komplott bis in die höchsten Kreise der
Gesellschaft aufdeckt. Und Dwight, der den gewalttätigen Ex-Freund seiner
neuen Flamme unschädlich machen will und dadurch einen Bandenkrieg
auslöst. |
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Comic-Verfilmungen sind ja irgendwie eine
Sache für sich. Kennt und schätzt man die Originalvorlage, wird man
meistens durch die filmische Umsetzung bitter enttäuscht (siehe z.B.
"HULK" oder "Die fantastischen Vier"). Kennt man das
Comic nicht, läuft man Gefahr, zwar gut unterhalten zu werden, jedoch
mangels Hintergrundwissens nicht wirklich den ganzen Charme einer Geschichte
aufsaugen zu können oder gar einige Details der Handlung nicht zu
verstehen.
Bei SIN CITY besteht diese Gefahr nicht. Von den Millionen Kinogängern
dürften wohl nur wenige die Independent-Comics von Frank Miller im Vorfeld
des Film gelesen haben. Trotzdem war die Resonanz des Publikums fast
ausschließlich positiv. Wen wundert's? SIN CITY funktioniert eben prächtig
als eigenständiger Film. Er bestehet gewissermaßen aus drei Episoden, die
jedoch irgendwie und irgendwann zusammenlaufen, wenn auch teilweise nur
angeschnitten in einzelnen Szenen. Beispielsweise begegnen sich die
Charaktere der einzelnen Episoden mal kurz in der Bar.
Robert Rodriguez betreibt ein munteres Farbspiel. Immer wieder werden in
einzelnen Szenen wichtige oder stilvolle Elemente der Handlung farblich aus
dem tristen Schwarzweiß hervorgehoben. Steven Spielberg hatte sich dieses
technischen Mittels seinerzeit in seinem Holocaust-Drama "Schindlers
Liste" dezent bedient, indem er aus einem anonymen Leichenberges das
rote Kleid eines zuvor vorgestellten kleinen Mädchens hervorstechen ließ.
Rodriguez geht mit diesem Stilmittel nach einen Schritt weiter. So kann es
vorkommen, dass manche Dinge im Film nicht nur farblich dargestellt werden,
in ihrer schwarzweißen Umgebung dadurch ohnehin schon wie ein Fremdkörper
wirken, zusätzlich jedoch noch durch eine völlig untypische Farbgebung
verstörend und befremdend erscheinen. Da spritzen die Blutfontänen
plötzlich in neongelb, leuchten frische Arm- und Beinstümpfe, ebenso wie
Schuss- und Stichwunden in genau derselben grellen Farbe. Derartige Szenen
intensivieren den ganzen Comic-haften Flair des Film. Es hat den Anschein,
als säße der Comiczeichner selbst über der Leinwand und würde mal hier,
mal dort mit einem Farbpinsel herumexperimentieren und, unschlüssig über
Sinn oder Unsinn seines Vorhabens, seinen Zeichnungen Farbe verleihen
wollen.
Besonders gelungen ist die farbliche Untermalung am Ende von Episode II:
Wenn die toughe Frauengang der Stadt sich zum Kampf gegen ihre Widersacher
positioniert, die einzelnen Ladys mit verwegenem Blick, Waffen und wehenden
Haaren über den finsteren Häuserschluchten der Stadt posieren, ragt über
ihnen im Hintergrund ein blutroter, wolkendurchzogener Himmel empor, als
kündige er das nun folgende Gemetzel an. Diese Szene ist mit eine der
stärksten Einstellungen des Films und dürfte sicherlich Waffen- und
Frauenfans gleichermaßen feuchte Träume bereiten. (Eine empfehlenswerte
Webseite zum Thema "Girls with guns" gibt es übrigens hier:
http://www.alex-in-wonderland.com)
Wohl nur selten hat man für einen "Erwachsenenfilm" eine so
illustre Schauspielerriege vereint gesehen. Die Besetzungsliste von SIN CITY
liest sich wie ein who-is-who des Hollywood-Action-Films. Dieses dürfte
anscheinend Quentin Tarantinos Verdienst sein. Er hat durch seine grandiosen
Filme ja eine derartige Reputation in der Filmwelt erlangt, dass ihm die
Stars inzwischen wohl von selbst aus die Tür einrennen, nur um in seinen
Filmen mitwirken zu können.
Wirklich alle Charaktere sind ausnahmslos perfekt besetzt. Sogar Elijah
Wood, bisher in seinen Filmen eigentlich eher in der Rolle des
Sympathieträgers zu sehen, macht entgegen aller vorausgegangener Skepsis
als kannibalistischer Serienkiller mit übersinnlichen Fähigkeiten eine
gute Figur. Sein dargestellter Charakter hat wirklich etwas sehr
Dämonisches und Angsteinflößendes...
Eine wahre Augenweide ist die umwerfende Devon Aoki als Killerin Miho. Ob
mit Hakenkreuz-Wurfsternen, Pfeil und Bogen, oder Samurai-Schwert: So
eiskalt und brutal gleichsam aber auch grazil und schön wie sie hat sich
wohl bisher noch keine Lady auf der Leinwand durch ihre armen Feinde
gemetzelt...
Bruce Willis darf in seiner Rolle des herzkranken Cops Gefühle und
Verletzlichkeit zeigen, gleichzeitig aber auch wieder seine typische
Ausdauer und Zähigkeit. Es ist schön zu sehen, wie Actionheld Willis sich
offensichtlich damit abfinden kann, langsam aber sicher älter zu werden und
dieses entsprechend würdevoll bei seinen Rollen berücksichtigt und sich
traut, das toughe Superheldenimage abzulegen.
Als absolut brillant muss die Vorstellung von Mickey Rourke angesehen
werden. Rourke war nach einer ziemlichen Lebenskrise und Karriereknick schon
so gut wie in der Gosse Hollywoods angelangt. Nach seiner Läuterung und
Drogenentzug bezeichnete er "SIN CITY" in einem Interview als
seine "zweite Chance". Was soll man sagen? Rourke hat sie
genutzt!!! Er spielt Marv, einen muskulösen Hünen, dessen Humor so trocken
und ledrig ist, wie sein narbenzerfurchtes Gesicht. Ein gesellschaftlicher
Außenseiter, der endlich zum ersten Mal in seinem Leben Geborgenheit und
Zuneigung durch die Prostituierte Goldie erfährt. Als ihm nicht nur seine
Liebste genommen wird, sondern er selbst noch Opfer eines Komplotts wird,
mutiert er zum gnadenlosen Rächer und entwickelt dabei nicht nur ein Faible
für coole Sprüche, sondern auch noch für außergewöhnliche
Selbstjustizmaßnahmen...
Generell zieht sich das Thema Selbstjustiz wie ein roter Faden durch den
gesamten Film. Sin City ist hart, gewalttätig und macht wahrlich keine
Gefangenen. Unverkennbar ist die Handschrift von Quentin Tarantino.
Wahrscheinlich ist es der schwarz-weißen Farbgestaltung des Films zu
verdanken, dass die Mordszenen alle komplett zu bewundern sind...
Mit seiner depressiven Grundstimmung zieht Sin City den Zuschauer wirklich
runter. Definitiv kein Film für suizidgefährdete Menschen an einem
regnerischen Nachmittag. Müsste man SIN CITY mit nur einem Wort
beschreiben, so könnte dieses nur "COOL" heißen... |