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Tiefe unergründliche Wälder, ein kleiner
Trupp unbedarfter Personen gegen eine Horde skrupelloser (oftmals auch
zusätzlich noch degenerierter) Psychopathen. Der Backwood-Film bietet
eigentlich immer eine Menge Spaß. Action, Spannung, Unterhaltung. Und wenn
das einmal nicht der Fall sein sollte, dann kann man sich wenigstens immer
noch an der schönen Landschaft erfreuen.
Bei „Slayer“ braucht der Zuschauer gar nicht erst Mutter Natur zu
bemühen, um unterhalten zu werden. Der Film über den Kleinkrieg zwischen
einer Gruppe Pfadfindern und skrupellosen Waffenhändlern funktioniert auch
so als kurzweiliger, wenn auch nicht Bahn brechender Action-Flick. Wann
immer von Backwood und Rednecks, von Menschenhatz in unendlichen wilden
Wäldern die Rede ist, kommt natürlich unweigerlich die Erinnerung an
Klassiker wie „Beim Sterben ist jeder der nächste“ (Deliverance, John
Boorman) oder „Die letzten Amerikaner“ auf.
In der Tat sind Parallelen zu John Boorman’s Klassiker vorhanden, wenn
auch nur in Ansätzen. Schauspieler und Handlung reichen selbstverständlich
bei Weitem nicht an das Meisterwerk heran. Wenn sich anstelle von Burt
Reynolds und Ned Beatty plötzlich Corey Feldman und Don Swayze im Wald
ihrer Haut gegen einen hinterlistigen Gegner erwehren müssen, dann ist das
zwar auch irgendwie immer noch „Beim Sterben ist jeder der erste“, nur
eben auf Kreisliga-Niveau…
Die Story ist ein alter Hut: David gegen Goliath mit den üblichen
Stereotypen und Klischees. Auf der einen Seite bewaffnete Schurken, auf der
anderen clevere Kids. Wer da am Ende gewinnt ist ohnehin klar. Aber wie
heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Das Ziel ist in diesem Fall
Action! Und davon gibt es hier genug!
Don Swayze rennt die ganze Zeit mit Kopftuch rum, erschießt Kinder und
Sensen schwingende Hausfrauen. Kurzum, er macht all das, was seinem
tanzenden Bruder Patrick nicht im Traum einfallen würde. Apropos: Hat sich
eigentlich noch kein Cover-Texter jemals Gedanken darüber gemacht, wie sich
ein drittklassiger Schauspieler fühlen muss, wenn er auf dem Klappentext
eines Actiongülle-Videos als Bruder von einem maximal ebenfalls
drittklassigen aber durch eine Tanzfilm-Schnulze etwas bekannteren
Schauspieler angekündigt wird?
Derartig krampfhaft bemühte Parallelen benötigt Corey Feldman erst gar
nicht. Er ist auch so bekannt. Schließlich hatte sich seinerzeit die
Lorbeeren als Kinderstar u.a. in großartigen Filmen wie „Stand by me“
oder den „Goonies“ verdient. Leider blieb der Mime danach offensichtlich
in der Pubertät stecken und wird wohl auch mit 70 Jahren noch als
aufmüpfiger cooler Teenie über die Leinwand hüpfen.
In „Slayer“ kommt er als Pfadfinder gar nicht mal so schlecht weg.
Zumindest blamiert er sich nicht und trägt auch keine Lederjacke oder einen
überdimensionalen Ohrring. Auch bei dem Rest der Belegschaft im Wald sind
keine sonderlichen Ausfälle zu verzeichnen, was ja gerade bei Filmen mit
Beteiligung von Kindern keine Selbstverständlichkeit ist. Lediglich eine
toughe Tussi aus dem Hinterwald, die den Pfadfindern zu Hilfe kommt, nervt
ein bisschen.
Diesen kleinen Faux-Pas in der Dramaturgie beseitigt aber kurzerhand der
daraufhin auftauchende NOCH gemeinere Schurke. Der Fiesling trägt Schwarz,
zitiert Hamlet, hat automatische Springmesser in seine Handschuhe
eingebastelt und wirkt ein bisschen wie der Nazi-Scherge aus „Indiana
Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“.
Soweit, so gut.
Offensichtlich haben die Macher des Films im Laufe der Dreharbeiten dann
aber doch wohl ein bisschen zu tief mit den hiesigen Waldarbeitern ins
Wacholder-Glas geschaut. Anders ist es nicht zu erklären, wie gegen
Ende des Films die Logik zwischen überdimensionalen Baumstämmen zermalmt
wird: Eine Handvoll Teenies bastelt innerhalb kürzester Zeit gigantische
Baumfallen, mit denen die Amis seinerzeit den Vietnamkrieg hätten gewinnen
können. Rom soll nicht an einem Tag erschaffen worden sein? Pah! Da hätte
man besser mal eine Horde Pfadfinder ans Werk gesetzt…
Logik hin oder her. Die Action tobt, Langeweile kommt so gut wie nie auf.
Immer wenn der Film in Belanglosigkeit abzudriften droht, zieht er sich
gewisser Maßen am eigenen Schopf wieder aus dem Sumpf. Kaum drückt ein
Handlungsstrang auf die Spaßbremse, wird dies durch eine neue Wendung in
der Storyline wieder wettgemacht.
Erschienen ist der Film bei Highlight-Video und dürfte nicht zuletzt
aufgrund seines gewöhnlichen, austauschbaren Covermotivs und des
abschreckenden „Don-Swayze“-Faktors für wenig Geld in der Wühlkiste
der Videothek zu finden sein. Einen Blick ist er allemal wert. |