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Auf die kleine Insel
Little Tall Island zieht ein gewaltiger Jahhundertsturm zu, doch als hätten
die 200 Mitglieder der Gemeinde nicht genug damit zu tun, erschlägt ein
mysteriöser Fremder (Colm Feore) aus unerfindlichen Gründen eine hilflose,
80 jährige Witwe, die seit Jahren allein in ihrem Haus lebt. Die Bewohner
der Insel sind angesichts dieses bestialischen Mordes erschüttert. Auch
Mike Anderson (Timothy Daly), der einzige Gesetzeshüter auf Little Tall
Island, kann sich auf die Tat keinen Reim machen und nimmt den eigenartigen
Fremden fest, der sich ohne jeglichen Widerstand abführen lässt. Während
der Sturm immer gewaltigere Ausmaße annimmt, scheint auch von dem Fremden,
der sich als Andre Linoge vorstellt, eine dunkle Bedrohung auszugehen.
Linoge kennt die dunkelsten Geheimnisse, die tiefsten Abgründe eines jeden
Bewohners der kleinen Insel.
Als
der Bürgermeister von Little Tall Island, Robbie Beals (Jeffrey DeMunn),
aufgrund des lebensgefährlichen Sturms den Notstand ausruft und die
Gemeinde im Keller des Rathauses versammelt, bleiben Mike und einige andere
Männer zur Bewachung des Fremden in der Polizeistation. Schnell stellt sich
jedoch die Frage, wer hier wen gefangen hält, denn Linoge führt sein Spiel
aus seiner Zelle heraus fort. Vereinzelte Menschen sind plötzlich nicht
mehr Herr ihrer Sinne und begehen schreckliche Morde, andere nehmen sich aus
unerfindlichen Gründen das Leben. An den Orten des Geschehens ist immer
wieder die selbe Nachricht zu lesen: "Gebt mir was ich will und ich
werde gehen". Als sowohl das Unwetter, als auch der Fremde immer mehr
Opfer fordern, stellt sich für die Bewohner von Little Tall Island nur noch
eine Frage: Was verlangt der Unheimliche? |
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Stephen King -
Verfilmungen lastet oftmals der Ruf an, dass sie minderwertiger Qualität
seien und den Vorlagen des Horror-Meisters ohnehin nicht das Wasser reichen
könnten. Da hat "Der Sturm des Jahrhunderts" sicherlich eine
Ausnahmeposition inne, schrieb King die Geschichte
doch speziell als Drehbuch für die Verfilmung. In Interviews äußerte der
Autor zudem wiederholt, dass es sich hierbei um die beste Verfilmung eine
seiner Geschichten handelt und wenn man von wirklich gelungenen Streifen wie
"The Green Mile", "Die Verurteilten", "Misery"
und "Friedhof der Kuscheltiere" mal absieht, dann darf man ihm da
sicherlich beipflichten. Obwohl die fürs TV produzierte Mini-Serie
sicherlich einen ganz anderen Eindruck macht, handelt es sich hierbei doch
um eine ungeheuer atmosphärische und spannende Erzählung, die trotz ihrer
anfangs erdrückenden Länge von 253 Minuten niemals langweilig zu werden
droht.
Für die
Inszenierung dieses Werkes war kein anderer als Craig R. Baxley
verantwortlich, der sich später mit "Stephen King's Haus der
Verdammnis" und "Stephen King's Kingdom Hospital" noch einmal
zwei ähnlichen Projekten widmete. "Der Sturm des Jahrhunderts"
darf jedoch mit Sicherheit als sein persönlicher Meilenstein betrachtet
werden, denn dass das Werk im Endeffekt über seine lange Laufzeit so gut
funktioniert, dass ist auch Baxley's souveräner Inszenierung zuzuschreiben.
Es ist erstaunlich, dass es einem solchen Mammutwerk gelingt, sein Publikum
permanent zu fesseln und den Spannungsbogen konstant oben zu halten. Die
Atmosphäre des Werkes ist gigantisch, allgegenwärtig und lässt keine
Einbrüche zu, hier gibt es Mystery, Suspense und Spannung von Anfang bis
Ende.
Die Geschichte ist
King-typisch aufgebaut. Dem Publikum werden einige Menschen aus der 200
Seelen-Inselgemeinde näher vorgestellt, zu denen man über die Laufzeit von
4 Stunden irgendwann tatsächlich eine Bindung aufbaut und mit denen man
gerne mitfiebert. Hauptcharakter ist der Polizist Mike Anderson, doch auch
andere Personen, wie etwa seine Frau Molly, der Hilfssheriff Hatch oder der
eigensinnige Bürgermeister Robbie, werden schnell sympathisch und zu
wichtigen Leitfiguren durch die Geschichte. Das Unheil schleicht sich dabei
erst leise, aber unübersehbar an, man spürt förmlich, dass etwas
Schreckliches im Begriff ist, über die beschauliche Inselgemeinde
hereinzubrechen. Das typische Kleinstadtleben wird dabei anfangs auch nicht
vernachlässigt. Little Tall Island ist eine kleine Gemeinde, in der jeder
jeden kennt und in der es tatsächlich noch Werte wie Zusammenhalt zu geben
scheint, doch das soll von Linoge später auf die Probe gestellt werden.
Die Einführung des
Bösen ist schlichtweg als genial zu betrachten. Dem merkwürdigen Fremden
haftet sofort eine Aura des Mysteriösen, des Übernatürlichen an, eine
fremdartige Bedrohung scheint von ihm auszugehen. Mit seiner ruhigen Art
scheint er die Situation zu jedem Zeitpunkt fest im Griff zu haben und
lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Inselbewohner seinem Willen
zu gehorchen haben. Die mysteriösen Ereignisse, die von Linoge ausgehen,
scheinen sich mit zunehmender Laufzeit in ihrer drastischen Konsequenz immer
mehr zu steigern. Der Fremde, der in der Lage ist, die dunkelsten
Geheimnisse jedes Menschen zu ergründen, treibt die Bewohner der Insel
alsbald zu entsetzlichen Morden oder vereinzelt in den Freitod, was dabei
aber nie zu voyeuristisch vonstatten geht. Die Brutalität von "Sturm
des Jahrhunderts" hält sich in Grenzen, das Werk lebt von seiner
dichten Atmosphäre und nicht von irgendwelchen blutigen Garstigkeiten.
Wer nicht genügend
Sitzfleisch für diese, in drei Teile geteilte TV-Mini-Serie mitbringt, der
könnte sicherlich das Argument anbringen, dass man die Geschichte auch gut
hätte in einen zweistündigen Film packen können. Dem kann man allerdings
entgegensetzen, dass "Sturm des Jahrhunderts" auch über vier
Stunden bestens funktioniert, zu keinem Moment langweilig wird und die
Spannung konstant oben gehalten wird. Ja, die Story ist nicht übermäßig
abwechslungsreich und ließe sich in wenigen Worten zusammenfassen, dennoch
hat man nach der Betrachtung des Werkes keine Szene in Erinnerung, die
deplaziert oder in die Länge gezogen wirkte. Alles nimmt seinen
natürlichen Platz in diesem Mammutwerk ein, von der Charakterisierung
einzelner Figuren, der langsamen Steigerung der unheimlichen Begebnisse und
der schließlichen Forderung des Fremden.
Diese ist ebenso
einfach wie effektiv: Gebt mir was ich will oder ihr werdet alle sterben.
Die Forderung Linoge's soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten
werden, da die Frage nach ihr einen großen Teil der filmeigenen Spannung
ausmacht. Was kann es sein, was ein derart mächtiges Wesen (dessen Herkunft
nie wirklich geklärt wird) von einfachen Inselbewohnern haben möchte? Die
Auflösung ist letztendlich ebenso einfach und ersichtlich wie erdrückend
und stellt die Dorfbewohner vor die wohl schwierigste Entscheidung ihres
Lebens. Hier bringt King eine moralische Kopfnuss ein, die der Story
plötzlich noch eine gewisse Form von Tiefe verleiht.
Der Inszenierung des
Dreiteilers ist klar zu entnehmen, dass das Werk fürs TV gedreht wurde,
dennoch bringt "Der Sturm des Jahrhunderts" in dieser Hinsicht
noch immer ein gewaltiges Niveau mit, an das andere TV-Produktionen erst
einmal heranreichen müssen. Den ganzen Film über erlebt der Zuschauer eine
Naturgewalt eines Sturms, der jedem Katastrophenfilm zur Ehre gereichen
würde. Alles ist in eiskalten Blautönen gehalten, der vierstündige
Streifen wirkt alleine schon ob dieser Naturgewalt bedrohlich und düster,
hinzu kommt natürlich noch das übersinnliche Treiben des Fremden, was dem
Zuschauer letztendlich gar keine Atempause mehr gönnt. Es ist als Kunst
zu betrachten, ein derart langes Werk in jeder Minute fesselnd und spannend
zu gestalten, doch hier ist es den Verantwortlichen absolut gelungen.
Ein Großteil der
Schauspieler wurde passend besetzt, vor allem Colm Feore als unheimlicher
Fremder macht seine Sache hervorragend. Er schafft es perfekt, seinen
Charakter ruhig und überlegt zu verkörpern, ohne dabei eine subtile
Bedrohlichkeit vermissen zu lassen, die die Figur übernatürlich und
allmächtig wirken lässt. Auch Tim Daly weiß in seiner Rolle des
Polizisten zu gefallen, wenn er auch nicht unbedingt die sympathischste
aller Figuren spielen darf. Letztendlich trägt ein jeder der Schauspieler
seinen Teil dazu bei, dass "Sturm des Jahrhunderts" als Ganzes
funktioniert, von jedem Darsteller geht eine eigene Ausstrahlung aus, die
ihn wiedererkennbar macht und dem Zuschauer letztendlich reichlich
Identifikationsfiguren gibt.
"Der Sturm des Jahrhunderts" ist eine viel zu unterschätzte
TV-Produktion, die gleich dem titelgebenden Sturm, eine wahre Naturgewalt an
immenser Spannung und erdrückender Atmosphäre entfesselt. Kings
Handschrift ist an der Meisterleistung zu erkennen, dieses Werk über vier
Stunden lang bestens unterhalten zu lassen und das Publikum bis zur
letztendlichen Auflösung vor den Fernseher zu bannen. Dabei wurde an und
für sich alles richtig gemacht, die Schauspieler überzeugen ebenso, wie
die Effekte, die musikalische Untermalung oder die perfekt ausgefeilte
Dramaturgie. Wer also das nötige Sitzfleisch mitbringt, sollte sich diese
atmosphärische Meisterleistung keinesfalls entgehen lassen. |