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Gotho (PAUL NASCHY), buckliger
Aushilfsarbeiter in der Leichenhalle des Krankenhauses ist aufgrund seiner
Behinderung das Gespött der Leute. Die Kinder werfen mit Steinen nach ihm,
Besoffene pöbeln ihn an, Ärzte (!!) schlagen ihn zusammen. Einzig die
sterbenskranke Ilsa, (Nein.. nicht der „She-Wolf“ aus dem entsprechenden
„SS-Film“, obwohl ja bei Werwolf-Paule eigentlich passend...) die er
durch seine Arbeit im Krankenhaus kennen und insgeheim auch lieben gelernt
hat, hält zu ihm, da sie den liebenswerten und gutherzigen Menschen in ihm
sieht.
Doch ganz so unbescholten ist Gotho auch nicht (er wird ja schließlich
nicht ohne Grund von Paul Naschy gespielt): Nächtens entledigt er sich all
derer, die ihn tagsüber beleidigt und erniedrigt haben.
Als Ilsa das Zeitliche segnet, kann Gotho sich nicht von dem einzigen
Menschen trennen, der ihm Verständnis und Zuneigung entgegengebracht hat.
Er stielt ihre Leiche aus dem Krankenhaus und versteckt sie in einem
unterirdischen Folterkeller. In benachbarten Katakomben geht gerade DR. Orla
seiner Forschung nach. Sein Ziel: neues Leben aus Protoplasma zu erschaffen.
Da bietet sich doch eine Fusion der Interessen Gothos und des Psychodoktors
geradezu an!!
Gotho überlässt dem Professor seine geheimen Gemäuer und sorgt für
wissenschaftliches Material in Form von (meist weiblichen) „Forschungsobjekten“.
im Gegenzug verspricht Dr. Orla seinem neuen Diener, ihm seine
dahingeschiedene Liebste im Rahmen seiner Möglichkeiten wieder
herzustellen. Da seine Möglichkeiten allerdings doch eher bescheiden sind,
ist nix mit neuer Ilsa: Aus dem Protoplasma-Gematsch entwickelt sich ein
übles, frauenfressendes Monster... |
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Es gibt Filme, die machen direkt von der
ersten Minute an Spaß, unterhalten den Zuschauer über ihre gesamte
Lauflänge und erwecken noch während des Abspanns schon Vorfreude auf das
erneute Anschauen. - Eben solch ein Film ist „DIE STUNDE DER GRAUSAMEN
LEICHEN“. Voraussetzung für einen Filmgenuss sondergleichen ist jedoch,
dass man eben keinen Hardcore-Splatter oder tiefgründigen Gruselschocker
erwartet, sondern naiven (um nicht zu sagen trashigen) Old School – Horror
der 70er Jahre zu schätzen weiß, ohne großartiger Suche nach Logik oder
sonstigem störenden Beiwerk ;-)
Allein schon das Wettsaufen zu Beginn des Films, ist ein Highlight der
Filmgeschichte. Oder hat jemand sonst schon mal derart überdimensionale
Biergläser in einer Kneipe gesehen (mal abgesehen von Maßkrügen)??? Man
sieht, hier wird mit Liebe zum Detail und Gerstensaft (der bei der
Produktion des Films sicherlich nicht zu knapp geflossen zu sein scheint)
gearbeitet. Der Dorftrunkenbold (und späteres Naschy-Opfer) hat denn auch
in seinem Zimmer zwischen Pin-Up-Postern ein Oktoberfest-Plakat. Gelebte
Geselligkeit in den eigenen vier Wänden!!!
Amüsant auch hier einige Füllszenen, die scheinbar völlig zusammenhanglos
in die Handlung hineingeschustert worden sind, aber anscheinend typisch
sind, gerade für mediterrane Vertreter des Genres zu dieser Zeit. Da
erwischt z.B. eine Ärztin eine Patientin beim Auspeitschen (!!) ihrer
Zimmergenossin. Kommentar von Frau Doktor: „Ich kann mir das nicht mehr
länger mit ansehen. Wir müssen Euch wohl auseinander legen.“ – Schnitt
;-)
In einer anderen Szene verhöhnen ein paar Ärzte den Buckligen Goto, um ihn
kurz darauf, als er sich versucht zu wehren, zusammenzustiefeln. Überhaupt
scheinen die Ärzte wohl allesamt Hobby-Boxer zu sein, immer auf der Suche
nach Streit zu sein (liegt wohl an den abendlichen Wettsauforgien mit
überdimensionalen Biergläsern)... Erstaunlicherweise hält sich der Film
im Vergleich zu ähnlich gelagerten Filmen seiner Epoche allerdings bei der
Präsentation nackter Haut dezent zurück, was eventuell am eher
konservativen, christlichen Herstellungsland liegen könnte.
Paul Naschy (alias Jacinto Molina) als Buckliger ähnelt mit seiner Frisur
(immerhin beschränkt sich der Haarwuchs des „spanischen Werwolfs“ in
diesem Fall nur auf sein Haupt) und traurigem Blick ein bisschen einem
völlig verwahrlosten Peter „Colombo“ Falk, spielt seine Rolle aber
durchweg solide und bringt den Charakter Gotho als eine Art tragischen „Helden“
gut rüber. Als zunächst gepeinigtem Behinderten, der später die einzige
Bezugsperson in seinem Leben verliert, kann der Zuschauer trotz der Morde
und Umtriebe Gothos seinem Handeln dennoch eine Art von Verständnis
entgegenbringen.
Splatterfans der alten Schule können sich ebenso wie Freunde trashiger
Effekte an einigen putzigen Szenen erfreuen. So zeigt Paule direkt schon
nach wenigen Minuten, wo der Buckel hängt, indem er im Keller des
Krankenhauses einem eben niedergestreckten Peiniger (in ziemlich graphischer
Art und Weise) die Füße abschnippelt, sie in einen Sack verstaut und von
dannen schlurft, dabei poetisch vor sich hinmurmelnd: „Der Tod ist wie ein
Bruder, er lässt mich nicht allein. Und geht er sich ne Seele suchen, dann
möchte ich bei ihm sein!!“ Wenn das mal kein stimmungsvoller Auftakt
ist...
Überhaupt spart der Film nicht mit dickflüssigem, unnatürlich orangerotem
Nass. Da heißt es: Rübe ab, Axt innen Balg (inklusive Gedärme-Happening),
Auge rausgepropelt, Säure inne Fresse. Das alles allerdings, wie es sich
für einen richtigen Naschy eben gehört, ziemlich charmant schluderig,
sodass sich der Ekel in Grenzen hält und schnell einem breiten Grinsen
weicht. Die Lokalität Folterkammer UND gleichzeitig Laboratorium
schafft natürlich auch Spielräume für kreative Meucheleien: Eine eiserne
Jungfrau kommt ebenso zum Einsatz, wie ein Säurebad. Das Ganze geht dann
ungefähr so von statten: Ringkampf, Typ im Schwitzkasten, Eiserne Jungfrau
auf, Typ rein, Jungfrau zu (*matsch*), Jungfrau auf: Voilà, Typ ist
aufgespießt...
Oder eben: Ringkampf, Typ im Schwitzkasten, Typ in Säurebad geschmissen
(*platsch*), Säure am blubbern: Voilà, abgelöste Ohren des Typen
schwimmen an der Oberfläche!!! Einfach herrlich!!! ;-) Besonders
lustig anzuschauen sind die Experimente des Wissenschaftlers, der bei seiner
Entwicklung von Protoplasma offensichtlich Frösche, abgehackte Köpfe und
sonstigen glitschigen Krempel in ein riesiges Reagenzglas stopft, in der
Hoffnung, dass (ZITAT) „das Resultat menschlich wird“!!! ;-)
Die ganze Pampe blubbert dann genüsslich vor sich hin, bis plötzlich die
(ZITAT) „Umwandlung“ erfolgt. Das bedeutet in diesem Fall: Schnell das
Glibbergemisch in das nächste Verlies geschoben, Tür zu, durch den
Türspalt hineingelugt und: BINGO!!!!! (ZITAT) „Gotho! Ich habe ein Wesen
erschaffen!!!“ Ja und dieses Wesen will natürlich auch beköstigt
werden. Und was fressen wohl Protoplasma-Wesen anderes als – richtig:
Kreischende schöne Frauen?? Diese werden dann auch schön fleissig von Goto
aus der internen Irrenanstalt der benachbarten Klinik (remember: dort wo
sich die Patientinnen gegenseitig peitschen) entführt und herangeschleppt.
Natürlich ist der Zuschauer dann auch gespannt, zu sehen, was ich da denn
nun für eine schreckliche jungfernkauende Kreatur hinter der schwer
beschlagenen Verliestür befindet. Und letztendlich wird er auch nicht
enttäuscht. Die Enthüllung des Monsters ist grandiosestes Trash-Kino, vom
Feinsten!! Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, das MUSS man gesehen
haben!!!
Die Atmosphäre des Films ist wirklich unbeschreiblich: Schön stimmungsvoll
verwahrt Gotho die Leiche seiner Angebeteten in einem alten Folterkeller, in
dem sich in vergangenen Tagen Kreuzritter, Inquisitoren und Sex-Sekten die
Klinke in die Hand gegeben haben...
Plastikskelette, dickflüssiges Kunstblut, abgehakte Wachsköpfe, dutzende
Ratten, ein Mad Scientist mit brodelndem Reagenzglas-Labor, ein Folterkeller
– und natürlich: PAUL NASCHY !!! Horror-Herz, was willst Du mehr???
Einziger Kritikpunkt (abgesehen von den angekokelten Ratten, die hoffentlich
nachher gelöscht wurden): Wo war Herbert Fux zur Entstehungszeit des
Films??? Er hätte sich (am besten mal wieder als umtriebiger Leichendieb)
wahrlich ideal in das Gesamtbild eingefügt und den ohnehin schon enormen
Kultfaktor in vollendst göttliche Dimensionen katapultiert... Wohl
noch nie kam einem die Spielzeit (die mit gerade mal 76 Minuten ohnehin
schon sehr knapp bemessen ist) so dermaßen kurzweilig vor, wie bei dieser
„Stunde“. Entertainment at it’s best!!!
Fazit: Paul Naschy in Top-Form!! Ein Juwel von einem Film, das jeder
Horror-Fan kennen sollte!!! Dieser Klassiker lässt jeden Filmabend zum
Freudenfest werden!!! |