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Durch die Blume gefickt...
Wenn Henry Silva in einem Italo-Film aus den 70er Jahren mit einem
Köfferchen durch die dunklen Flure eines Hauses streicht, ist in ca. 99 %
der Fälle davon ausgehen, dass der werte Herr mit einem der markantesten
Gesichter der Filmwelt nichts Gutes im Schilde führt.
Glücklicher Weise ist der Beginn von "Der Teufel führt Regie" so
ein Fall. Besagter Herr Silva, abgebrüht wie wir ihn kennen und lieben, hat
nämlich nichts besseres zu tun, als mit dem Inhalt des Köfferchens, einem
Multifunktionsgewehr mit effektiver Knallfroschmunition, ein Porno-Kino samt
Klientel in Schutt und Asche zu zerlegen. Ein Feminist mit durchschlagenden
Argumenten? - Mitnichten!! (mal abgesehen von den "durchschlagenden
Argumenten"...). Das Pornokino ist nämlich nicht so ein x-beliebiges
Bahnhofsviertel-Programmkino, wie man sie noch vor einiger Zeit in
Großstädten regelmäßiger antreffen konnte, als einen funktionierenden
Fahrkartenschalter. In diesem Pornokino wird Sünde noch großgeschrieben!!
Hier hat nämlich die Mafia ihre Hoden äh... Hände im Spiel. Da will das
illustre Publikum von der Leinwand mit skandinavischen Schlampen verwöhnt
werden, die auch "ohne Netz im Zirkus auftreten könnten". Und
zwar sofort!!
So verwundert es also kaum, dass der gestresste Filmvorführer mit
25-Dioptrin-Glasbausteinbrille und mehr braun als weißem Feinripp-Unterhemd
auch mal auf seine Frage, ob er denn nicht noch wenigstens Zeit für einen
Kaffee habe, die nette und ebenso aussagekräftige Antwort:
"Arsch!" bekommt. Knapp, präzise und prinzipiell alles sagend!!
Nachdem Henry auf seine Art "Por- NO" gesagt hat, setzt dann die
Musik ein. Rockige E-Gitarren, jäh unterbrochen von etwas wirrem jazzigen
Klaviergeklimper. Sehr strange... Leicht gewöhnungsbedürftig zunächst.
Doch der Soundtrack schwenkt alsbald um in sehr schönen typischen
Italosound. Komponiert wurde das ganze übrigens von Luis Enríquez Bacalov,
der ja u.a. auch die Di Leo Filme "Auge um Auge" (La Città
sconvolta: caccia spietata ai rapitori, Italien, 1975) oder "Milano
Kaliber 9" (Milano Calibro 9, Italien, 1971) musikalisch verzierte.
Quentin Tarantino bekundete letztlich noch seine Verehrung für Bacalov,
indem er ihn darum bat, den Score für seinen "Kill Bill"-
Zweiteiler (USA, 2003 / 2004) zu komponieren.
Zurück zum Film. Henry, als Auftragsmörder Lanzetta, kann seinem Big Boss
per Telefon die freudige Nachricht seines Kinobesuchs übermitteln. Wie es
sich für einen Mafiafilm gehört, erfolgt dieses selbstverständlich
verschlüsselt, ja im wahrsten Sinne des Wortes durch die Blume gesagt:
"Blumen abgeliefert. Der Strauß hatte 10 Blumen". Als nächstes
präsentiert man uns nun eine Leichenhalle in einem Hospital. Dort sind
gerade die Leichen bzw. deren zer-SILVA-ten Überreste für Presse, Polizei
und Angehörige aufgebart. Dabei lernt man einiges über italienische
Trauergepflogenheiten kennen. Kommissar Torri tritt herein. DAS muss also
jetzt der Held der Geschichte sein. So einfühlsam, wie er Presseleute und
Angehörige aus dem Saal scheucht. "Ich kann Dein Gejammer nicht mehr
hören. Verschwendete Tränen!", ist sein treffender Kommentar zum
Bruder eines Ermordeten, der gerade irgendetwas von "Gedärmen"
und "Rache" faselt.
Hmm... Irgendwie entpuppt sich der Kommissario allerdings im Laufe der Zeit
doch eher als korrupter Speichellecker, auch das durch theatralische Gestik
etwas an Pantomime erinnernde Mimenspiel von Darsteller Gianni Garko lassen
den Verdacht aufkommen, dass Kommissario Torri dann doch nicht wirklich die
Identifikationsfigur des Films sein dürfte.
Aber wer denn dann? Henry Silva, als Lanzetta natürlich!! Loyal,
pflichtbewusst, adrett gekleidet. Okay, der Vorfall mit dem Pornokino.
Schwamm drüber, waren sicherlich viel bösere Leute da drinnen. Außerdem
entpuppt sich Lanzetta ja nun im weiteren Verlauf des Films als wahrer
"Gentleman", schließlich darf er die Tochter seines Paten aus den
Klauen ihrer Entführer befreien. Rina Daniello heißt die junge Dame.
Ihr Name stammt offensichtlich aus dem Nymphomanischen und bedeutet
ungefähr soviel wie: "Wenn Du schon nichts zu rauchen hast, dann fick
mich wenigsten!". Sie vertreibt sich dann auch ihre langweilige
Geiselhaft mit "Pimpern und Besoffensein" und lässt sich erst mal
auf einen Gangbang mit ihren Entführern ein. Kaum von Silva befreit (der
Strauß hatte vier Blumen...) und in seine Wohnung verfrachtet, beginnt die
Lady dann auch gleich, sich in Silvas Bett vor einer Pinwand mit Fotos
barbusiger Schönheiten die Bettdecke vom Leib zu sleazen. Unser tapferer
Mafioso versucht ihr zunächst noch zu widerstehen, schmeißt Ihr allerlei
schmutzige Wörter und schließlich auch die flache Hand an den Kopf.
Letztendlich gibt er ihrem Gebalze dann aber doch nach, schließlich ist er
ja ein "richtiger Mörder", der der tugendlosen Dame noch auf
ihrer "Liste" fehlt. Die Szenen mit Antonia Santilli, die
den Nymphensittich Rina spielt, sind einfach unglaublich!! Ein derart
vulgäres, versoffenes und sexgieriges Entführungsopfer dürfte wohl bis
dato einmalig in der Filmgeschichte sein.
Lanzetta ist zwar als Killer eigentlich ein Bösewicht, dennoch stellt er
den tragischen Helden der Geschichte dar. IHM, der sich urplötzlich im
Fadenkreuz aller Parteien, Mafiaclans wie Polizei wiederfindet drückt man
die Daumen. Denn Lanzetta ist nicht nur äußerst cool, sondern auch noch
ausgesprochen clever. Geschickt spielt er seine Gegner gegeneinander aus,
erahnt ihre Schachzüge, schaltet sie aus.
Immer wenn "Florist" Lanzetta seine Sträuße herrichtet, ist
anschließend ein Besuch bei Salvatore fällig. Salvatore ist nämlich ein
aufgeweckter Bursche mit einem Ofen und einer Latzhose. In Zeiten teurer
Energieträger (man bedenke den Zeitpunkt der Entstehung des Films:
Stichwort Ölkrise!!) hat er keine Probleme mit steigenden Heizkosten: Er
verfeuert die Opfer von Lanzetta. Ob tot oder lebendig ist dabei für den
Brennwert unerheblich.
Und eines sei gesagt: Salvatore hat im Laufe der Handlung die Bude stets
warm...
Entgegen dem Titel führte hier nicht der Ziegenfuß aus dem Fegefeuer die
Regie, sondern niemand geringeres als Fernando Di Leo, der die Filmwelt mit
Beiträgen wie "Der Mafia-Boss" (La Mala Ordina, Italien, BRD,
1972) oder dem sleazigen "Triebmörder" (La Bestia uccide a sangue
freddo, Italien, 1971) verschönerte. Nachdem ihn schon zu Lebzeiten die
Filmwelt aufgrund seiner Werke verehrte, dürfte ihm nach seinem Tod 2003
nun sowohl Himmel als auch Hölle zu Füßen liegen.
Das deutsche Tape von Sunset Video ist leider in einigen Handlungsszenen
gekürzt.
Fazit: Fernando Di Leo's Meisterwerk des Mafiafilms. Hart, sleazy und
gemein. Henry Silva putzt sie ALLE weg!! |