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Vampir Vic (Paul Popowich) hat langsam aber
sicher genug von seinem Dasein als Blutsauger. Immer, wenn er ein hübsches
und nettes Mädchen kennen lernt und sich mit diesem anfreundet, meldet sich
irgendwann der Fluch seiner Art zu Wort und er ist gezwungen, seinen
Blutdurst zu stillen. Vic fürchtet, dass er seinen größten Traum von
einem schönen Haus und einer netten Familie niemals erfüllen kann und
schließt sich deshalb dem Club der anonymen Vampire an, wo er auf
Blutsauger mit dem gleichen Problem trifft und sogleich von Geno (Michael
Madsen) unter dessen Fittiche genommen wird. Wie alle anderen muss Vic einen
individuellen Fragebogen ausfüllen, der erschließen soll, welcher Ersatz
für Menschenblut am Besten für ihn geeignet wäre. Es stellt sich heraus,
dass Schafsblut in Vic's Fall die bestmögliche Alternative wäre, weshalb
er sich kurz darauf in ein, für seine vielen Schafzuchten bekanntes,
Kleinstadtnest in North Carolina begibt.
Inmitten von verblödeten Hinterwäldlern, selbsternannten Sheriffs und
brutalen Rowdys ist das Leben für einen Vampir auf Entziehungskur
allerdings nicht gerade einfach. Als sich Vic dann auch noch in die
Verkäuferin Maggie (Nicole Forester) verliebt und zudem eine gefürchtete
Vampirjägerin in der Stadt auftaucht, droht die Situation endgültig aus
den Fugen zu geraten... |
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Vampire bevölkern nun schon länger als ein
halbes Jahrhundert die Kinoleinwände und Fernsehschirme, da ist es klar,
dass den Drehbuchautoren aller Welt irgendwann die Ideen für frisches
Material ausgehen. So kommt es vielleicht, dass die Blutsauger in den
letzten Jahren immer mehr entmystifiziert und an die heutige Zeit angepasst
wurden. Die Vampire der Moderne sind cool und längst keine einsamen Grafen
mehr, weg von den alten Schauergeschichten und auf zu flotter Action heißt
neuerdings die Devise. Auch Regisseur Michael Keller, der gemeinsam mit J.P.
Srinivasan auch das Drehbuch schrieb und das Projekt produzierte, entschied
sich dazu, die Untoten in seinem Regiedebüt "Vampires Anonymous"
etwas anders darzustellen, als wir sie sonst kennen. Obwohl es sich bei
alledem um ein B-Movie aus dem Independentsektor handelt, ist Michael Keller
kein absoluter Neuling im Filmgewerbe, war er doch schon des öfteren als
Regieassistent tätig, unter anderem bei dem namenhaften Drama
"American History X".
Dass es sich bei "Vampires Anonymous" nicht gerade um einen
wirklichen Horrorfilm handelt, darüber gibt schon das mehr als
Genre-untypische Filmcover Aufschluss. Und tatsächlich werden all jene, die
in dem Ganzen einen althergebrachten Vampirfilm erwartet haben, schon nach
wenigen Minuten enttäuscht feststellen, dass sie in einen Fehlkauf
investiert haben. Denn schon die Grundidee des Films ist so absurd und
komisch zugleich, dass sie einfach funktionieren muss - wenn auch nicht als
Horrorfilm. Das muss aber auch nicht sein, denn Keller beweist mit seinem
Regie-Einstand, dass man mit etwas Mut zum Risiko auch durchaus eine
neuartige Idee passabel umsetzen kann. Mittelpunkt des Streifens ist der
Vampir Vic, der die Schnauze von seinem verfluchten Dasein endgültig voll
hat und einfach nur ein ganz normales Leben führen möchte. Deshalb begibt
er sich zu einer Sitzung der anonymen Vampire, die sein Leben von Grund auf
umkrempeln sollen.
Dass das leichter gesagt als getan ist, versteht sich von selbst. Bis Vic
sein Ziel erreicht hat und sein Dasein als friedlicher Blutsauger fristen
kann, muss er erst einmal ein mühseliges 12 Schritte Programm durchlaufen,
das die komplette Handlung des Films durchzieht. Der Streifen ist in
kleinere Abschnitte gegliedert, die sich alle mit einem jeweiligen Schritt
befassen, so zum Beispiel "Admit You Have A Problem", "Deal
With The Sun", "Apologize to those you've Maimed, Killed, or
Debaucherized" und ganz wichtig: "Beware The Sheep Shagger".
Der etwas andere Vampirfilm besticht in erster Linie durch seine verrückte
Story, denn von der Inszenierung sollte man sich nicht all zu viel erhoffen.
Es handelt sich trotz der Teilnahme von Michael Madsen nämlich noch immer
um ein günstiges B-Movie, das auch wirklich nur für Sympathisanten dieser
Filmrichtung zugänglich ist. Obwohl das Geschehen stets souverän in Szene
gesetzt wurde, und "Vampires Anonymous" auch mit einigen
größeren Effekten und sogar Explosionen aufwartet, werden sich
Mainstream-Konsumenten wohl nicht mit dem billigen anmutenden Look und der
simpel gestrickten Herangehensweise des Regisseurs anfreunden können.
Es ist schon erstaunlich, dass ein Werk mit einer derartigen Handlung
überhaupt verfilmt wurde, jedoch kann man sich schnell denken, in welche
Richtung das Ganze sich bewegen wird. Obwohl ein direkter Vergleich nicht
möglich ist, kamen mir immer wieder mal Parallelen zur
Independet-Filmschmiede Troma in den Sinn, denn trashig ist auch
"Vampires Anonymous" enorm. Zwar nicht an allen Ecken und Enden,
doch zumindest was die Charaktere anbelangt, muss man sich schon fragen,
welches Gras die Verantwortlichen da bei der Inszenierung geraucht haben.
Die Bewohner der kleinen Stadt irgendwo in North Carolina werden als absolut
verblödete, Schafe-poppende Vollidioten dargestellt, so dass man sich nicht
wundern darf, dass einige Späße schon sehr dämlich rüberkommen. Wie
erwähnt, eine Affinität zum B-Movie ist hier schon von Nöten, ansonsten
wird man schnell Opfer eines bösen Erwachens.
Auch ich benötigte meine Zeit, um mich in den Streifen einzufinden, doch
sobald man sich mit dem Hauptcharakter angefreundet hat, stellt das kein
Problem mehr dar. Vic ist überaus sympahtisch angelegt und so folgt man
seinem schwierigen Pfad zum freundlichen Blutsauger bereitwillig, zumal sich
die Spannung bei fortwährendem Verlauf des Geschehens auch mehr und mehr
bemerkbar macht. Nicht nur, dass eine äußerst gefährliche und tödliche
Vampirjägerin in der Stadt eintrifft, Vic hat zudem seine Probleme mit der
Liebe, ganz zu schweigen natürlich von verblödeten Redneck-Rowdys, die
nicht viel von Schönlingen halten, die bei strahlendem Sonnenschein mit
einem schwarzen Regenschirm durch die Gegend spazieren. Obwohl
"Vampires Anonymous" nicht unbedingt fesselt, ist es doch
interessant zu verfolgen, wie sich Vic in dem verschlafenen Dörfchen
anstellt und ob es ihm gelingt, sein 12 Schritte Programm durchzuführen. So
ganz vergessen werden die treuen Vampirfans dabei natürlich nicht, denn ab
und an geschieht Vic schon einmal ein "Ausrutscher", das heißt er
darf auch mal seine Eckzähne blecken und für den einen oder anderen
Blutverlust sorgen - was stets annehmbar in Szene gesetzt wurde. Für
Splatterfans ist der Streifen dennoch absolut ungeeignet, denn bis auf
gelegentliches Aussaugen gibt es hier nichts zu sehen.
Die Schauspieler agieren, zumindest in den wichtigen Hauptrollen, sehr
zufriedenstellend. Paul Popowich war sicherlich die richtige Wahl für die
Rolle des unglücklichen Vampirs, da er nicht nur die nötige Verzweiflung
ausstrahlt, sondern optisch auch einiges hermacht und zudem absolut
sympathisch erscheint. Des weiteren dürfen wir noch einen seit langer Zeit
wieder mal sehr gut aufgelegten Michael Madsen bewundern, der sich zwar nur
noch in derartigen Billigmovies herumzuschlagen scheint, hin und wieder aber
dennoch mal zu einer Topform aufläuft. In die Rolle des Geno passt er wie
die Faust aufs Auge, er gibt den vollbärtigen Vampir in teuren Anzügen,
der nebenbei noch in der Mafia tätig ist, auf eine für ihn typisch coole
Art. Sonst lässt sich allerdings nur wenig positives zu den Darstellern
sagen, für die dummen Rednecks war ein unbeholfenes Herumblödeln vor der
Kamera wohl vorgesehen, während manche der wichtigen Nebendarsteller neben
dem tollen Paul Popowich schier verblassen.
"Vampires Anonymous" hat mich deshalb zufriedengestellt, da ich
das bekommen habe, was ich erwartete und mir den negativen Aspekten schon im
Voraus bewusst war. Die Geschichte um einen eigentlich gutherzigen Vampir,
der durch ein 12-Schritte Programm sein Leben ändern möchte, wurde
unterhaltsam, aber kostengünstig und ohne all zu viele Höhepunkte
inszeniert. Etwas schade ist, dass der Streifen wohl doch keine reinrassige
Komödie sein wollte, denn richtig lustige Momente sind rar gesät, dafür
wird der Unterhaltungswert aber immer auf einem ordentlichen Niveau
gehalten. Wer gerne mal B-Movies sieht und auch nichts gegen etwas
ungewohnte Vampire einzuwenden hat, dem sei dieser Film ans Herz gelegt,
alle anderen sollten aber Distanz wahren. |