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Vor 15 Jahren kam es
zu einem unvorstellbar schrecklichen Ereignis, welches das Leben der vier
Freunde Wyatt (Adam Kaufman), Otis (Michael C. Williams), Duke (Brad William
Henke) und Cody (Paul McCarthy-Boyington) für immer verändern sollte. Als
Jugendliche wurden sie von Aliens entführt, die über Tage hinweg grausame
Experimente an ihnen ausübten und sie schwer traumatisiert wieder auf die
Erde brachten. Auch heute noch macht die Erinnerung an das Geschehene ein
normales Leben für die Vier unmöglich. Duke greift regelmäßig zur
Flasche, Cody geriet auf die schiefe Bahn und wurde erst kürzlich wieder
aus dem Knast entlassen, Otis legt schwere Verhaltensstörungen an den Tag.
Wyatt ist der Einzige, der die Ereignisse, so gut es ihm möglich war,
verdrängen konnte und nun ein einigermaßen geregeltes Leben mit seiner
Frau Hope (Catherine Mangan) führt.
Der
Gedanke an Rache lässt Duke, Otis und Cody nicht los und so begeben sie
sich bereits seit Jahren regelmäßig zu der alten Farm, von der sie einst
entführt wurden. Inständig hoffen sie darauf, eines Tages noch einmal
eines der Aliens zu Gesicht bekommen, um es mit speziellen Vorrichtungen
fangen und töten zu können. Auf diese Weise erhoffen sich die Männer,
endlich von ihren Traumata befreit werden zu können. Und tatsächlich
gelingt es ihnen, nach jahrelangem Warten, einen der Außerirdischen zu
fangen, den sie kurzerhand zu Wyatt bringen. Der ist überhaupt nicht
erfreut, seine ehemaligen Freunde mit einer derartigen Überraschung im
Gepäck zu sehen, lässt sie aber dann doch herein. Schnell kommt es zu
Streitereien innerhalb der Gruppe, wie bestenfalls weiter zu verfahren ist.
Wyatt warnt ausdrücklich davor, das Alien zu töten, denn dies könne
dessen Artgenossen auf den Plan rufen und eventuell eine ganze Invasion der
Außerirdischen heraufbeschwören. Als sich Cody mit einem fleischfressenden
Virus infiziert und Hope unter den telekinetischen Einfluss des
Außerirdischen gerät, läuft die Situation schon bald aus dem Ruder... |
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Ganze neun Jahre ist
es nun schon wieder her, seitdem ein revolutionärer Horrorfilm mit dem
Titel "The Blair Witch Project" dank einer perfekt ausgeklügelten
Werbestrategie für Schlagzeilen sorgte und dadurch zum Kassenhit
avancierte. Es wurde damals behauptet, es handele sich bei dem Werk um
zufällig gefundenes Material, auf dem die letzten Tage dreier Studenten zu
sehen sind, die in den Wäldern Marylands einen unerklärlichen Tod fanden.
Heute weiß man natürlich, dass alles nur ein perfekt inszenierter
Promotiontrick war, für den man den Beteiligten allesamt Tribut zollen
muss. Um so mehr verwundert es, dass sich Regisseur Eduardo Sánchez ganze 6
Jahre Zeit ließ, bevor er an ein neues Projekt herantrat. Mit Universal als
Geldgeber konnte Sánchez ein vielversprechendes Drehbuch von Jamie Nash
umsetzen und brachte 2006 schließlich den Horrorstreifen
"Altered" auf den Markt.
Wer sich nun etwas
in der Richtung von "Blair Witch Project" erhofft, wird sehr
schnell feststellen, dass Eduardo Sánchez den Handkameras und auf real
getrimmte Geschichten den Rücken gekehrt hat und mit "Vergeltung"
einen handelsüblichen Horrorfilm ohne irgendwelchen Schnickschnack liefert.
Dennoch durfte man gerade bei einem derartigen Regisseur sehr gespannt sein,
ob er das Niveau seines sehr bekannten und erfolgreichen Debuts halten
konnte - "Vergeltung" enttäuscht in dieser Hinsicht absolut
nicht. Im ersten Moment glaubt man zwar, Sánchez hätte mit seiner
Alien-Thematik einen Griff ins Klo getätigt, doch diese Zweifel
verflüchtigen sich bereits nach wenigen Filmminuten. Der Horrorfan bekommt
hier eine Erzählung geboten, die sich nur schwer mit sonstigen, zu großen
Teilen unfrewillig-trashigen, Alienfilmen vergleichen lässt.
"Vergeltung" bietet absolut düsteres, ernstzunehmendes und
atmosphärisch dichtes Horrorkino mit nur wenigen Schwächen.
Der Einstieg wird
dabei sehr leicht gemacht. Ohne irgendwelchen Erklärungen einer
Vorgeschichte oder sonderlicher Charaktereinführung wird der Zuschauer
mitten in die Alienjagd von Otis, Duke und Cody geworfen. Alles Wissenswerte
erschließt sich schnell aus Dialogen, dank seines raschen Einstiegs behält
der Streifen seine Glaubwürdigkeit. Die Aliens sind hier keine kleinen,
lustigen, grünen Männchen, sondern brutale, gnadenlose und visuell
erschreckende Monster, deren Ursprung und Herkunft nie erklärt wird. Der
Zuschauer erfährt genau so viel wie die vier Protagonisten, welche in
erster Linie mit ihrem inneren Konflikt beschäftigt sind, an dem das
Publikum demzufolge auch teilhaben wird.
"Vergeltung"
braucht nicht sonderlich lang, um in die Gänge zu kommen, so dass man sich
sehr schnell in Wyatt's Gerage wiederfindet, wo die vier Freunde den
Außerirdischen zuerst auf einem Tisch festspannen, um dann ihr weiteres
Vorgehen zu besprechen. Doch dabei kommt es sehr schnell zu Konflikten
innerhalb der Gruppe, insbesondere zwischen der tumben Hillbilly Cody und
dem rationalen, vorsichtigen Wyatt. "Vergeltung" entwickelt sich
alsbald zu einem Kammerspiel erster Güte. Beinahe die komplette Spielzeit
über spielt sich das Ganze stets vor den selben Kulissen, innerhalb des
Hauses ab, doch Langeweile kommt dadurch nie auf, im Gegenteil. Durch den
konstant oben gehaltenen Spannungsgrad und die immer ausweglos scheinendere
Situation kann man sich der Geschichte schon frühzeitig nicht mehr
entziehen.
Obwohl die vier
Protagonisten das Alien gefesselt haben, sind im Grunde sie es, die in der
Falle sitzen. Durch telekinetische Gedankenmanipulation und übertragbare
Viren dezimiert der Außerirdische die Gruppe nach und nach, während Wyatt
sich sicher ist, dass sie mit einer Invasion zu rechnen hätten, würden sie
die monströse Kreatur töten. Die Situation scheint von Minute zu Minute
auswegloser, die Atmosphäre verdichtet sich immer mehr. Durch die
beengenden Kulissen und dem steten Zerfall der Gruppe wird die Hilflosigkeit
und Panik der Vier sehr schnell deutlich. Auch an Ekeleffekten, die es
wirklich in sich haben, wurde dabei nicht gespart. So darf der
Außerirdische in einer Sequenz beispielsweise Tauziehen mit den Eingeweiden
seines wimmernden und sich vor Schmerzen krümmenden Opfers spielen,
während ein anderer dabei zusehen muss, wie sich sein Fleisch langsam von
den Knochen schält. Operationen an offenen Leibern und detaillierte Wunden
in Nahaufnahmen sorgen zudem dafür, dass man sich "Vergeltung"
nur mit starken Nerven ansehen sollte.
Die Inszenierung
weist keinerlei Schwächen auf. Das Alien sieht optisch durchaus ansprechend
aus und wirkt wie ein glaubhaftes, bedrohliches und unberechenbares Monster.
Die Sound-Untermalung von Tony Cora und Exiquio Talavera ist an dieser
Stelle ebenfalls zu nennen, ist diese doch absolut gelungen und kratzt
stellenweise erheblich am Nervenkostüm des Zuschauers. Von den
Schauspielern her hätte es des weiteren keine besseren Besetzungen geben
können. Michael C. Williams, den man noch aus "Blair Witch
Project" kennt, macht seine Sache als verschüchterter und permanent
ängstlicher Otis fabelhaft, Paul McCarthy-Boyington gibt hingegen ebenso
glaubhaft den Redneck, der das Alien trotz den Warnungen Wyatt's um jeden
Preis töten möchte. Dieser letztendlich wird gespielt von Adam Kaufman und
scheint auf unerklärliche Weise bestens über die Aliens bescheid zu wissen
und war vor 15 Jahren auch derjenige, der am Längsten auf deren Schiff
gefangen gehalten wurde. Kaufman liefert eine absolut authentische,
glaubhafte Darstellung.
"Vergeltung" ist der perfekte Beweis dafür, dass sich
Horrorfilme, welche sich der Alien-Thematik annehmen, nicht zwangsweise in
niedere Trash-Gefilde abrutschen müssen. Was uns "Blair Witch
Project" - Regisseur Eduardo Sánchez hier stattdessen vorsetzt, ist
ein fieses, unberechenbares und atmosphärisch hochwertiges Kammerspiel, das
zudem mit einigen denkwürdigen Gore- und Ekeleffekten garniert wurde. Die
Aufmerksamkeit eines "Blair Witch Project" wird
"Vergeltung" zwar nie bekommen, dennoch sollte jeder Horrorfan
diesem Werk eine Chance geben. |