|
Die Weltbevölkerung
wird von einem neuartigen Virus überschwemmt, dem selbst die besten
Forscher und Ärzte ratlos gegenüberstehen. Was sich zuerst nur in Asien
ausbreitet, greift kurz darauf auf die die gesamte Welt über: Menschen
geraten in eine Art Wachkoma und fallen, offensichtlich nicht mehr Herr
ihrer Sinne, über ihre Mitmenschen her um sich an deren Fleisch zu
sättigen. "The Zombie Diaries" erzählt die Geschichten dreier
verschiedener Gruppierungen, die, jeweils mit Handkameras ausgestattet, zu
unterschiedlichen Zeitpunkten Zeugen des Ausbruchs werden und die
Geschehnisse festhalten.
- Zu Beginn der
Epidemie reist eine Crew junger Dokumentarfilmer in eine ländliche Gegend,
um dort den Fortschritt des Ausbruchs festzuhalten und die Bevölkerung zu
interviewen. Dabei stoßen sie alsbald auf die ersten Untoten.
- Einen Monat
später begeben sich ein paar Überlebende in eine Provinz, um dort ihren
Proviant aufzustocken. Dabei werden sie von zahlreichen Zombies überrascht.
-
Der letzte Mitschnitt verfolgt den verzweifelten Überlebenskampf einer
Gruppe Menschen, die sich auf einem Bauernhof zu verbarrikadieren versucht. |
|
Als "The Blair
Witch Project" im Jahr 1999 erschien, hätte zum damaligen Zeitpunkt
wohl niemand damit gerechnet, dass der Film beinahe ein Jahrzehnt später
als großes Vorbild einer vollkommen neuen Kategorie des Horrorfilms dienen
würde. Realismus ist neuerdings angesagt, denn was schon bei der Suche
dreier Studenten nach einer Hexe in den Wäldern Marylands funktionierte,
muss doch auch bei größeren Produktionen machbar sein. So setzen unter
anderem die aktuellen Streifen "Cloverfield", "[Rec]"
und "Diary of the Dead" auf Handkameras, scheinbare
Amateur-Verhältnisse und Authentizität. Das Resultat ist dabei nicht immer
jedermanns Sache, doch auf alle Fälle hat man damit eine weitere Nische des
Horrorfilms entdeckt, die mit Sicherheit vor allem in der nahen Zukunft von
vielen weiteren Filmemachern erkundet wird.
Den Anfang machen
dabei einige Low-Budget-Filmer aus Großbritannien, deren erstes Projekt,
"The Zombie Diaries", nicht nur zufällig an George Romero's
neusten Teil der "Dead"-Reihe erinnert. Genau wie in "Diary
of the Dead" schicken Kevin Gates und Michael Bartlett, die hierbei
Regie führten, das Drehbuch schrieben, als Produzenten in Erscheinung
traten und sich für den Schnitt verantwortlich zeichnen, ein paar junge
Leute mit Handkameras bewaffnet gegen eine Horde Untoter, wobei das Resultat
ein Höchstmaß an Realismus garantieren soll. Den Verantwortlichen darf
dabei sicherlich ein sehr gute Idee attestiert werden, da man gerade bei
dieser Art von "Fake-Doku-Horror" vieles in den Kasten bringen
kann, was bei einer herkömmlichen Methode undenkbar wäre. Defizite, wie
etwa schlechte Schauspieler oder fehlende Effekte, lassen sich im
Problemfall einfach unter dem Deckmantel des Realismus verhüllen.
Schließlich und
letztendlich soll der Zuschauer das Gefühl erhalten, das alles, was in
"The Zombie Diaries" zu sehen ist, die Aufnahmen von
Amateurfilmern sind, denen diese Mitschnitte während einer Zombie-Epidemie
gelangen. An und für sich ist das Resultat, gemessen an dem kleinen Budget
der Crew, nicht einmal zu verachten. "The Zombie Diaries" könnte
sicherlich vielen anderen Low-Budget-Regisseuren als Vorlage für eine
ordentliche Erstproduktion dienen, auch wenn das Werk einem Vergleich mit
"Diary of the Dead" natürlich nicht standhalten wird. Wenn man
bedenkt, dass Romero bereits mit wenig finanziellen Mitteln filmte, dann
darf "The Zombie Diaries" quasi als die noch günstigere
Low-Budget-Kopie eines Low-Budget Films betrachtet werden.
Das Problem des
Film ist allerdings nicht einmal die Finanzierung oder die Inszenierung an
sich, sondern vielmehr die höchst seichte Story. Die Idee, das Ganze zu
einem Episodenfilm, bestehend aus drei unterschiedlichen Storys, die sich
dann am Ende überkreuzen, werden zu lassen, war dabei nicht einmal die
schlechteste. Blöderweise bringen die einzelnen Geschichten jedoch nicht
genügend Abwechslung mit, so dass sich das Geschehen oftmals wiederholt,
zudem muss sich der Zuschauer im Verlauf des Films einfach mit zu vielen
Charakteren anfreunden, die sich allesamt nicht großartig voneinander
unterscheiden, worunter schnell der allgemeine Überblick leidet. "The
Zombie Diaries" verspricht durch drei unterschiedliche Geschichten zwar
Kurzweiligkeit, kann diese aber dadurch, dass stets etwas Ähnliches
passiert, nicht wirklich einhalten.
Für
hollywoodverwöhnte Horrorfans ist "The Zombie Diaries"
ungeeignet, wer jedoch bereits Erfahrungen im Low-Budget Bereich sammeln
durfte, wird von diesem Werk sehr passabel unterhalten werden. Die
Zombie-Masken sehen überraschend gut aus, die großteils unbekannten
Darsteller agieren überzeugend und die Inszenierung via Handkamera tut ihr
Übrigens, dass man dem Film seinen Realismus abkaufen kann. Als
enttäuschend muss dafür der Gore-Level betrachtet werden, denn bis auf
einige blutige Erschießungen und eine altbekannte Fress-Szene hat "The
Zombie Diaries" kaum etwas zu bieten.
"The Zombie
Diaries" bietet vor allem für Low-Budget-Sympathisanten und
Zombie-Allesseher eine ordentliche Alternative zum derzeit um sich
greifenden Einheitsbrei. Der Film, der den Fußstapfen von "Diary of
the Dead" und "The Blair Witch Project" folgt, schafft es,
eine einigermaßen glaubhafte Atmosphäre entstehen zu lassen, auch wenn man
in diesem Bereich definitiv schon spannenderes sehen durfte. Auch der
geringe Gore-Anteil, die wenig überraschende Story und die unüberschaubare
Anzahl von Charakteren ändern nichts an der Tatsache, dass man "The
Zombie Diaries" Low-Budget-geneigten Genrefans durchaus ans Herz legen
kann. Von einem Kauf ist allerdings abzuraten, ein einmaliges Ansehen ist
hierbei ausreichend.
|