Yeti - Der Schneemensch

OT: The Abominable Snowman
ca. 86 Minuten
GB 1957
 
Regie
Val Guest
Darsteller
Forrest Tucker
Peter Cushing
Maureen Connell
Richard Wattis

u.a. 
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Dr. John Rollason (Peter Cushing) ist mit seiner Frau Helen (Maureen Connell) in ein tibetanisches Kloster gereist, um die dortige Pflanzenwelt zu studieren. Schnell muss Helen allerdings herausfinden, dass dies nicht der einzige Grund für die gemeinsame Reise nach Tibet war. Als nämlich ein Expeditionstrupp unter der Leitung von Tom Friend (Forrest Tucker) auftaucht, erfährt Helen, dass John mit Tom und seinen Männern nach dem legendären Yeti suchen möchte. Obwohl sie sich entschieden dagegen ausspricht, lässt sich John von seinem Vorhaben nicht abbringen.

Der Aufstieg auf den Himalaja gestaltet sich wie zu erwarten war schwierig, und als der eher unerfahrene Bergsteiger Andrew McNee (Michael Brill) auch noch in eine Bärenfalle tritt, steht die Gruppe vor einem weiteren Problem. Es bleibt jedoch keine Zeit, lange darüber nachzudenken, denn kurz darauf gelingt es Tom und seinen Männern tatsächlich, einen Yeti aufzuspüren und zu töten. Mit dem Kadaver wollen sie eine weitere Kreatur anlocken und fangen, doch der Plan geht schief...



 

Wenn man an die frühen Vertreter des Horrorfilms denkt, dann fällt einem nach den Universal-Studios sofort eine andere Produktionsschmiede ein, die sich wohl so ziemlich jedem Thema angenommen hat, was das Horror-Reportaire hergab. Zu den bekanntesten Gesichtern der britischen Hammer-Filmen zählen insbesondere Christopher Lee und Peter Cushing, die beinahe in jeder größeren Horrorproduktion von Hammer mit von der Partie waren. Ich persönlich konnte mit dem Streifen "Das schwarze Reptil" schon einmal gute Erfahrungen mit Hammer sammeln und erwartete von "Yeti - Der Schneemensch" vermutlich einen ähnlichen Unterhaltungswert. Diesen kann er jedoch nicht bieten, denn "The Abominable Snowman", so der Originaltitel, schlägt einen anderen Kurs als die typischen Hammer-Horrorfilme ein, in denen Aristokraten, dunkle Schlösser und der typische britische Gothic-Stil beherbergt waren. "Yeti" ist vielmehr ein Abenteuerfilm mit einigen gesellschaftskritischen Untertönen, was ich in dieser Form nicht erwartete.

Die Inszenierung des Ganzen war dabei die Aufgabe von Val Guest, der außerdem zusammen mit Nigel Kneale das Drehbuch schrieb. Kneale wiederum schrieb zuvor das Script zu der Serie "The Creature", auf der "Yeti - Der Schneemensch" basiert. Val Guest seinerseits war in seiner Karriere für eine Vielzahl an Filmen verantwortlich, die sich hierzulande jedoch in den meisten Fällen keiner all zu großen Bekanntheit erfreuen. Lediglich das Original von "Casino Royale" dürfte sicher vielen Filmfans, insbesondere den James Bond Anhängern, ein Begriff sein.

Dass "Yeti - Der Schneemensch" mit einem eher trägen Ablauf aufwartet, das offenbart sich bereits in den ersten 20 Minuten. Die Szenen in dem tibetanischen Kloster sind überaus dialoglastig und ziehen das Ganze bereits so früh zu Filmbeginn schon merklich in die Länge. Dem ersten und auch einzigen wirklichen Highlight darf man dann kurz darauf entgegenblicken, wenn die Gruppe die Besteigung des Himalaja antritt. Die prachtvollen Bergpanoramen wurden zum Teil in der Schweiz gedreht, während andere Sequenzen allerdings klar als Studiokulisse zu erkennen sind. Dennoch gehören die verschneiten, undurchdringlichen Berglandschaften ganz eindeutig zu den positiven Seiten des Films. Die Schwarzweiß-Optik tut ihr Übriges, um das Geschehen in den Bergen äußerst kalt, hilf- und orientierungslos aussehen zu lassen.

Nun möchte ich aber nicht um den heißen Brei herumreden, sondern offen gestehen, dass mich "Yeti - Der Schneemensch" über weite Strecken nur langweilen konnte. Wer sich den Film in Erwartung eines klassischen Grusel - bzw. Horrorfilms kauft, wird sehr schnell enttäuscht. Val Guest setzt hier vielmehr auf die Pracht seiner Kulissen und streut immer wieder mal längere Dialoge ein, die über die innerliche Verfassung der Charaktere Aufschluss geben. Die Yetis selbst haben nämlich nur äußerst selten ihre Auftritte, die wirklichen Konflikte spielen sich innerhalb der Gruppe ab, so wie dies meist bei Filmen dieser Art der Fall ist. Leider bietet "Yeti - Der Schneemensch" aber kaum Highlights oder spannendes, zum Gruseln ist hier höchstens der gewöhnungsbedürftige Look des Yetis am Filmende.

Irgendwann im Filmverlauf packt der Regisseur die Moralkeule aus und drischt sogleich munter drauflos. So wird die Frage in den Raum gestellt, ob nun wirklich die Yetis, oder nicht doch die Menschen die wahren Monster sind. "Yeti - Der Schneemensch" übt in einigen Szenen eine klare Gesellschaftskritik, wartet mit einigen interessanten Denkanstößen auf und bietet dadurch durchaus Diskussionsstoff. Das Problem dabei ist nur, dass der Streifen als Horrorfilm vermarktet wird und dies leider absolut nicht bieten kann. Was wir hier haben sind vielmehr innere Konflikte der Hauptakteure, die diese lösen müssen. Ob es die Yetis nun wirklich gab, oder ob letzten Endes doch alles nur Einbildung war, darüber wird man im Unklaren gelassen.

Die Schauspieler machen ihre Sache überaus zufriedenstellend. Insbesondere Peter Cushing in der Rolle des Wissenschaftlers, der das Wesen erforschen möchte, während Forrest Tucker als Tom Friend nur daran denkt, es zu töten, liefern sich interessante Wortduelle. Die Leistungen der Nebendarsteller fällt dabei kaum ins Gewicht, so präsent sind Tucker und Cushing.

"Yeti - Der Schneemensch" entsprach leider nicht meinen Erwartungen. Ich erwartete einen Monsterfilm und bekam eine Bergsteigergeschichte, gemischt mit etwas Gesellschaftskritik und einem Minimum an
Horror. Die wunderschön eingefangenen Berge sind ein Hingucker für sich, keine Frage, doch leider schafft es "Yeti - Der Schneemensch" kaum, Spannung aufzubauen. Stattdessen zieht sich die Handlung oftmals sehr träge dahin und kann einfach keine großartigen Highlights bieten. Meiner Meinung nach hätte man aus der Yeti-Thematik mehr machen können.

Review by Crapkeeper

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