Ein
kleines Kind von 14 Monaten erkrankt an einer Hirnhautentzündung,
welche es gut übersteht. In der Folgezeit wird das Kind von seinen
Eltern stark kontrolliert – In ihren Augen behütet. Und wenn es dann
mal nicht spurt, wird es vom Vater mit dem Gürtel verprügelt oder von
der Mutter an einen Stuhl gefesselt. Das Kind wird schließlich älter
und versucht als Halbstarker ein Mädchen zu vergewaltigen. Doch die
Richter werten den Fall nicht so schlimm. Erkennen nicht, dass es
Folterspuren gibt.
Dann
wird der Heranwachsende erwachsen. Zieht nach Berlin und taucht dort in
der Anonymität ab. Das Treiben der Großstadt nutzt er, um sich an
Frauen heranzuschleichen. Um das zu testen, was er eines Tages als
Serienmörder zur Vollendung bringt…
Der
oben stehende Text ist keinesfalls das Gespinnst eines phantasiereichen
Gehirns sondern ernsthafte Realität. Es ist der Fall des Günther
Jacoby (der Name wurde aufgrund des Persönlichkeitsrechts geändert),
welchen Autor und Kriminalist Stephan Harbort in seinem siebten Buch zum
Thema Serienmord, auf etwas über 300 Seiten wiedergibt.
Man
kann sich schon mit regelmäßiger Gewissheit darauf einstellen, dass ein
neuer Harbort erscheint. Viele Leute, die der Autor mit seinen
Buch-Erscheinungen in seinen Bann gezogen hat, warten schon mit großer
Erwartung auf ein neues Exemplar. Und man wird nie enttäuscht. Nicht mal
im Ansatz.
In „100 Prozent tot - Das Phantom vom
Grunewald“ wird die Geschichte des angesprochenen „Jacoby“
wiedergegeben. Einem Mann mit absonderlichen Verhaltensweisen, einem
perversen Trieb und sadistischen
Phantasien. Harbort geht bei seiner Wiedergabe größtenteils
chronologisch vor. Sehr interessant ist hier die Kindheit des Mörders,
da, wo Eltern und Ärzte offenkundig versagt
haben. Da, wo der Weg zum Serienmörder geebnet wurde. Wie gewohnt, ist
das Geschriebene flüssig zu lesen. Die Spannung ist enorm, sodass man das
Buch eigentlich gar nicht zur Seite legen mag.
In Verlauf bekommt man dann weitere Details der Verbrechen und aus dem
Leben des Protagonisten geboten. Alles so, wie es sich zugetragen hat. Als
I-Tüpfelchen gibt es nach den wiedergegebenen Geschehnissen auch noch den
Teil 2 des Buches, der die Interviews von Harbort mit Jacoby
wiedergibt. Der Häftling beantwortet hier offenherzig verschiedenste
Fragen, die von dem Kriminalisten in mehreren Sitzungen gestellt werden.
„100 Prozent tot- Das Phantom vom Grunewald“ ist wieder mal ein
Harbort-Buch, das Interessierten des Themas Serienmord gefallen wird. Ganz
sicher. Der Unterhaltungs- und Aufklärungswert ist hoch. Man erfährt mal
wieder, was es für menschliche Abgründe gibt und kann einiges über
Menschen wie Jacoby und deren Denkweisen lernen.
Der beschriebene Fall kann in seiner Darstellung zwar nicht mit Fällen
von beispielsweise Jeffrey Dahmer, Ted Bundy, Joachim Kroll oder anderen ,
eher blutrünstigen Serienmördern mithalten, dafür bekommt man aber
einen Fall geboten, der sich bei dir oder bei mir genauso abspielen kann
und ja auch abgespielt hat. Und das ist das dramatische an diesem Buch. Es
ist ebenso erschreckend realistisch wie realistisch erschreckend.
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