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"Begegnung mit
dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer". So der Titel des neuen
Harbort- Sachbuchs. Kriminalist
Stephan Harbort widmet sich diesmal, wie es der Titel erahnen lässt, nicht
hauptsächlich dem Serienmörder, sondern dem Opfer. Zumindest denen, die noch
sprechen können, da sie die Tat überlebt haben. Stephan Harbort versucht
populärwissenschaftlich zu ergründen, wer wo und wann besonders gefährdet
ist. Diese Aufgabe stellt sich für den Laien als eine besonders schwierige.
Man kennt es ja aus den Medien, Büchern und Filmen, dass meist Irgendjemand
aus dem Gebüsch auftaucht und ein überraschtes Opfer überfällt.
Das
Buch schildert einige Fälle der verschiedensten Sorte. Als Jemand, der kein
Blut lesen kann, sollte man unbedingt aufpassen, da nicht jedes Angriffsopfer
mit dem Leben davon kommt. Dies könnte man ja aus dem Titel schließen. Die
Geschichten sind authentisch, auf ihre Weise fesselnd und schockierend. Man
kann gut nachvollziehen warum wer wie handelt. Dies ist natürlich auch das
Verdienst vom Autoren Harbort. Nicht zuletzt sein Schreibstil hat ihn so populär
gemacht. Er schreibt flüssig und wenn man den 336 Seiten starken Schinken
erst mal in der Hand hat, will man ihn eigentlich gar nicht mehr beiseite
legen.
In einem Interview sagte Stephan Harbort mal, dass er darauf achtet, welche Fälle
von Serienmorden veröffentlicht werden können. Und es ist immer wieder
erstaunlich, wie viel von dem geeigneten Material zur Verfügung steht.
Harbort hat sage und schreibe über 600 Einzeltaten untersucht, die im
Zeitraum von 1945 und 2007 begangen wurden.
107 Opfer von Serientätern haben die Angriffe überlebt, wobei die Zahl
sicherlich eher eine nach oben offene Variable als eine feste Größe ist.
Ob sich die
zwangsweise aufkommenden Fragen mithilfe des Buches beantworten lassen, sei
mal dahingestellt. Wenn sich beispielsweise eine junge Frau entscheidet dieses
Buch zu kaufen und zu lesen, um ihr Leben sicherer zu machen, wird sie
sicherlich eher mit Standardantworten konfrontiert.
Die da lauten: Vertraue keinem Fremden, gehe des Nachts nicht über die
Straße, trampe nicht und so weiter. Aber es gibt auch Hinweise, wie Opfern
ein bestimmtes Verhalten das Leben rettet respektive gerettet hat. Ob diese
gewonnen Erkenntnisse dann in der eventuellen Praxis auch lebensrettend sind,
ist fraglich. Das verschiedene Verhaltensweisen aber Leben gerettet haben, ist
unbestreitbar. Es ist äußerst interessant zu verfolgen, wie Opfer den
Mordversuchen, die facettenreich sind, entkommen können. Einige mit dem
sicheren Tod vor Augen, andere, die sich der Gefahr der Situation gar nicht so
bewusst waren. Von den Überlebenden dann zu hören, wie ihre Begegnung war
ist überwältigend und nur schwer nachzuvollziehen. Es kommen aber auch Täter
zu Wort, die Harbort interviewt hat. Die Aussagen einiger Täter sind
ebenfalls nur schwer verdaubar.
Was
nach den verschiedenen Tatvorgängen etwas unpassend daherkommt, ist die
statistische Auswertung, die natürlich dazugehört, in ihrer
wissenschaftlichen Trockenheit aber etwas den Lesefluss stört. Wer will kann
diese Schlussteile der einzelnen Fallbeispiele auch überspringen, da es im
Anhang des Buches ausführliches Tabellenmaterial gibt, welches die
verschiedensten Statistiken führt.
"Begegnung mit
dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer" ist eine neue
Herangehensweise an das Thema „Serienmord“, welche mit altbekannten
Mitteln neue Einblicke in dieses Phänomen bringt. Aufgrund des überragenden
Schreibstils, der Art und Auswahl der realen Geschichten und der stets
anstehenden Schock-Spannung ist das Buch unbedingt zu empfehlen. Und das nicht
nur an diejenigen, die sich ohnehin für das Thema Serienmord interessieren.
Es ist für die breite Öffentlichkeit konzipiert, die Eindrücke in ein beängstigendes,
unübliches Alltagsphänomen gewinnen soll. |