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"Ein Film, in den richtigen Händen, ist eine Waffe!" - Diese Worte bekommt Jimmy Sweetman auf der Suche nach "Le Fin absolue du monde" von verschiedenen Seiten als Warnung gesagt. Im Gegensatz zu dem fiktiven Film im Film ist John Carpenter's Werk "Cigarette Burns" nun zwar keine Waffe, kein Film für dessen Suche Sammler extra Detektive beauftragen würden, kein Film der bei seiner Aufführung für Tumulte oder Totschlag sorgen dürfte. Dafür aber ein Film, der über weite Strecken überzeugen kann und die Horrorgemeinde begeistern dürfte. Dass John Carpenter das richtige Händchen für Horror- und Actionfilme hat, dürfte inzwischen wohl hinlänglich bekannt sein. Filme wie "Halloween", "Die Klapperschlange", "Das Ende" zählen bereits jetzt zu den großen Genreklassikern. Auch dem etwas dezenteren Grusel war Carpenter nie abgeneigt. Ein Beispiel dafür ist sein "Die Mächte des Wahnsinns", in dem er 1994 Sam Neill bei der Suche nach einem mysteriösen Schriftsteller auf einen Horror-Trip in die Abgründe der menschlichen Seele schickte. Mit "Cigarette Burns" greift er nun diesen Ansatz wieder auf. Mit dem Unterschied, dass er seinen Helden diesmal nach einem sagenhaften verschollenen Film suchen lässt. Gerade filmbegeisterte Zuschauer oder Filmsammler können sich nun noch eher mit dem Geschehen identifizieren. Wer hat sie schließlich nicht irgendwann einmal gehört, die Mythen und Gerüchte um den verschollenen Director's Cut eines Klassikers oder eine angeblich existierende extended Version eines ohnehin schon derben Splatter-Krachers? Mit fast hundertprozentiger Sicherheit erweisen sich derartige Gerüchte dann letztendlich zwar als falsch, allein der Gedanke, es KÖNNTE ja möglich sein, bereitet vielen Filmfreunden dennoch so manche schlaflose Nacht. Die Suche nach dem ultimativen Film wird zur Suche nach dem heiligen Gral. Bei "Cigarette
Burns" haben die Personen der Handlung unterschiedliche Vorstellungen
vom ultimativen Film. Da ist der Snuff-Filmer, für den die Tötung vor
der Kamera der perfekte Film ist, schließlich kommt er mit nur einem
Schnitt aus - dem Schnitt durch die Kehle des Opfers. Auf der anderen
Seite ist da der Filmsammler, der den Film als lebendiges Gesamtkunstwerk
betrachtet und dabei soweit geht, dass er sich einen gefallenen Racheengel
mit gestutzten Flügeln als lebendes Merchandising-Objekt aus dem Film im
Keller hält. Gespielt wird dieser Sammler von niemand geringerem als Udo Kier, Spezialist in Sachen "fanatischer-Wahnsinniger-mit-irrem-Blick". Er erfüllt seinen Part einmal mehr mit Bravour. Auch der eigentliche Hauptdarsteller Norman Reedus, der ein wenig wie ein jüngerer Bruder von Sean Bean aussieht, macht sich sehr gut in seiner Rolle. Wie Kier und Reedus im Interview auf der DVD berichten, muss die Arbeit mit John Carpenter an diesem Film sehr viel Spaß gemacht haben. Das ist allen Beteiligten anzumerken. Sie haben sich offensichtlich sehr ordentlich in ihre Arbeit reingekniet. "Cigarette Burns" kommt ohne übertriebene Härte aus. Da der Film für das amerikanische Fernsehen produziert wurde, musste sich Carpenter hinsichtlich der Gewaltdarstellung ohnehin etwas zurückhalten. Dennoch bietet der Film einige blutige Momente, sodass auch diejenigen, die die Qualität eines Films lediglich anhand seines Blutgehaltes messen, voll auf ihre Kosten kommen. Carpenter selbst war sogar überrascht, dass die Effekte in der endgültigen Fassung die amerikanische Zensur passieren konnten. Schockeffekte kommen eher sparsam, verfehlen aber ihre Wirkung nicht. Die berühmten "Cigarette Burns", kleine Löcher, die sich beim Wechsel der Filmrolle in den Film einbrennen, kündigen dabei das Unheil an. Die Musik stammt von Carpenter's Sohn Cody. Nach seinen musikalischen Beiträgen zu "John Carpenter's Vampire" und "Ghosts of Mars" tritt er erneut in die Fußstapfen seines Vaters. Sein Score erinnert ein wenig an das Thema von "Halloween" kommt aber an den unverkennbaren Originalsound nicht ganz heran. Trotzdem gefallen die ruhigen Klavierklänge, wenngleich sie auf Dauer ein wenig nerven. Etwas mehr Abwechslung wäre hier schön gewesen. John Carpenter beweist mit seinem Beitrag zur "Masters of Horror"-Serie, dass er immer noch zu den ganz großen Regisseuren des Genres gehört. Leider ist der Film nach nur 58 Minuten schon vorbei. Es hätte durchaus noch etwas mehr sein können... Ein gutes Drehbuch in den richtigen Händen ist wie eine Waffe: Eine spannende Geschichte, ausgefeilte interessante Charaktere, von fähigen Schauspielern gut dargestellt. Das Ganze dann von John Carpenter atmosphärisch dicht verpackt und handwerklich wie immer perfekt inszeniert. Ein Film, der den Zuschauer zwar nicht erschlägt aber umhauen dürfte! |