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Bei "Reiter der Apokalypse" handelt es
sich auf den ersten Blick ganz eindeutig um eines dieser billig
heruntergekurbelten B-Movies, die zwar niemanden ernsthaft interessieren, die
aber dennoch einige Abnehmer finden, bis dann in der Regel die ersten
vernichtenden Kritiken im Netz auftauchen und die Horror-Fangemeinde ihre
Befürchtungen bestätigt sieht. In der Tat suggeriert Don Michael Paul's
"The Garden", so der Titel im Original, den Eindruck eines B- bis
C-Movies, in dem vier schlecht kostümierte Laiendarsteller, die die vier
Reiter der Apokalypse darstellen sollen, Jagd auf Menschen machen und damit
den Einsatz von etwas Blut und Gekröse bewirken. Doch nicht immer geben uns
die Befürchtungen recht, denn letztendlich bewegt sich "Die Reiter der
Apokalypse" in eine gänzlich andere Richtung und führt damit ein
weiteres Mal vor, wie manipulativ und irreführend deutsche Titel doch sein
können, wenn sie sich nicht an das Original halten.
Sicherlich werden auf "Die Reiter der
Apokalypse" mehr Käufer anspringen als auf "The Garden", doch
letzten Endes ist es somit wieder einmal auf den Verleih zurückzuführen,
dass viele Kunden nach Anblick des Streifens mit ziemlich verwunderter Miene
zurückgelassen werden. Mit Horror hat das, was man hier zu sehen bekommt,
nämlich nur am Rande etwas zu tun, vielmehr erschuf Don Michael Paul, der in
der Vergangenheit mehr vor, als hinter der Kamera stand, hiermit ein perfides
Mysterydrama mit übernatürlichen Ansätzen und einigen schaurigen Elementen.
Gerade solche Filme sind es allerdings, die in einer Zeit, in der unzählige
"Hostel"-Klone die Videotheken überschwemmen, gerade recht kommen.
Don Michael Paul serviert hier nichts dutzendfach Vorgekautes, sondern
versucht sich an einer sehr eigenen Interpretation der ewigen Gut gegen Böse
Geschichte.
"Die Reiter der Apokalypse" ist in
B-Movie, keine Frage. Um so positiver überrascht es da, dass es an der
Inszenierung kaum etwas auszusetzen gibt. Der Look des Films wirkt keinesfalls
günstig, sondern absolut professionell. Die Kulisse eines abgelegenen
Farmhauses nutzen Regisseur Paul und Kameramann Thomas L. Callaway als
Möglichkeit, um möglichst viele tolle Landschaftsaufnahmen einzubringen.
Saftige, endlos grüne Wiesen und tolle Bergpanoramen, hier macht die Optik
definitiv einiges aus, so dass sich das Geschehen glücklicherweise nicht nur
im Inneren von Ben's Farm abspielt.
Die Handlung des Films fokussiert sich nicht nur
auf die Albträume Sam's und diverse, beunruhigende Ereignisse in und
außerhalb der Farm, sondern legt viel Wert auf die Charaktere. Man lernt die
wichtigen Personen ausreichend kennen, so dass man auch in der Lage ist, einen
Bezug zu ihnen aufzustellen. Über weite Strecken offenbart sich "Die
Reiter der Apokalypse" als kammerspielartig geprägtes Mysterydrama, in
dem uns Ben als der Teufel persönlich vorgestellt wird. Wenn er jemanden dazu
bringt, eine Frucht vom Baum der Erkenntnis zu verzehren, so entfesselt dies
die Macht der vier Reiter der Apokalypse, die daraufhin Gottes Schöpfung
restlos zerstören. Dies ist aber lediglich der Ausgangspunkt, der im Showdown
aufgegriffen wird, zuvor konzentriert sich der Streifen auf den leisen,
mentalen Kampf zwischen Ben und Sam. Ersterer gibt sich stets freundlich und
zuvorkommend, doch hinter seiner Fassade lauert das Böse, das nur vom Jungen
erkannt wird. Dieser stößt bei seinem Vater auf Unverständnis und
Ungläubigkeit und muss sich der nahenden Bedrohung somit alleine
stellen.
"Die Reiter der Apokalypse" greift
einige biblische Themen auf. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, der Baum
der Erkenntnis, die Versuchung des Menschen durch den Teufel, der Zweifel an
Gott und dessen Menschenliebe, all das wird hier in die Handlung des
psychologischen Konflikts zwischen Sam und Ben gesponnen. Der Kampf um Zukunft
und Fortbestand der Menschheit wird hier nicht auf dem Schlachtfeld, sondern
taktisch in Worten ausgetragen, deshalb dürfte sich "Die Reiter der
Apokalypse" vielen, die nur auf Action und Horror hoffen, nicht
erschließen. Um ein nach Schauwerten lechzendes Publikum nicht gänzlich zu
vergraulen, bringt Don Michael Paul dann und wann durchaus den ein oder
anderen Mord ein oder lässt in Sam's Albträumen finstere Horrorszenarien
entstehen, doch die eigentliche Spannung geht zu jedem Zeitpunkt von den
ruhigen Momenten aus.
Die Schauspieler wissen ausnahmslos zu gefallen.
Der Regisseur konnte einige namenhafte B-Movie Akteure zusammentrommeln, allen
voran natürlich Lance Henriksen. Der aus unzähligen Genre-Streifen bekannte
Schauspieler wirkt zwar mittlerweile deutlich gealtert, hat aber nichts von
seiner Ausstrahlung verloren. Somit ist er auch außerordentlich passend für
die Rolle des ebenso sympathischen wie diabolischen Farmers. Der ebenfalls
gestandene B-Veteran Brian Wimmer erledigt seinen Job als Vater des weiteren
glaubhaft, auch wenn er mit seinem markanten Gesichtszügen und dem Chuck
Norris - Bart jederzeit den Eindruck macht, als könne er jeden Moment zur M16
greifen. Adam Taylor Gordon macht seine Sache als altraumgeplagter Sohn
letztendlich auch ganz gut, auch wenn es Kinderdarsteller von Natur aus nicht
leicht haben. Die meiste Zeit über bleibt Gordon aber glaubhaft und
überzeugend.
"Die Reiter der Apokalypse" wird es in
einer Zeit, in der die härtesten Filme den größten Absatz finden, schwer
haben. Hier trägt noch die Geschichte den Erzählfluss, blutige Effekte sind
Mangelware. Ein aufgeschlossenes Horrorpublikum darf sich diesen Streifen aber
durchaus notieren, denn sofern man sich von Dialogen nicht schnell langweilen
lässt, bekommt man hier ein verzwicktes, kammerspielartiges Mysteryfilmchen
geliefert, das eine einmalige Sichtung durchaus rechtfertigt. Kein Meisterwerk
und keine absolute Empfehlung, aber eine willkommene Abwechslung zu den
sonstigen, stumpfen Gewaltorgien im Horror-Genre. |