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Wenn ein neuer Horrorfilm auf dem Markt
erscheint, der beinahe exakt den gleichen Titel trägt wie ein bekannter
Klassiker des Genres, dann lässt dies die Fans in den meisten Fällen
hellhörig werden. Allerdings ist die Namensgleichheit im Falle von "Die
Vögel - Attack from above" gar nicht im Sinne der Macher, sondern wurde
vom deutschen Verleih erstellt, vermutlich, um mehr Kunden zu ködern.
Zugegeben: Mit seinem finsteren Cover, dem bekannten Namen und seinem
"Keine Jugendfreigabe" - Rating macht "Die Vögel - Attack from
above" sicherlich einiges her und wird einer potentiellen Kundschaft die
Kaufentscheidung wesentlich erleichtern. Blöd nur, dass es sich dabei um eine
regelrechte Mogelpackung handelt, denn letztendlich hat "Kaw", wie
der Streifen im Original heißt, seine Freigabe in keinster Weise
verdient.
Doch dazu später mehr. Ein Vergleich mit
Hitchcock's Klassiker fällt hierbei schon aus Prinzip schwer, denn zum einen
liegen 44 Jahre zwischen den Werken und zum anderen wurde "Die Vögel -
Attack from above" für den amerikanischen Sci-Fi Channel produziert und
demzufolge muss man sich in diesem Fall auch auf ein traditionelles B-Movie
einstellen. Hier liegt an und für sich noch nicht die Problematik, gibt es
doch in regelmäßigen Abständen immer wieder brauchbares aus dem Reich der
aggressiven Tiere zu bestaunen. Nein, kompliziert wird es erst dann, wenn das
Projekt in die Hände eines Teams gelegt wird, das sich gar nicht darüber im
Klaren zu sein scheint, was es dem Publikum eigentlich bieten möchte. Das
Drehbuch von Benjamin Sztajnkrycer verläuft konstant ohne irgendwelche
Überraschungen oder Wendungen, während die Inszenierung von Regisseur
Sheldon Wilson, der uns 2004 bereits "Shallow Ground" bescherte,
über weite Strecken absolut belanglos und fernab jeder Spannung bleibt.
Die Charaktere werden nach bekannten Mustern
eingeführt. Da wäre der allseits bekannte und beliebte junge Sheriff, der
allerdings einen Ortswechsel anstrebt und deshalb seinen letzten Tag im Dienst
antritt. Weiterhin hätten wir noch den typischen Versager und Säufer, der
anfangs noch äußerst dubios daherkommt und schlussendlich den großen Helden
spielen darf. Hier ist alles vertreten, was in einen solchen Film gehört. Der
alte Arzt, der sich das Ganze auch nicht so recht erklären kann, junge Leute,
die immer wieder in Gefahr geraten und gerettet werden müssen, sowie zwei
seltsame fanatische Mennoniten, die mehr zu wissen scheinen. So weit ist das
sicherlich tragbar, rechnet man doch bei einem Film wie "Kaw" mit
derlei Klischeefiguren, doch wenn sie absolut schlampig eingeführt werden,
dann ist das definitiv ein Zeichen gröbster Vernachlässigung des
Plots.
Ein solcher braucht "Die Vögel - Attack
from above" letztendlich auch nicht. Pausenlos folgt eine Vogelattacke
der nächsten, der Streifen hangelt sich regelrecht von Spannungsmoment zu
Spannungsmoment und lässt dabei eine Figurenentwicklung oder
Charaktereinführung vollkommen außen vor. Action und Schockmomente bestimmen
den Drive des Films und nehmen ihn schlussendlich vollends ein. Blöd nur,
wenn die Attacken der zahlreichen Raben immer nach gleichem Muster ablaufen
und das Steuer irgendwann auch nicht mehr herumreißen können. Doch zumindest
darf gesagt werden, dass teilweise mit echten, trainierten Tieren gearbeitet
wurde und die Vögel deshalb nicht allesamt zu künstlich aussehen. In
diversen Massenszenen ist die Herkunft aus dem Computer aber ohne große
Probleme zu erkennen.
Eine gewisse bedrohliche Atmosphäre macht sich
durchaus breit, wenn die Raben zu Hunderten auftauchen und über ihre
wehrlosen Opfer herfallen. In dieser Hinsicht bietet "Kaw" zwei,
drei durchaus spannende Szenen in denen die Ausweglosigkeit der Menschen
anhand einer solchen gigantischen Überzahl an Tieren mehr als deutlich wird
und man fast schon froh sein kann, dass sich Vögel außerhalb des Bildschirms
in der Regel friedlich verhalten. Der Erklärungsversuch, wieso die Tiere zu
gefährlichen Bestien mutiert sind, darf in "Die Vögel - Attack from
above" natürlich auch nicht fehlen, hier gibt man kurzerhand dem
Rinderwahnsinn die Schuld. Für Logik war das Tierhorrorgenre ja noch nie
berühmt, aber was uns Sheldon Wilson hier bisweilen auftischt, geht gerne mal
an die Grenze des Erträglichen. Die Raben sind allem Anschein nach so
intelligent, dass sie sogar in der Lage sind, Steine zu transportieren um mit
gezielten Attacken Autoscheiben zu zerstören.
"Die Vögel - Attack from above" geht
leider irgendwann jedweder Charme abhanden. Der Film wirkt außerordentlich
kostengünstig inszeniert, spielt sich immer in ähnlichen Szenarien ab und
befindet sich, was Settings und Ausstattung anbelangt, beinahe schon auf
Amateur-Niveau. Hier wirkt keine Kulisse lebendig oder glaubhaft. Noch
enttäuschender ist aber das Fehlen jedweder rabiater Gewalt, mit der man
anhand einer Freigabe ab 18 Jahren rechnen würde. Ansonsten hat die FSK immer
nachsehen, wenn die Gewalt von Tieren ausgeht und verleiht großzügige 16er
Freigaben, aber hier hatte wohl jemand einen schlechten Tag. "Die Vögel
- Attack from above" zeigt nichts, was eine Freigabe ab 18 rechtfertigen
würde. Hin und wieder dürfen die Vögel natürlich mal ihre Schnäbel zum
Einsatz bringen, aber bis auf etwas herausgerissenes Fleisch bleibt der
Streifen absolut gewaltarm.
Die Schauspieler erledigen ihren Job dafür
souverän. Der aus "Der blutige Pfad Gottes" und "Suicide
Kings" bekannte Akteur Sean Patrick Flanery mimt hier den sympathischen
Dorfsheriff, der sich an seinem letzten Tag mit gefräßigen Raben
herumärgern darf und bleibt dabei stets charismatisch. Eine positive
Überraschung ist der Auftritt von Rod Taylor als alterndem Arzt. Taylor war
bereits in Hitchcock's "Die Vögel" zu sehen und so war es ein
feiner Zug von Sheldon Wilson, ihm auch hier eine Rolle anzubieten. Eine
weitere passende Besetzung war Stephen McHattie in der Rolle des Losers, der
letztendlich noch über sich hinauswachsen darf, da man McHattie seinen
Charakter jederzeit abnimmt.
"Die Vögel - Attack from above" ist
leider nur ein unterdurchschnittlicher Versuch einer Hommage an Hitchcock's
"The Birds". Zwar bleibt der Film durchgehend action- und
spannungsreich, dennoch wirkt das Gezeigte oftmals einem beliebigen Low-Budget
Projekt entnommen und absolut lieblos abgedreht. Die echten Vögel verleihen
dem Ganzen Atmosphäre, doch leider sind ihre aus dem Computer stammenden
Kollegen sehr schnell zu entlarven. Dem Film mangelt es an einem richtig
spannenden Plot, wie auch an blutigen Szenen, die Freigabe ab 18 sollte
vermutlich nur dazu dienen, mehr Käufer anzulocken. Was bleibt ist ein Film,
den sich Tierhorror-Fans zwar noch ansehen können, der aber trotzdem weit
hinter den Erwartungen zurückbleibt. |