|
Wer sich für Horrorfilme interessiert und sich
demnach gelegentlich auch mal den einen oder anderen Vampirfilm zu Gemüte
führt, der weiß, dass man sich auf diesem Sektor längst von den gängigen
Konventionen entfernte, die noch vor einigen Jahrzehnten das charakteristische
Bild eines Blutsaugers prägten. Die fiesen Gestalten mit den langen
Eckzähnen sind schon lange keine aristokratischen Edelmänner mehr, die auf
düsteren Schlössern hausen und mit Vorliebe Jungfrauenblut kosten.
Stattdessen hat man auch dieses Subgenre einem neuen Zeitalter angepasst und
stark modernisiert, Titel wie "Blade" oder "Underworld"
beispielsweise präsentieren dem Zuschauer Vampire, die längst nichts mehr
mit Dracula und Co am Hut haben.
Ebenfalls nicht so ganz typisch kommt der
Blutsauger Boya aus der kanadischen Horrorkomödie "Blood and
Donuts" aus dem Jahr 1995 daher, welcher menschlichem Blut schon lange
abgesagt hat und sich stattdessen von Ratten und anderem Ungeziefer ernährt.
Als er nach langer Ruhepause durch ein kleines Missgeschick eines Golfspielers
wieder zu sich kommt, stolpert er prompt in das Leben der Donut-Verkäuferin
Molly und des Losers Earl, die er fortan vor den Schergen eines Gangsterbosses
beschützen muss. Zugegeben, das klingt alles außerordentlich skuril und
lässt im Grunde auch auf einen sehenswerten Genre-Film hoffen, in dem sich
Horror und Komik ausgleichend die Waage halten, doch Unterhaltung im Stil von
"Fright Night" oder "From Dusk Till Dawn" ist es dann
leider doch nicht, was Regisseurin Holly Dale hier ablieferte. Diese darf
indessen auf keine all zu erfolgreiche Karriere zurückblicken und arbeitete
nach "Blood and Donuts" beinahe ausschließlich für eher unbekannte
TV-Serien.
Das hier besprochene Werk birgt zahlreiche
interessante Ansätze und hätte bei richtiger Handhabung sicherlich zu einem
spaßvollen Vampirfilm der etwas anderen Art werden können.
Unglücklicherweise entschieden sich die Verantwortlichen aber für eine
Inszenierung, die sich einfach nicht so recht auf ein Genre einlassen kann und
stets munter zwischen Horror, Komödie und Drama hin- und herspringt. Vor
allem letzteres will aber so gar nicht in den Kontext des Films passen.
Detailliert wird dem Zuschauer das unglückliche Dasein und die innere
Zerrissenheit des Blutsaugers Boya vor Augen geführt, der mit seiner langen
Matte und der Lederkluft derweil aussieht, als hätte er in den Drehpausen
für eine Glam-Rockband der 80er gespielt. Die Fixierung auf das Leiden des
Vampirs, sowie die Einbindung einer alten Liebe, die sich nun dafür rächen
will, vor vielen Jahren von ihm verlassen worden zu sein, trifft den Nerv des
sonstigen Films überhaupt nicht und schaden dem Tempo enorm. Grundsätzlich
ist absolut nichts dagegen auszusprechen, wenn Horror- oder Vampirfilme
versuchen, ihren düsteren Figuren einen Hintergrund oder gar Charakter zu
geben, hier wirkt es jedoch nur deplaziert.
Auch der Humorgehalt des Films stimmt nicht ganz
mit dem überein, was die Beschreibung verspricht. Richtige Lacher sucht man
über die komplette Filmlänge vergebens, ansatzweise humorvolle Momente
lassen sich gar an einer Hand abzählen. "Blood and Donuts" ist
somit nicht die erhoffte Horrorkomödie, sondern vielmehr ein Drama, welches
mit den Elementen eines Horrorfilms angereichert wurde. Vampirisches oder
unheimliches Treiben bekommt der Zuschauer in diesem Werk auch nicht all zu
oft zu sehen, stattdessen wird krampfhaft versucht, eine Handlung zu
erzählen. Blöd nur, wenn die dann nicht halb so interessant ist, wie sie es
wohl gerne wäre und die meiste Zeit über träge und ohne eindeutige
Genre-Zuordnung abgespielt wird. Mit etwas schwarzem Humor, mehr Action- und
Horroransätzen und einem etwas bissigeren Vampir in der Hauptrolle wäre hier
jedenfalls wesentlich mehr drin gewesen.
An der technischen Seite des Films ist zur
gleichen Zeit nicht viel auszusetzen. Dass der Streifen bereits einige Lenze
zählt, ist ihm natürlich anzusehen, was aber nicht gegen ihn spricht, genau
so wie das offensichtlich geringe Budget. In dieser Hinsicht wurde das
Bestmögliche aus dem Vorhandenen rausgeholt, so dass die Inszenierung für
sich betrachtet ordentlich ausgefallen ist. Die Schauspieler machen ihre Sache
weiterhin auch ganz ordentlich, auch wenn Gordon Currie als Vampir einfach
drastisch fehlbesetzt wirkt. Mit seiner Mähne und den Klamotten, die
vielleicht vor einigen Jahrzehnten mal angesagt waren, wirkt er aufs Gröbste
fehlplatziert und hätte dringend von einem passenderen Akteur ersetzt werden
müssen. Von ihm abgesehen, gibt es an den Darstellern allerdings nichts
auszusetzen. Justin Louis spielt einen charismatischen Loser, während Helene
Clarkson die weibliche Love-Interest auch annehmbar verkörpert. Horror-Nerds
dürfen sich derweil auf einen Auftritt von Kult-Regisseur David Cronenberg
freuen, der hier in einer Nebenrolle hier als fieser Verbrecherboss agiert.
Den Zuschauer will beim Betrachten von "Blood
and Donuts" einfach nicht der Eindruck loslassen, dass dieser Film selbst
nicht so recht wusste, was er nun eigentlich sein will. Das Werk vereint die
Charakteristika eines Horrorfilms, eines Dramas und einer Komödie, wird aber
die Anhänger keiner dieser drei Genres begeistern können. Es ist nichts
Halbes und nichts Ganzes, was einem von alledem geboten wird, so dass der
Streifen lediglich noch durch einen eigenen, ganz speziellen Charme
geringfügig zu unterhalten weiß. Hätte man sich jedoch mehr aufs
Wesentliche konzentriert und einen schwarzhumorigen Film für die
Horrorfraktion gedreht, würde "Blood and Donuts" sicherlich ganze
zwei oder drei Klassen besser dastehen als in seiner jetzigen Form. |