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Filmemacher Albert Pyun darf nach beinahe drei
Jahrzehnten in der Branche auf eine ebenso vielseitige wie eigenwillige
Karriere zurückblicken. Nachdem der Mann Ende der 80er mit dem Van
Damme-Reißer "Cyborg" und kurz darauf mit dem endzeitlichen
Actionfilm "Nemesis" zwei durchaus bekannte und sogar halbwegs
erfolgreiche Titel in den Kasten bringen konnte, setzte sich anschließend
eine unaufhaltsame Talfahrt in Gang. Unbeirrt schlug sich Pyun dennoch
weiterhin durchs Filmgeschäft und setzte konsequent auf B-Entertainment, das
unter dem landläufigen Terminus "Trash" wohl am Besten beheimatet
sein dürfte. Ernsthaft würde wohl kaum jemand einen Großteil seines
Schaffens vermissen, wenn man diesen provisorisch aus der Filmhistorie
streichen würde, dennoch waren unter vielen Komplettdesastern immer wieder
mal Erzeugnisse dabei, die als durchschnittlich eingestuft werden konnten und
in diese Sparte fällt auch Pyuns aktuellstes Werk "Vergeltung der
Verdammten".
Zwar gelingt es dem Film nicht, an die im Voraus
aufgebauten Erwartungen des Zuschauers hinzureichen, doch diese Tatsache
sollte verschmerzbar sein. "Vergeltung der Verdammten" stellt in
einer Zeit, in der sich der allgemeine B-Movie-Sumpf beinahe ausschließlich
aus ideenlosen und dutzendfach kopierten Plagiatsabkupferungen zusammensetzt,
vor allem eins dar - ein unverbrauchter und frischer Windzug, der zwar
filmisch gesehen so manchen Manko in sich birgt, letztendlich aber alleine
schon durch seine Kuriosität besteht. Wann gab es ansonsten zuletzt eine
inszenatorisch überaus extravagante Mixtur aus Spaghetti-Western, Horrorfilm
und psychedelischem Arthouse-Wannabe zu sehen? Eben. Hinzu füge man noch
einige Elemente des derzeitig im Trend liegen Folter-Equipments und fertig ist
ein Film, den die Welt so noch nicht gesehen hat.. Und vielleicht auch nie
sehen wollte.
Zuerst sei gesagt, dass es sich bei
"Vergeltung der Verdammten" um pures Gift für jeden
Mainstream-Liebhaber handelt, dessen Kenntnis von abseitiger Unterhaltung sich
in etwa auf Null beläuft. Wir haben hier eines jener Werke für allessehende
B-Movie-Rats und sonstige Trash-Enthusiasten, die sich selbst für die
absurdeste Mutprobe nicht zu schade sind und ihren guten Geschmack schon vor
langer Zeit an der Garderobe abgegeben haben. "Vergeltung der
Verdammten" ist weder Horror noch Western im klassischen Sinn,
schließlich wäre dies viel zu konventionell und ersichtlich. Nein, "Left
for Dead", so der schmackhafte Originaltitel, ist vielmehr ein
inszenatorischer LSD-Trip, dessen Handlung sich zwar aus Fragmenten jener
Genres zusammensetzen mag, im fertigen Bild aber eine gänzlich andere Sprache
spricht. Manch einer, der dieses Werk bis zum Abspann durchsteht, möge dem
Regisseur im Anschluss gerne künstlerische Ambitionen zugestehen, doch sind
jene, die ihm aufgrund dieses Filmes erste Anzeichen von Demenz
diagnostizieren, sicherlich auch nicht auf der gänzlich falschen Spur.
"Vergeltung der Verdammten" hat zwar
durchaus eine Geschichte zu erzählen und legt sogar einen gewissen Wert auf
diesen Unterpunkt, dennoch scheint es, als würde sich der Film in dieser
Hinsicht eine Spur zu wichtig nehmen. Die Story um einen verfluchten Priester,
dem einst Schreckliches angetan wurde und der nun in einer alten Geisterstadt
spukt, kombiniert sich nahtlos mit der Geschichte des Draufgängers Blake, der
auf der Flucht vor einer gefährlichen Frauenbande ausgerechnet in diesem Nest
landet. Entgegen den Erwartungen des Zuschauers mausert sich das Ganze jedoch
nicht zum typischen Abschlachten nach bekannten Mustern, sondern fixiert sich
stark auf die zwischenmenschlichen Beziehungen einzelner Charaktere
untereinander. Zwischen Folter, Mord und etwas Blut hat "Vergeltung der
Verdammten" also durchaus so etwas wie Charaktere zu bieten.
Hervorstechendstes Kennzeichen dieser
Genre-Mischung ist jedoch nicht seine Handlung, sondern die Art und Weise, wie
man diese in Szene setzte. Es wird fleißig mit Farbfiltern, Close-Ups,
Digitalkameras, Zeitraffern und, vor allem, Freeze Frames hantiert, so dass
beinahe der Eindruck entstehen könnte, ein künstlerisch interessierter
Filmstudent habe unter Drogeneinfluss sein schrilles Erstlingswerk in den
Kasten gebracht. Dem Auge des Zuschauers wird somit einiges geboten, was aber
auf Dauer ebenso schnell wieder ermüdend wirkt und irgendwann nicht mehr
darüber hinwegtäuschen kann, dass sich der Plot ab einem gewissen Zeitpunkt
in seichtem Einheitsbrei verliert. "Vergeltung der Verdammten" nimmt
sich unter diesem Aspekt eine deutliche Spur zu wichtig und verlässt sich
gänzlich auf Attribute, die zwar vorhanden sein mögen, einen Film aber nicht
im Alleingang tragen. Horrorfans werden hier ebenso enttäuscht, wie jene, die
mal wieder mit einem soliden Western rechnen, da das Werk zwar fleißig
Versatzstücke dieser Genres verwendet, das Flair beider aber eindeutig
verfehlt.
Der Streifen hat im Großen und Ganzen zwar
durchaus seine Stärken, die das Gesamtbild aber nicht mehr ins Positive
bugsieren können. So ist die farbenprächtige Naturkulisse ebenso gelungen
wie der fabelhafte Soundtrack, der mit seinen stets passenden und
nachdrücklichen Untermalungen beinahe schon die Tatsache vergessen macht,
dass man sich hier ein kostengünstiges B-Movie ansieht. Im Gesamtkontext
verblasst dies jedoch und wird von den erzählerischen und sonstigen,
kleineren Schwächen regelrecht unter den Teppich gekehrt. Bei den
Schauspielern besann man sich auf unbekannte Akteure verschiedenster Herkunft,
die man in Zukunft wohl niemals auf der großen Leinwand betrachten können
wird, die ihren Job aber verhältnismäßig gut machen. Natürlich sind auch
hier Höhen und Tiefen zu vermelden, doch gerade die Hauptrollen wurden
passend besetzt.
"Vergeltung der Verdammten" ist ein
B-Movie wie kaum ein anderes, das sein Ziel durchaus erreicht hat, sollte dies
daraus bestanden haben, aus der Masse herauszustechen. Leider bleiben bei der
ganzen Angelegenheit zu wenig positive Eindrücke beim Zuschauer zurück, da
sich das Werk auf kein eindeutiges Genre festlegen kann und durch seine
irgendwann ins Leere laufende Story auch nicht unbedingt zum Unterhaltungswert
beiträgt. In gewisser Weise mag das Gezeigte zwar einmalig sein, jedoch wird
dies nur von einer sehr überschaubaren Anzahl positiver Fragmente
unterstützt. Als Lernstück für drogenbeeinflusstes Filmemachen mag
"Vergeltung der Verdammten" ebenso durchgehen wie als nette,
technische Spielerei, doch unter den Gesichtspunkten eines Horror- oder
Westernfilms fällt das Werk letztendlich durch. |