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Der Rachefilm existiert nun schon seit langer
Zeit, führte aber ein Nischendasein, bis ein Mann namens Quentin Tarantino
dieser Tatsache mit seinem "Kill Bill" ein Ende setzte. Seitdem wird
der Rachefilm auch von einer breiteren Öffentlichkeit als eigenständiges
Sub-Genre betrachtet und wurde zudem von Werken wie "Death Sentence"
oder der Rache-Trilogie von Park Chan-wook ("Oldboy", "Sympathy
for Mr. Vengeance", "Lady Vengeance") noch einmal mit
sehenswerten Beiträgen bereichert. Nicht ganz so bekannt wie die eben
genannten Streifen, dafür zumindest so interessant kommt das britische
Rachedrama "Blutrache" daher, das im Original den Titel "Dead
Man's Shoes" trägt und von keinem geringeren als Shane Meadows gedreht
wurde. Diesem Regisseur verdankt der Filmfan unter anderem noch das Drama
"This is England", welches 2006, also zwei Jahre später erschien.
"Blutrache" ist bereits im ersten
Augenblick anzusehen, dass den Verantwortlichen hierfür kein gigantisches
Budget zur Verfügung stand. Dies war jedoch auch nicht von Nöten, da das
750.000 Pfund teure und auf 35mm gedrehte Werk andere Ansprüche an sich
stellt, als dem Publikum lediglich einen plumpen Thriller vorzusetzen. Statt
ausgedehnten Gewaltszenen und pausenloser Spannung legt Meadows seinen
Schwerpunkt auf eine ebenso realistische, wie klaustrophobische und
niederschmetternde Atmosphäre, die aus "Blutrache" alles andere als
einen leicht zu schluckenden, partytauglichen Film für die gesellige Runde
macht. Vielmehr liegt hier ein erschütterndes und durchaus reales Drama vor,
welches das Schicksal mehrer Männer im Strudel von Schuld, Rache und
Vergeltung beleuchtet. Ein durchaus anspruchsvoller Stoff, der von Meadows
auch dementsprechend umgesetzt wurde.
"Blutrache" ist nicht gerade das, was
man als lebensfrohen oder spaßigen Film bezeichnen würde. Triste, kahle und
schutzlose Szenarien bestimmen das Gesamtbild, die die Gefühlswelten der
Protagonisten regelrecht an die Oberfläche projizieren. "Blutrache"
wird in Etappen vorgetragen und kündigt mit kurzen Einblendungen stets den
jeweiligen Tag von Richard's Rache an, während dem Zuschauer mittels Rückblenden
die Vergangenheit des eiskalten Soldaten und seines geistig behinderten
Bruders vorgetragen wird. Diese ist einerseits von Richards steter Ablehnung
und Scham für seinen Bruder, anderseits von seinem Wunsch, ihn gegen den
Spott der Außenwelt zu schützen, geprägt. Richard erscheint deshalb weder
als Bösewicht, der aus niederen Gründen Selbstjustiz verübt, noch als
strahlender Held, der das Gesetz da in die Hand nimmt, wo dessen Vertreter
versagen. Auch bei den Verbrechern verzichtete Meadows auf bloße Schwarzweißmalerei
und stellt sie als Menschen mit Freunden und Familie dar, die durchaus einen
Hintergrund mit sich bringen und somit nicht als gesichtslose Täter, sondern
als menschliche Wesen präsentiert werden.
Die Beschreibung oder die Trailer sind durchaus
in der Lage, einen falschen Eindruck von diesem Film zu wecken. Wer lediglich
auf harte Racheszenen und blutige Vergeltung aus ist, wird diese hier nicht in
der gewünschten Form finden. "Blutrache" wird, trotz vereinzelter,
brutaler Szenen, insgesamt eher ruhig, wenngleich zum selben Zeitpunkt auch
spannend erzählt. Viele Szenen sind schleppend angelegt und zeigen
beispielweise die Drogendealer und Verbrecher bei ihren normalen Tätigkeiten,
fokussieren sich auf die Angst, die diese Menschen in jenen Augenblicken
durchleben, wenn sie jederzeit damit rechnen müssen, von Richard für ihre
Tat bestraft zu werden. "Blutrache" lässt die Sympathien des
Publikums jedoch nie auf eine Seite schwanken, sondern fungiert ohne jedes
Urteil. Den schrecklichen Taten, die dem friedliebenden und hilflosen Anthony
angetan wurden und die innerhalb des Films als Rückblenden verstreut gezeigt
werden, steht die Angst und die Reue der Männer gegenüber, die dies
verschuldeten und die sich nun vor ihrer Strafe fürchten.
"Blutrache" funktioniert somit in der
Intention seiner Schöpfer einwandfrei und steht positiv konträr zu all den
Rachefilmen, die lediglich darauf abzielen, die niederen Gelüste des
Publikums nach Rache und Genugtuung zu befriedigen. Nichtsdestotrotz wird
"Blutrache" seine Zuschauer nicht uneingeschränkt zufriedenstellen
können. Zu bitter und fernab jeder leichten Unterhaltung ist dieses Werk
angesiedelt, zu real und schmerzvoll der Storyverlauf und das unerwartete
Ende. Es handelt sich bei diesem Film und eine außerordentlich subjektive
Erfahrung, die jeder Zuschauer anders wahrnehmen wird und die gleichermaßen für
Begeisterungsstürme, wie auch für enttäuschte Gesichter sorgen kann. Eines
jedenfalls steht fest: Aus technischer Sicht gibt es hier nichts zu
beanstanden, "Blutrache" wurde für seine geringen Mittel bestens in
den Kasten gebracht. Auch die Schauspieler waren scheinbar mit vollem
Tatendrang bei der Sache, denn von den zu sehenden Darbietungen bleiben manche
noch länger positiv in Erinnerung. Paddy Considine etwa gibt den eiskalten Rächer
regelrecht versessen und fernab jeder moralischen Ordnung, was er absolut überzeugend
zu spielen in der Lage war. Auch die sonstigen Leistungen, etwa die von Toby
Kebbell, der den geistig zurückgebliebenen Anthony mimt oder die von Gary
Stretch als schmieriger Kleinstadtganove sind überragend und weit weg von
jeder Kritik.
"Blutrache" ist, objektiv betrachtet,
ein mehr als tadelloses Rachedrama, das in tristen und ernüchternden Bildern
eine Geschichte erzählt, die hier keiner ausufernder Action- oder
Gewaltszenen bedarf, um eine destruktive Atmosphäre und eine packende
Spannung zu erzeugen. Uneingeschränkt empfehlenswert ist das Werk dann aber
doch nicht, da die deprimierende Grundstimmung und der nüchterne Realismus
sicherlich nicht jeden Zuschauer ansprechen wird. |