|
Was haben Zombies im Wilden Westen zu suchen?
Wer auf diese Frage auf Teufel komm raus keine Antwort finden wird, der
dürfte auch mit "Undead or Alive", der neuen Zombie-Komödie in den
deutschen Verkaufsregalen, nicht all zu viel anfangen können, ist eine
Besinnung auf den traditionellen Untotenfilm doch das letzte, was dieses Werk
anstrebt. Was Regie-Debütant Glasgow Phillips, seines Zeichens aus dem
Autorenteam von "South Park" stammend, hier abliefert, ist vielmehr
ein zwar nicht ganz neues, dafür aber sehr gut aufgelegtes Crossover zwischen
Westernsatire und Zombiesplatter, der sich in die vielen "Zombedys"
der letzten Zeit einreiht und damit dem ein oder anderen Genrefreund
sicherlich ein müdes Gähnen abringen dürfte. Jegliche Vorsichtsmaßnahmen
oder Vorbehalte dürfen hier jedoch guten Gewissens fallen gelassen werden,
hat das Zusammenspiel dieser beiden Genres doch selten zuvor so gut
funktioniert wie hier.
Im Großen und Ganzen spielen bei "Undead
or Alive" viele glückliche Faktoren mit, die im Gesamtbild für ein
rundum gelungenes Filmerlebnis der etwas anderen Art sorgen. Zuerst einmal
heben sich die Locations und die allgemeine, visuelle Präsentation deutlich
von den sonstigen Streifen dieser Machart ab. Wer noch vor Filmstart mit einem
typischen B-Movie rechnete, bekommt plötzlich eine glaubhafte
Western-Szenarie in schicker Aufmachung vorgesetzt. Saloons, staubige
Straßen, rauhe Kerle, leichte Mädchen und einsame Prärien. Den Westernfilm
nimmt man "Undead or Alive" sofort ab, auch, wenn die Charaktere
für dieses Genre äußerst untypisch erscheinen. Das Weichei Luke etwa ist
das absolute Gegenteil eines Cowboys, auch wenn er sich selbst als solcher
sieht, was für einige humorvolle Momente sorgt. Beinahe schon birgt
"Undead or Alive" die Anleihen eines Buddy-Movies in sich, wenn die
äußerst ungleichen Flüchtigen Luke und Elmer gemeinsam von einer
unliebsamen Situation in die nächste stolpern und dabei miteinander auskommen
müssen. Auch die Liebesgeschichte darf dabei nicht fehlen, ein Element, für
das die attraktive Sue sorgt. Sie ist eine Halbindianerin und kann, obwohl sie
in New York aufwuchs und dort studierte, perfekt mit Pfeil und Bogen umgehen.
Dieser Charakter ist der dritte im Bunde der Hauptprotagonisten und rundet das
Gespann perfekt ab.
Spaß ist das einzige Ziel dieses Films, dafür
fliegen Logik und Plausibilität schnell über Bord, was aber nur die
wenigsten stören dürfte. Bald werden Luke, Elmer und Sue von einer Bande
untoter Sheriff's verfolgt, was auch in einigen Szenen für einen erhöhten
Blutgehalt sorgt. Trotz einer FSK 16 geht es in "Undead or Alive"
überraschend blutig zur Sache, der Splatterfan kommt bei allerlei
abgetrennten Gliedmaßen definitiv auf seine Kosten. Doch nicht nur dadurch
wird der Zuschauer bei Laune gehalten, auch kuriose Dialoge und passende
Situationskomik sorgen dafür, dass das Publikum beinahe durchgehend gut
unterhalten wird. "Undead or Alive" nimmt sich selbst absolut nicht
ernst und zieht selbstbewusst über die Klischees des Westerns her, ohne in
Einfallslosigkeiten abzugleiten. Das einzig nennenswerte Problem, das der Film
leider nicht gänzlich verbergen kann, sind einige Längen im Drehbuch. In die
88 Minuten Laufzeit haben sich letztendlich auch einige grundlos in die Länge
gezogene Szenen eingefunden, die dem Ganzen ab und an etwas das Tempo nehmen,
den rundum positiven Gesamteindruck aber nicht trüben.
"Undead or Alive" ist insgesamt eine
wirkliche Überraschung und dürfte sich innerhalb der Horror-Szene schnell
als Geheimtipp herumgesprochen haben. Sicherlich bekommt man hier eigentlich
nichts zu sehen, was man nicht schon kennen würde, doch werden die
altbekannten Formeln scheinbar problemlos perfektioniert und abgerundet.
Endlich wird dem Publikum mal wieder ein Film präsentiert, der trotz seiner
Herkunft aus dem B-Sektor nicht zwanghaft billig oder bemüht erscheinen muss,
sondern den sich auch alle ansehen können, die kostengünstigerer
Unterhaltung sonst eher abgeneigt sind. Nicht ganz unschuldig am durchweg
positiven Gesamteindruck des Films sind natürlich auch die Schauspieler. Der
unter anderem aus "Desperate Housewives" bekannte James Denton gibt
hier den glaubhaften und kernigen Cowboy, der mit allen Wassern gewaschen ist,
während Chris Kattan ("Saturday Night Life") als
liebenswert-trotteliger Möchtegern - John Wayne ebenfalls zu
Höchstleistungen aufläuft. Den Beiden zur Seite steht ein Cast absolut
überzeugender und durchweg passend besetzter Akteure, allen voran die
attraktive Navi Rawat, die schon in "Feast" mit reichlich Kunstblut
in Berührung kam.
"Undead or Alive" erfindet das Genre
nicht neu - muss er aber auch garnicht. Was Glasgow Phillips dem kritischen
Publikum hier vorsetzt ist eine treffsichere und ungemein unterhaltsame
Mischung aus Westernsatire und Zombiekomödie, die durch sympathische
Charaktere, schräge Dialoge, sitzende Situationskomik und ausreichend
Splattereinlagen viele ähnliche Produktionen aus dem Bereich der
"Zombedy" problemlos in den Schatten stellt. |