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Man
mag es kaum glauben, aber es gibt sie tatsächlich noch: Moderne
Horrorfilme aus Fernost, die ihren Thrill einmal nicht durch
verwunschene Telefone, ungekämmte Mädchen im weißen Nachthemd
oder zähneknirschende bleiche Blagen in der Besenkammer beziehen.
Damit
bricht Dae-Won Lim bei seinem
Regiedebüt mit den herkömmlichen Traditionen, folgt gleichzeitig
aber dem aktuellen Trend, den Zuschauer mit möglichst raffinierten
Plottwists überraschen zu wollen. Dies gelingt ihm allerdings nur
bedingt. Zwar ist es löblich, dass er versucht, mit verschiedenen
Storylines und unerwarteten Wendungen in der Handlung für Spannung
zu sorgen. Jedoch verliert er dabei letztendlich in der eigenen
Kreativität die Übersicht. So werden interessante Aspekte der
Handlung nur oberflächlich angeschnitten, einige eingeschlagene
Pfade gar nicht bis zum Ende beschritten.
Nichtsdestotrotz
ist das Resultat ist durchaus unterhaltsam.
BLOODY
REUNION beginnt zunächst als melancholisches Psychodrama. Bei einem
Klassentreffen zu Ehren ihrer ehemaligen Lehrerin Mrs. Park holt die
Schüler ihre Vergangenheit ein. Bald erkennen sie, dass sie der
netten Person, die sie einst als Kinder so verehrten, mehr zu
„verdanken“ haben als nur ihre Schulbildung. Durch Rückblenden
erfährt der Zuschauer nach und nach, dass jeder einzelne Charakter
sein eigenes persönliches Schicksal zu meistern hat, für das die
Lehrerin durch ihre grausamen und menschenverachtenden Lehrmethoden
verantwortlich ist. Der ehemalige Spitzensportler der Klasse ist nun
ein alkoholkranker Krüppel. Der einstige Lieblingsschüler der
Lehrerin ist inzwischen ein seelisches Wrack, das seine Psychosen
mit Medikamenten bekämpft. Und das kleine pummelige Mädchen,
damals von Lehrerin und Mitschülern immer gehänselt, ist nun
gertenschlank – aber durch unzählige Schönheitsoperationen
entstellt…
Doch
bevor sich die Schüler jetzt in bester „Tötet Mrs. Tingle“ –
Manier an ihrer Peinigerin von damals rächen können, kommt zur
Mitte des Films die Wende im Plot. Ab dann mutiert BLOODY REUNION
zum lupenreinen Slasher in bestem Old-School 80er-Jahre-Gewand,
inklusive mysteriösem maskierten Killer, blutigen Morden und reichlich Terror im Parkett.
Dabei
hebt sich BLOODY REUNION von herkömmlichen Ami-Slashern à la
„Freitag der XYste“ ab, da hier die Opfer eben keine
grenzdebilen Teenager sind, die für vorehelichen Sex oder
Drogenkonsum abgestraft werden. Auch die Identität des Killers ist
durch die bereits angesprochenen Wendungen in der Story für den
Zuschauer bis zuletzt nie eindeutig klar. Für Spannung ist somit
durchgehend gesorgt.
Die
deutsche Fassung macht einen gekürzten Eindruck. Dieser Verdacht drängt
sich zumindest auf, da unter anderem am Ende des Films einige
Szenen, insbesondere der Tod des Killers, geschnitten wirken.
Trotz
einiger dramaturgischer Schwächen in der Story ist BLOODY REUNION
definitiv einen Blick wert, insbesondere für Freunde asiatischen
Horrors, denen Telefone, Geistergören oder Wunschbrunnen-Videos
schon lange
nur noch ein gruseliges Gähnen hervorlocken… |