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Mal
Hand aufs Herz: Beim Gedanken an Horrorfilme kommt einem wohl kaum
unweigerlich Pakistan in den Sinn. Das könnte sich bald ändern.
Omar Khan leistet mit seinem Regiedebüt „Zombies Hell’s Ground“
– dem ersten pakistanischen Splatterfilm – nicht nur
bemerkenswerte Aufbauarbeit für das Lollywood-Kino, sondern liefert
einen ebenso unterhaltsamen wie erfrischenden Beitrag zum Genre ab.
Dabei
braucht der kurzweilige Mix aus Zombiefilm und Hinterwäldler-Schocker
nicht einmal den Exotenbonus zu bemühen. Seinen Charme bezieht die
Low-Budget-Produktion in erster Linie daraus, dass es sich hier um
einen Film von einem Liebhaber des Horrorfilms für die große
Fangemeinde eben dieses Genres handelt.
Omar
Khan, seines Zeichens neben Filmemacher auch Besitzer der wohl
coolsten Eisdiele der Welt – wie in der Dokumentation „Ice Cream
Zombieland“ im Rahmen der DVD-Extras zu sehen, zieren sein
Ladenlokal unzählige Poster und Souvenirs aus Horrorfilmen - macht
keinen Hehl aus seiner Verehrung für die großen Meister der Zunft.
Er zitiert munter bekannte Genreklassiker.
So
beginnt der Film mit einem blutrünstigen Mord im Unterholz. „Ja
ist denn schon wieder ‚Freitag, der 13’?“; wird sich dabei
nicht nur Sean Cunningham denken. Danach wandelt Khan auf den Pfaden
von George A. Romero’s „Night of the Living Dead“, indem er
Heerscharen von zerfledderten Untoten durch die Gegend schleichen
und über die Menschen herfallen lässt.
Im
Verlauf des Geschehens verlässt der Film aber die eingeschlagenen
Pfade, um zum lupenreinen, blutigen Backwood-Terrorfilm zu mutieren.
Dass dabei Tobe Hooper’s Klassiker „The Texas Chainsaw Massacre“
Pate stand, ist mehr als offensichtlich. Manche Momente des
Originals sind fast 1:1 übernommen. Den Vorwurf des Plagiats kann
und darf man dem Film jedoch nicht machen, schließlich bringt
Regisseur Khan seine eigene ganz spezielle handwerkliche Note mit
ein. Diese hebt den Film auf seine Art aus der Dutzendware der
Splatterschnellschüsse hervor, die ihr Dasein auf den
Krabbeltischen der Filmbörsen fristen.
Comicstrips
als Intro der einzelnen Handlungsepisoden, experimentelle
Kameraeinstellungen, das geschickte Spiel mit den Lichtverhältnissen,
teilweise poetisch anmutende Bilder (wie der sich blutrot färbende
Mond nach dem Mord in der Anfangssequenz oder die kurze
zwischenzeitliche Einblendung einer Spinne im Netz) sind solche
Elemente. Dazu kommt das zweifelsohne innovative Motiv eines Killers
mit Burka und Morgenstern anstelle von Ledermaske und Kettensäge.
Nicht zuletzt gibt es im Vergleich zum Original auch gut eins auf
die Nuss, so dass sich Gorehounds
nicht beklagen können…
Einen
besonderen Reiz bekommt der Film zudem durch seine Musik, die eine
interessante Mischung aus orientalischen Klängen und Anleihen an
den Soundtrack alter Spaghetti-Western bietet. Zusätzlich wird noch
gut gerockt, immerhin steuerte der pakistanische Künstler ZUJ
seinen Chart-Hit „Phook Lay“ zum Soundtrack bei.
Erfreulich
anzusehen sind auch die Schauspieler, die ihren Part wirklich sehr
solide machen und dafür dann auch in der deutschen Fassung mit
einer für Low-Budget-Produktion ungewöhnlich guten Synchronisation
belohnt werden. Zwar neigen einige wenige Darsteller zum Overacting.
Dies sei ihnen verziehen, allen voran Schauspieler Rehan, dessen
besondere Verdienste Omar Khan mit einem amüsanten Cameo-Auftritt würdigt.
Als Dracula-Darsteller leistete Rehan nämlich seinerzeit in dem
ersten pakistanischen Horrorfilm überhaupt („Zinda Laash“,
1967) Pionierarbeit für die Filmbranche seines Landes.
Über
40 Jahre später ist nun Omar Khan mit seinem „Zombies Hell’s
Ground“ auf dem besten Weg, den pakistanischen Horrorfilm zu
etablieren. Weiter so! |