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Es
muss nicht immer der King sein…
Zugegeben:
Zumindest was die Verkaufszahlen betrifft, ist wohl Stephen King –
der unumstrittene König der modernen Horror-Literatur. Auch die
vielen Verfilmungen seiner Bücher wie „ES“, „Shining“,
„Carrie“ sind bei Fans und Kritikern gleichermaßen beliebt.
Doch auch abseits des King’schen Gruselkönigreichs ziehen andere
Meister des Grauens regelmäßig erfolgreich die Leser mit ihren
Schauergeschichten in den Bann. Clive Barker ist ein gutes Beispiel
dafür. - Oder eben Peter Straub.
Sein
Roman „Ghost Story“ (hierzulande unter dem Titel
„Geisterstunde“ veröffentlicht) lieferte 1981 die Vorlage für
einen gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Gruselfilm. „Ghost
Story“ ist ein ebenso solides wie unterhaltsames Stück
Geisterfilm mit netter winterlicher Atmosphäre, einem passenden
Score von Filmkomponist Philipp Sarde, funktionierenden
Schockmomenten und vier Hollywoodveteranen in Hochform – nur noch
übertroffen von der überragenden Alice Krige als Rachegeist.
Für
seine Leinwand-Adaption von „Ghost Story“ ist es Regisseur John
Irvin nicht nur gelungen, Peter Straubs Werk würdig umzusetzen, er
konnte hierfür eine mehr als illustre Schar alt gedienter
Hollystars um sich versammeln: Fred Astaire, Melvyn Douglas, Douglas
Fairbanks Jr., John Houseman. Wenn sich diese vier Veteranen
des Kinos gemeinsam in einem Film die Ehre geben, dann geraten
Cineasten sicherlich ins Schwärmen. Reine Horror-Fans dürfte die
Ankündigung eines Fred Astaires in einem Gruselfilm allerdings zunächst
erst einmal verwirren, wenn nicht gar abschrecken, schließlich
erntete der Hollywoodstar seinen Ruhm in erster Linie in ganz
anderen, seichteren Genres, wobei er vor allem den Tanzfilm wie kein
Zweiter prägte. Skeptiker brauchen allerdings keine Angst zu haben:
Weder singt, noch tanzt Fred Astaire. Im Gegenteil: Der Weltstar, für
den „Ghost Story“ der letzte abendfüllende Kino-Film sein
sollte wirkt in seiner Rolle als von Alpträumen geplagter Senior
alles andere als ein Fremdkörper. Ebenso wie seine berühmten
Kollegen ist er die ideale Besetzung als einer der Gentleman der „Chowder
Society“.
Der
eigentliche Hingucker des Films indes ist weiblich und spielt die
großen Recken des Kinos locker an die Wand. In ihrer Doppelrolle
als verführerischer Vamp und Rachegeist bringt Alice Krige das Blut
ihrer männlichen Filmkollegen zunächst zum Kochen und dann zum
Gefrieren. Die gebürtige Südafrikanerin, die Horror-Fans u.a.
durch ihr Mitwirken in Stephen King’s „Schlafwandler (1992)
bekannt sein dürfte, macht nicht nur optisch – mal erotisch im
Eva-Kostüm, dann gespenstisch mit Brautkleid und eiskaltem Blick
– eine gute Figur. Ihr gehören die magischen Momente des Films,
die Schlüsselszenen und unvergessene Monologe wie dieser: „An
Orte will ich Dich bringen, wo Du noch niemals warst. Dinge werde
ich Dir zeigen, die Du noch niemals sahst. Und Dein Leben möchte
ich aus Dir heraus rinnen sehen…“
Zu
Recht bezeichnet Alice Krige ihre Rolle in „Ghost Story“ als den
bis dato wichtigsten Part ihrer Karriere. Auch ihr Kollege
Craig Wasson, hier ebenfalls in einer Doppelrolle, liefert eine
ordentliche Leistung ab. Gleiches gilt im Übrigen für das
Special-Effects-Team um Henry Miller jr.. Dessen inszenierte
Schockeffekte sind zwar spärlich gesät dafür aber umso
wirkungsvoller platziert.
Für
Regisseur John Irvin (u.a. „Der City Hai“ 1986) stellt
„Ghost Story“ bislang den einzigen Ausflug ins Horror-Genre dar.
Das ist zwar schade. Dennoch bleibt Hoffnung auf weitere. Denn
schließlich hat der gute Mann gezeigt, dass er das Zeug dazu hat,
einen „Straub“ auf der Leinwand zum „King“ werden zu
lassen…
Fazit:
Der ideale Opener für einen klassischen Heimkino-Grusel-Marathon an
einem stürmischen Winterabend. Am besten bei Kerzenschein und einem
Glas Rotwein genießen. Danach darf es dann auch gerne ein bisschen
Stephen King sein… |